Das Hadamarer Land - Geschichte(n) einer Region

Diese private Homepage handelt von der hessischen Stadt Hadamar im Kreis Limburg-Weilburg,
deren Umgebung und insbesondere von Steinbach, heute Ortsteil von Hadamar.

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Inhaltsverzeichnis    

Ellar
Ein Metzgerbursche aus Limburg
Die Bahnlinie von Hadamar nach Westerburg
Die Freiherren vom und zum Stein hatten in Steinbach den Zehnten
Anton Georg Falkenstein
Das Verfahren gegen den Amtmann Reichmann in Ellar 1714
Im Goldenen Grund
Der Mineralbrunnen von Niederselters
Konstituierung der nassauischen Landstände 1818
Das Herzogtum Nassau im Jahre 1819 - Amtliche und private Mitteilungen
Die Oberförsterei Steinbach
Lebenslinien: Moritz Carl Scholl aus Steinbach
König Adolf von Nassau
George Barnard: The Brunnens of Nassau and the River Lahn
Die Hofener Mühle
Forschungsreise zu den Indianern Nordamerikas
Weihnachtskrippen - Die Sammlung von Pfarrer Dieter Lippert
Spuren früher Besiedlung im Wald bei Steinbach
Aus Steinbachs Geschichte
Das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach
Tödlicher Unfall auf Grube "Sonnenblume" im Jahre 1853
Johann Ludwig - des Volkes und des Friedens Hort
Die Pfarrei Ellar
Wasserversorgung anno dazumal
Franziskanertreppe
Der Fußweg von der Liebfrauenkirche zur Franziskanerkirche
Hochgrab Konrad Kurzbolds von 1235 im Limburger Dom
Name: Peter Hagendorf, Beruf: Söldner
Der Mönch von Limburg
In memoriam Pfarrer Lothar Streitenberger
Die Pfarrkirche zu Oberweyer
Hexenprozesse im Hadamarer Land
Kehrein: Geschichte des Gymnasiums zu Hadamar
Gottfried von Beselich
Melschkanne
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Peter Paul Cahensly
Die stigmatisierte Laienschwester Maria Magdalena Lorger
Die Birkenmühle nördlich von Waldbrunn-Hausen
Die Hadamarer Schlossanlage einst und jetzt
Georg Pasor aus Ellar (1570-1637)
Die Lubentiusbasilika in Dietkirchen
Der Streit um das Hungrighausen-Erbe
Das Hadamarer Jesuiten-Collegium 1652 - 1773
Die Burg Merenberg
Nach Limburg mit der Kerkerbachbahn
Der Ellarer Bürgermeister Johannes Jost VI., genannt "Stagersch Hannes"
Das Schultheater der Hadamarer Jesuiten-Niederlassung
Kalenderblatt für den Monat Dezember
Leonhard Diefenbach, Zeichenlehrer in Hadamar
Der 30-jährige Krieg und die Zerstörung Steinbachs
1945: Amerikanische Truppen im Westerwald
Der Stundenbaum an der Meil
Die Mühlen der Steinbacher in Hadamar
Michaelistag 1664
Weinbau im Hadamarer Land
Der Mord am Hirse-Fritz
Obertiefenbach (Beselich)
Steinbach im Jahre 1713
Teilung Nassau-Hadamars
Jesuiten in Hadamar
Rutger Hesselmann
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Steinbacher Markt im Jahre 1886
Pfarrer Bendels 50-jähriges Dienstjubiläum 1882
Fritz Philippi: Durch die Wolfskehle
Fritz Philippi: Das Heidekreuz
Wie der Schuster Martin zum Held von Steinbach wurde
Das Gefecht von Steinbach am 15. Oktober 1795
Die Berger Kirche
Gnadenthal
Die Zerstörung Ellars im Jahre 1374
Die Dornburg
Die Blasiuskapelle über dem Elbbachtal
Die Ubier im Hadamarer Land
Das Steinkistengrab bei Niedertiefenbach
Die Pfarrkirche zu Niederzeuzheim
Die Steinbacher Pfarrkirche
Die Appenkirche bei Merenberg
Maria Borbonus aus Steinbach und Norbert Bausch aus Thalheim
De Stammocher en de Dikkerischer Maad
Johann Ludwig aus Hadamar und Friedrich aus Heidelberg
Das Steinkistengrab bei Oberzeuzheim
Das Kreuz an der Steinbacher Kapelle
Joseph Wolf aus Steinbach
Die Wüstung Oberndorf
Ein alter Grenzstein
Im Guten Dorn
Die Brücke über die Lahn bei Limburg
Die Hoheholzkapelle westlich von Hadamar
Die Sage vom Sonntagsjäger
Die Herzenbergkapelle in Hadamar
Die Kreuzkapelle in Niederzeuzheim
Napoleons Soldaten im Hadamarer Land
Die Pfarrkirche zu Obertiefenbach
Der Reckenforst bei Dietkirchen
Johann Wilhelm Bausch
Rachilts Schenkung
Die Entführung des Jesuiten-Paters Holthausen
Steinbacher Kirchen
Das Heidenhäuschen
Die Kapelle in Steinbach
Die Franziskanerkirche in Hadamar
Die Nepomukbrücke in Hadamar
Die Liebfrauenkirche in Hadamar
Das Steinkistengrab bei Niederzeuzheim
 

Bei Wikipedia angelegt:
Jacob Preuß
Joseph Blum
Johann Bellinger
Valentin Horn
Hadamar-Steinbach, Schulgeschichte
Hans Becker
Walter Rudersdorf

Ellar



Steinbacher Markt im Jahre 1886


"20. Oktober 1886. Der gestrige Jahrmarkt war vom schönsten Wetter begünstigt, jedoch nicht so stark befahren wie in früheren Jahren, welches wohl seinen Grund in dem ungünstigen Wetter der vorhergehenden Tage hat und viele entferntere Leute abgehalten haben mag. Der Schafmarkt war stark befahren, der Handel eher flau. Auf dem Pferdemarkt wurde ziemlich in Fohlen gehandelt. Auf dem Schweinemarkt war der Handel nicht sehr flott und hielten sich die Preise auf dem seitherigen niederen Stand. Auf dem Rindviehmarkt wurde ziemlich gehandelt. Die Preise für fette Ochsen stellten sich auf 60-64 M., für fette Kühe und Rinder auf 50-55 M., für fette Schweine auf 45-50 M. - Kleinkrämer und Wollwarenhändler klagten vielfach über schlechtes Geschäft, während unter den Wirtszelten, bei Metzger- und Kaffeebuden lebhaftes Treiben herrschte. Zwistigkeiten oder Schlägereien machten sich nicht bemerklich."


(Anders als heute war der Steinbacher Markt im Jahre 1886 demnach am dritten Dienstag nach Michaelis (29. September). Das Bild ist von der Kirmes am 7./8.10.2012, die dem Markt am 9.10. vorausging.)



Pfarrer Bendels 50-jähriges Dienstjubiläum 1882
"21. Dezember 1882, Oberweier, im Amte Hadamar. Der heutige Tag war für unsere Pfarrgenossen ein denkwürdiger und erhebender. In seltener Geistesfrische und körperlicher Rüstigkeit feierte unser allverehrter Pfarrer den 50jährigen Gedächtnistag seiner priesterlichen Wirksamkeit. 31 Jahre treuen Wirkens und Schaffens in unserer Pfarrei haben zwischen ihm und seinen Pfarrangehörigen ein Verhältniß gegenseitiger Liebe und Verehrung gebildet, das niemals durch unangenehme Zwischenfälle getrübt wurde. Aufopferungsvolle Hingabe an seinen priesterlichen Beruf und eine vom Geiste der Liebe und Entsagung getragene Amtstreue charakterisiren die lange Laufbahn des greisen Jubilars. Darum war die Theilnahme an dem Feste eine allgemeine; Jünglinge und Jungfrauen, Männer und Weiber, Arm und Reich wetteiferten in den Bezeigungen der Anhänglichkeit und Verehrung. Freunde und Bekannte, Geistliche und Laien von Nah und Fern eilten am Feste herbei, dem Jubilare ihre Glückwünsche zu überbringen. Zwar hatte der bescheidene Sinn des Gefeierten jede öffentliche Kundgebung vermeiden wollen; allein die Bevölkerung ließ es sich nicht nehmen, ihren verehrten Hirten durch Ueberreichung mehrerer prachtvoller Geschenke den Zoll ihrer Liebe und Anhänglichkeit darzubringen. Unter den zahlreichen Festgaben, repräsentirt das Geschenk der Dekanatsgeistlichen, ein prachtvolles Meßgewand, allein einen Werth von mehreren hundert Mark. (Rheinischer Kurier)"

(Lothar Bendel aus Steinefrenz, geb. 24.1.1807, 20.12.1832 Pfarrer in Oberweyer, Weihe des Schulhauses (25.10.1883), Bau der Kirche 1883, gest. 7.6.1885 in Oberweyer. Daten aus: "100 Jahre Pfarrkirche Oberweyer 1883-1983", zusammen gestellt von Pfarrer Lothar Streitenberger. Der Grabstein für Pfarrer Bendel rechts steht neben der Pfarrkirche von Oberweyer.)



Ein Metzgerbursche aus Limburg




"12. Januar 1878, Hadamar. Diese Woche schickte ein Metzger von Limburg seinen Burschen nach Steinbach mit 370 Mark, um dafür einen fetten Ochsen in Empfang zu nehmen. Es wird Abend, aber kein Bursche kommt zurück. Nach gemachter polizeilicher Anzeige hiervon werden Landjäger dem "Ungetreuen" nachgeschickt, welche dessen Anwesenheit in Steinbach, Meilingen, Oberzeuzheim auch in Erfahrung bringen und daß er in Wirthshäusern gut gelebt habe. Auch hier hielt er sich von Mittags bis Abends auf, kaufte einen vollständig neuen Anzug und fuhr mit dem 7-Uhrzug nach Elz. Jedenfalls ist der arglose Metzger in Limburg um die ganze Summe geprellt."



Die Bahnlinie von Hadamar nach Westerburg


"13. Januar 1883, Langendernbach. Heute Morgen fand hier eine Gemeindeversammlung zur Beschlußfassung über den von unserem Ort zu leistenden Beitrag zu den Grunderwerbungskosten für die Eisenbahn Hadamar-Westerburg statt. An dieser Versammlung nahmen Theil als Vertreter der Königl. Regierung Herr Regierungsrath Kaufmann, ferner Herr Amtmann Schmidt von Hadamar und Herr Niesen als Vertreter des Herrn Krupp. Man suchte unserem Orte die Summe von 10,000 Mark aufzubürden, doch die Mehrzahl der hiesigen Bürger war sowohl gegen diesen, als jeden anderen Betrag, zumal die Bahn nicht einmal unsere Gemarkung durchschneidet, sondern oberhalb unserer Grenze herläuft. Nachdem die anwesenden Herren noch für einen Gemeindebeitrag von 8000 bezw. 6000 Mark plaidirt hatten machte unser Herr Bürgermeister den Vorschlag, auf die Dauer von sechs Jahren 10 pCt. der Staatssteuern als Gemeindezuschuß zu bewilligen. Dieser Vorschlag wurde dann auch angenommen. Frickhofen hat beschlossen 12,000 Mark zu geben. Hier durchschneidet aber auch die Bahn die ganz Gemarkung und Frickhofen selbst bekommt einen größeren Bahnhof, doch ist auch das von ihm gebrachte Opfer kein geringes; erhebt es doch schon jetzt 250 pCt. Kommunalsteuern. Auch Thalheim und Niederzeuzheim sollen ansehnliche Summen bewilligt haben, wie es heißt, giebt ersteres 8000, letzteres 10,000 Mark. Von hier aus begaben sich die obengenannten Herren nach Wilsenroth, um auch jene Gemeinde zur Uebernahme eines Theiles der Kosten zu bewegen. Jedenfalls übernimmt auch dieses seinen Theil an den Kosten, damit sind dann die Grunderwerbskosten und damit auch der ganze Bahnbau sichergestellt. Hoffentlich wird der Bau jetzt auch bald in Angriff genommen werden. (Rheinischer Kurier)"
Das Bild zeigt den Bahnhof von Frickhofen. Urheber des Bildes ist Oliver Abels. Der Urheber gestattet die Nutzung unter der GNU Free Documentation License, Version 1.2 oder später. Der Autor dieser Seite hat das Bild bearbeitet und stellt das bearbeitete Bild unter den gleichen Lizenzbedingungen zur Verfügung.



Die Freiherren vom und zum Stein hatten in Steinbach den Zehnten

Die vom Stein sind eine im 12. Jahrhundert erstmals erwähnte Familie, die ihren Namen von der Burg Stein in Nassau ableitet und die später zu den bedeutendsten der rheinischen Reichsritterschaft gehört. Philipp vom Stein ("der Junge", ein Sohn des Friedrich vom Stein und der Mechtild Waldbott von Bassenheim, † 1476) erlangt für sich und seine Familie den Reichsfreiherrenstand. Nach dem Tod von Heinrich Friedrich Carl vom und zum Stein - einem preußischen Staatsmann - im Jahre 1831 stirbt das Geschlecht der Herren vom Stein aus. In Steinbach haben die vom Stein über 300 Jahre den Zehnten.

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Fritz Philippi: Durch die Wolfskehle

Veröffentlicht in "Unter den langen Dächern – Neue Erzählungen vom Westerwald", Verlag Eugen Salzer, Heilbronn 1906.
I.

Immer höher schob sich der Pfad dem steilen Dach hinan, über Steine und Geröll in der trockenen Wasserrinne. Die Steine waren nachtschwarz und auf der Oberfläche leicht geglättet, abgescheuert von stürzendem Wasser und steigenden Menschentritten – wieviel Wasser und Menschentritte, das war nicht auszudenken. Nun setzte er den Fuß hin, einen feinen, spitzen Schuh, wie er zu Robert Herrling paßte. Robert Herrling, Großstadtmensch und Muttersöhnchen, seit drei Tagen Vikar von Hellenhahn! "Nach Hellenhahn?" Das letzte Klingelbähnchen stand fauchend vor dem Gebirge; dann zwei Stunden noch ein gebahnte Straße. Die Bäume hielten sich niedriger an der Erde. – Man empfand es als Beleidigung, wenn man eine bessere Gegend gewohnt war. "Nach Hellenhahn?" Der letzte ordentliche Weg blieb zurück. Und nun: immer bergan von Stein zu Stein durch die Wolfskehle. So nannten die Leute im Tal die Wasserrinne, und das sei der "Weg". Die Leute im Tal hingen neugierig die Hälse über den Zaun und aus den Fenstern und wiesen auf der Straße mit lauter Stimme und weit ausgestrecktem Arm nach dem Himmel, die lange, kahle Wand des Berges hinauf, dessen Haupt rauchte von etwas, das keiner sah. Immer bergan durch die Wolfskehle!

Wenn Robert Herrling beim Aufstieg verschnaufte und sich umdrehte, wie war die Welt so schön! Das kindlich lachende Tal, mitten im satten Grün die Herde weißer Häuschen und keck dabei, erst Hügel, dann Berge. Die Kleinen träumten schon im Schatten der Großen, die hohen Gipfel lagen noch wach im Sonnenlicht, und die tiefblauen Hinterberge wölbten ihren Rücken steilauf gegen den lichten Himmel.

"O Täler weit, o Höhen!"

Wenn aber Robert Herrling wieder den Fuß hob in der Wolfskehle, dann war die Welt einsam und wurde immer verlassener vom Leben. Wachhecken, Ginster und Dorngestrüpp krümmten sich nach der Hand und dem Wanderstab, vor den Augen und über der Stirne stand die kahle Erde. Und doch war es jetzt der richtige Weg, durch die Wolfskehle.

Einer im Tal hatte sich besonnen, dann den Mund aufgetan und dem Wanderer nachgerufen: "Dort oben gehörten keine Menschen zu wohnen!" Ja! Dann hätte er umkehren dürfen und hätte ... Was hätte er nicht alles? In Sprüngen wieder bergab, auf die Straße zur Eisenbahn, im Flug zurück in die lebensvolle Stadt und zu dem Mütterchen, das geweint hatte, als er ihr kundgab, wohin er berufen sei, auf das abgelegenste Dorf im Westerwald, wo die Füchse und Wölfe einander gute Nacht wünschten. "Hast du denn – ein solch schlecht Examen gemacht, Robert?" " Sicher nicht!" Es stand aber auf einem weißen Aktenpapier, als er´s auseinanderfaltete: "Angesichts dieses haben Sie sich nach Hellenhahn zu begeben zur Versehung der Pfarrgeschäfte." "Angesichts dieses!" Er mußte der Schrift gehorchen. Er hatte ein Amt.

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Fritz Philippi: Das Heidekreuz
Veröffentlicht in "Unter den langen Dächern – Neue Erzählungen vom Westerwald", Verlag Eugen Salzer, Heilbronn 1906.

Ich dachte, ich will von einer großen Tat schreiben. Sie haben es nötig, die Menschen, die in ihren Kammern wohnen und nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang Mauern vor sich schauen und Kohlendunst vor ihrem Stück Himmel. Wenn sie von einer großen Tat hören, werden sie tief ausatmen, wie unter dem Himmel unserer Heide. Da ging ich hinaus zu den Leuten im Dorf und fragte nach einer großen Tat, die sie gesehen hätten.

Ich kam auf die Osterwiese, wohin alle Leute gegangen waren; die Alten, um zuzuschauen, und die Jungen, um den Ball zu werfen. Denn es ist früh am Ostermorgen, und heute allein im Jahr ist das Ballspiel auf der Osterwiese. Und gerade sah ich, daß Feldmanns Karl, der ein Urlauber war in des Königs Rock, den besten Wurf tat. Er bog den Leib gewaltig zurück und streckte die rechte Hand nach der Erde, als empfange er etwas von ihr. Dann schnellte er auf! . . . Die Mädchen, schreiend vor Lust, das Gesicht nach dem flüchtigen Ball, jagten über die grüne Wiese und hielten in den Händen die weiße Schürze ausgespannt zum Fang. – Allen voraus ist Grobschmieds Guste. Sie will die Vorderste sein. Wird ihr´s gelingen? Sie springt über den Bach! Der Ball kommt nieder. Und hoch in der Schürze springt er – gefangen! Das bedeutet etwas, das Ballspiel auf der Osterwiese, das nur einmal im Jahr gespielt wird. Grobschmieds Guste ist eine Erbtochter und Feldmanns Karl eines Beisässers Sohn. – Und sie gehen miteinander Hand in Hand! Aber ich sagte: Das ist die große Tat nicht, von der ich schreiben will. Sie werden darum neidisch sein in ihren Kammern und sprechen: "Was ist das für uns?"

Weiter ging ich bergan der Sonne entgegen, während hinter mir der Schatten in den Berg kroch vor dem Licht. Es war Ostermorgen, und ich fragte nach einer großen Tat. An den Äckern kam ich vorüber und stand und sah zu meinen Füßen ungezählte kleine, grüne Spieße, aufrecht herausgestreckt durch dunkle Schollen, ein tapfer Fähnlein neben dem andern. Und als meine Schritte bis an den Buchenwald kamen, den Hickehain, winkten tausend Keime von allen Zweigen meinen Augen zu: Sie würden die Sonne schauen wie ich! Und die Glocken läuteten darüber aus dem Tal.

Da, als ich auf dem Berge stand, wußte ich die große Tat, die wert sei, am Ostermorgen zu erzählen. Denn ich sah das Kreuz vor mir, daß mitten auf unserer Heide steht, umwallt von schwarzem Gestein. Es brannte im Licht, daß ich die Hand zu den Augen hob, und verbrannte doch nicht. Rauh gezimmert aus Eichenbalken ist das Heidekreuz, vom Wetter geschwärzt. Kein blutiger Heiland hängt an ihm. Raben ruhen auf ihm aus vom Flug über die Heide. So einsam steht es.

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Die Pfarrkirche zu Obertiefenbach
1886: "Obertiefenbach, 4. Okt. Der hiesige Kirchenbau ist nun seiner Vollendung nahe und wird bereits am Sonntag den 17. d. M. gelegentlich des Kirchweihfestes seine Einweihung vorgenommen werden. Die ganze Bauart und innere Einrichtung der Kirche ist eine sehr geschmackvolle und wird der Tag der Einweihung viele Interessenten von nah und fern herbeiführen." / "Obertiefenbach, 17. Okt. Heute fand hier die Einweihung der neuerbauten Pfarrkirche statt. Die Einsegnung wurde durch Herrn Pfarrer Schräder hier vorgenommen. Der Limburger Domchor verherrlichte die Feier durch seinen Gesang. Die äußere Feier wurde leider durch das unablässige Regenwetter beeinträchtigt. Baumeister der im gothischen Style erbauten dreischiffigen Kirche ist H. Architekt Merkel von Frankfurt. Die Steinhauerarbeit wurde von H. Philipp Müller, die Tüncherarbeit von H. Josef Müller, die Malerei von H. Witkop, die Beichtstühle etc. von H. Jos. Diefenbach, sämtlich zu Limburg, ausgeführt. Der Aufsatz des Hochaltars ist zur Zeit noch in Wien ausgestellt."



Wie der Schuster Martin zum Held von Steinbach wurde
In der Zeit, als unser Land unter napoleonischer Herrschaft stand, lebte in Steinbach der Schuster Martin. Mit seiner Frau und seinen Kindern bewohnte er ein kleines Fachwerkhaus, an das sich ein kleiner Stall anlehnte. Sein Schusterhandwerk und die kleine Landwirtschaft brachten ihm nur wenig Einkommen. Der Schuster Martin war daher kein reicher Mann. In seinem Stall stand nur eine einzige Kuh. Die eine Besonderheit des Schuster Martin war sein Pfiffigkeit. Und dann besaß er auch noch etwas Außergewöhnliches, nämlich eine Trompete, die er auf seinen Reisen als Schustergeselle erworben hatte. Das Instrument war stets gut gepflegt und glänzte prächtig. Dem Martin brachte das Blasen der Trompete oft ein kleines Zusatzverdienst, wenn er nämlich bei Hochzeiten aufspielte und vor Allem an Kirmes und am weithin berühmten Steinbacher Markt. Wie magisch berührt waren die Herzen seiner Zuhörer, wenn des Schusters Finger dann flink über die Ventile der Trompete huschten. Und das Blasen der Trompete beherrschte der Schuster Martin so meisterhaft, wie nebenan der Müller Christian mähte, wie der Ferdnand die Fur beim Ackern gerade zog und wie Schmidte Philipp den akurat geladenen Heuwagen in die Scheune hievte.

Und dann sollte diese Trompete unseren Martin eines Tages auch noch zum Helden von Steinbach machen. Und das trug sich so zu.

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Das Verfahren gegen den Amtmann Reichmann in Ellar 1714
Die Dörfer Neunkirchen und Hüblingen liegen Anfang des 18. Jahrhundert ein einer kleinen Enklave der Grafschaft Nassau-Weilburg im Gebiet des Fürstentums Nassau-Hadamar, das seit dem Tod von Fürst Franz Alexander 1711 von den nassauischen Agnaten regiert wird. Zwischen den beiden Herrschaften und ihren Untertanen kommt es zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen, in deren Folge ein Verfahren gegen den in Ellar ansässigen nassau-hadamarischen Amtmann Heinrich Reichmann eröffnet wird. Hier ist seine Sicht der Dinge, die eine ausführlichen Darstellung der politischen Verhältnisse in diesem Raum beinhaltet:

Verfahren gegen den Ellarer Amtmann Reichmann: Facti Species In Sachen Nassau-Weilburg Contra Nassau-Hadamar Modo Dillenburg und Dietz In Specie Den Fürstl. Nassau-Dillenburgischen Rath und Ambtmann zu Ellar Johann Henrich Reichmann betreffend. In puncto Citationes super fracta pace publica, à Parte adversa caluminose & nulliter imputata. Mit angefügten Beylagen sub lit. A. biß R. inclusive. Anno 1714

Es haben sich bereits von vielen Seculis her / zwischen dem Hoch-Fürstlichen Hauß Nassau-Catzen-Elnbogen / und dann dem Hoch-Gräflichen Hauß Nassau-Weilburg / allerhand Nachbarliche Irrungen und Gebrechen / in Ansehung derer beyden Weilburgischen / mitten in dem Nassau-Catzen-Elnbogischen Territorio gelegenen / und ringsum mit so genandten Hoheit oder Bannzaunen eingeschlossenen Dorffschafften Hublingen und Neunkirchen / auch dem daran stossenden Forstwald enthalten / allermassen

(1) Vermöge eines alten Laudi de Anno 1278. sub lit. A. in diesen beyden Dorffschafften selbsten / das Hoch-Fürstl. Catzen-Elnbogische Hauß Nassau-Dietz / eine jurisdictionem Centenae hergebracht / und Krafft solcher die sogenandte Vier-Fälle / als homicida, furta, raptus & vulnera, zu cognosciren und zu bestraffen hat.

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Das Gefecht von Steinbach am 15. Oktober 1795
Bericht aus: Streffleur, Oestreichische militärische Zeitschrift. Dritter Band. Siebentes bis Neuntes Heft. Wien, 1832.

"Am 15. Oktober rückte Gen. Boros von Wisbaden bis Kemel vor. Sein Vortrab besetzte Nastätten, Holzhausen und Katzenellenbogen; seine Patrullen streiften links am Rheinufer bis Braubach.

Gen. Kray zog mit seiner Abtheilung nach Nieder-Erbach-Selters. Hier ließ er einen Theil derselben als Rückhalt stehen, und bereitete sich mit den Truppen zum Angriff gegen die vor Limburg und Dietz, zwischen dem Zollhause und Lindholzhausen, aufgestellte Nachhut der Divisionen Grenier und Poncet vor. In der Mitte, durch das Embsthal, marschirte Oberst Elsnitz mit 4 Eskadrons, 4 Kompagnien und 2 Kanonen; – zu dessen Deckung rückten links gegen Nauheim 2 Eskadrons, rechts gegen die Höhen von Braunfeld 2 Eskadrons, 2 Kompagnien vor. Eine Abtheilung folgte als Unterstützung.

Gen. Boyer wartete jedoch den Angriff nicht ab. Seine Infanterie marschirte nach Dietz und Limburg ab; zur Deckung derselben blieben Reiterei und Artillerie zurück. Es begann eine lebhafte Kanonade, welche so lange währte, bis Gen. Kray seine Eskadrons auf beiden Seiten zugleich in die Flanken des Feindes manövriren ließ. Diese Franzosen eilten nun, zu ihren vor beiden Städten lagernden Divisionen zu gelangen, und somit endete das Gefecht. Nachdem Gen. Boyer mit der bisherigen Nachhut eingerückt war, führte Gen. Grenier mit den beiden Divisionen noch in der Nacht eine kleine Veränderung der Stellung aus, und ließ die vor derselben liegenden Höhen durch 3 Bataillons, 3 Eskadrons unter Gen. Simon besetzen – Gen. Jourdan hatte sein Hauptquartier an diesem Tage in Hadamar genommen.

(Karte erstellt auf der Grundlage von OpenStreetMap unter der Lizenz CC BY-SA)

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Im Goldenen Grund

Von Limburgs Südosten erstreckt sich der Goldene Grund in den Taunus hinaus. In dieser alten Kulturlandschaft finden Besucher die Berger Kirche westlich von Niederbrechen auf einer Anhöhe, nahe der ICE-Trasse und der Autobahn A3. Südöstlich davon wurde 2011 in Niederselters die Abfüllhalle des Mineralbrunnens wieder eröffnet. Und noch weiter im Süden liegt der alte Klosterort Gnadenthal. Durch Anklicken der Ortsnamen in diesem Text öffnet sich jeweils eine detaillierte Karte (Links und Karten: OpenStreetMap unter der Lizenz CC BY-SA).



Die Berger Kirche
784 wird die Berger Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf Bergen, das ihr der Namen gab, ist schon lange ausgegangen. Der spätere Bischof von Limburg, Peter Josef Blum, konnte als Pfarrer von Oberbrechen 1841 den Abriss des herunter gekommenen Gebäudes verhindern und zusammen mit Bürgern des Nachbarortes Werschau die Restaurierung bewirken. Von 1933 bis zu seinem Verbot 1937 fand jährlich der Pfingstritt zur Berger Kirche mit bis zu 500 Reitern aus der Region statt. Diese Tradition wird 1968 für einige Jahre wieder aufgenommen. In den 1960er Jahren bringen Renovierungsarbeiten mittelalterliche Fresken ans Tageslicht, von denen eines den Schutzpatron der Kirche, den heiligen Georg, zeigt.



Der Mineralbrunnen von Niederselters
In der Schenkungsurkunde der Rachilt aus dem Jahre 772 wird Saltrissa genannt, bei dem es sich um eine Siedlung im Bereich des heutigen Niederselters gehandelt haben dürfte. An diesem Ort wird früh eine Mineralquelle entdeckt, wann genau ist jedoch nicht bekannt. Urkundlich wird erstmals 1536 ein Brunnen erwähnt. Das Wasser von Niederselters schmeckt leicht säuerlich und hat einen vielfach untersuchten, besonderen Gehalt an Anionen und Kationen. Es erwirbt sich in der nassauischen Zeit den Ruf eines Heilwassers und ist über viele Jahrzehnte ein Exportschlager und Einnahmequelle für ihre Besitzer und insbesondere seit dem frühen 19. Jahrhundert für den nassauischen Herzog. Im Dritten Reich wird der Mineralbrunnen in Sudetenbrunnen umbenannt und im Krieg mit Hilfe russischer Zwangsarbeiterinnen betrieben. Letztmals fördert eine hessische Brauerei in den 1990er Jahren das beliebte Getränk. Dann geht die Anlage an die Gemeinde Niederselters über. Der 1907 errichtet Brunnentempel ist inzwischen wieder hergerichtet und wurde 2011 zusammen mit einem Selterswasser-Museum neu eröffnet. Im Museum erzählen zahlreiche Exponate wie Krüge und weltweite Lieferlisten sowie historische und geologische Illustrationen von der langen Geschichte des Mineralwassers aus Niederselters. Die Abfüllhalle, wie sie zuletzt aussah, kann besichtigt werden. Mineralwasser für den Markt darf die Anlage jedoch keines mehr produzieren. Besucher können original Selterswasser aus Niederselters heute im Haustrunk probieren, entweder als solches oder mit Kohlensäure angereichert.



Gnadenthal
Die Edelfreien Peter von Dehrn und Kuno von Reifenberg und deren Gattinnen schenken 1235 dem Zisterzienserinnen-Kloster Heilsbruck im südpfälzischen Edenkoben Güter im Goldenen Grund für die Errichtung eines Klosters. Ähnlich dem rund 60 Jahre zuvor in Beselich gegründeten Kloster der Prämonstratenserinnen dient Gnadenthal ursprünglich der Versorgung niederadliger Töchter aus der Region. In Gnadenthal werden jedoch bereits seit dem 14. Jahrhundert auch Töchter aus bürgerlichem Hause aufgenommen. 1564 ist Gnadenthal reformiert. 1634 wird es verwüstet und danach aufgegeben. Ab 1984 wird die alte Klosteranlage restauriert. Das Bild rechts zeigt das Äbtissinnenhaus, errichtet 1276/1277, restauriert 1987/1988, sowie die Klosterkirche, errichtet 1589, restauriert 1989-1991.



Konstituierung der nassauischen Landstände 1818
Am 3. März 1818 um 11.30 Uhr fanden sich die neuen Landesdeputierten des Herzogtums Nassau in ihrem vorläufigen Sitzungszimmer in Wiesbaden ein. Die feierliche Eröffnung der ersten Ständeversammlung sollte in einem Saal im alten Schlossgebäude stattfinden.

Sieben Deputierte empfingen Herzog Wilhelm am Eingang des Schlosses und begleiteten ihn in den Saal. Es waren das der Landdechant Hubert Corden aus Limburg, die General-Superintendenten Friedrich Gieße aus Weilburg und Georg Müller aus Wiesbaden, Oberschulrat Christian Snell aus Weilburg sowie drei weitere Deputierte.

Um 12 Uhr erschien der Herzog zusammen mit den ihn begleitenden sieben Deputierten der Landstände und drei weiteren Deputierten der Herrenbank im Thronsaal, wo sich die übrigen Vertreter der Landstände inzwischen eingefunden hatten.

Nach einer Ansprache des Herzogs verlas Staatsminister Freiherr von Marschall die Eidesformel und jedes des anwesenden Mitglieder der neuen nassauischen Volksvertretung trat vor den Thron, um den Eid zu leisten.

Die Eidesformel der Deputierten - darunter Jacob Preuß aus Steinbach - lautete: "Sie, die hier anwesenden Mitglieder der Stände-Versammlung des Herzogthums zu Nassau, Ihrem Landesfürsten, treu und gehorsam seyn, und als gewissenhafte Bewahrer der Rechte und Befugnisse, welche Ihnen durch die Verfassungsurkunde selbst, entweder für Ihre Person, oder durch die Vollmacht eines nach Vorschrift der Verfassungsurkunde dazu Berechtigten, oder durch die freie Wahl Ihrer Mitbürger verliehen worden sind, dieselben in dem durch die Verfassung des Herzogthums bestimmten Umfang ausüben, und dabei als den Zweck Ihrer jedesmaligen Willensäußerung, überall und nur allein den wahren Vortheil des Landes und seiner Einwohner, einzig nach der Erleuchtung Ihres Gewissens, aus freier geschöpfter Ueberzeugung, ohne alle Nebenabsichten oder irgend andere Rücksichten vor Augen haben wollen; So wahr Ihnen Gott helfen möge!"

Am nächsten Tag, dem 4. März, hielt der Herzog vor diesem Kreis eine Rede zum "frühern und gegenwärtigen Zustand des Vaterlandes", gefolgt von einem gemeinsamen Mittagessen in Biebrich. Landesdeputierte und die Vertreter der Herrenbank verständigten sich danach auf eine gemeinsame Dankadresse an den Herzog.

Am 5. März erörterten die landesherrlichen Commissarien und die übrigen Landesdeputierten eine Geschäftsordnung für die Deputiertenversammlung und beschlossen sie mit den Gegenstimmen der Abgeordneten Herber, Schmidt, Trombetta, Preuß und Schupp.

Rechts ist die Zusammensetzung der ersten nassauischen Landstände im Jahre 1818 wieder gegeben.



Das Herzogtum Nassau im Jahre 1819 - Amtliche und private Mitteilungen
Steckbrief: Der unten signalisirte Johann Horz von Guckheim, der sich vor einiger Zeit mit einer Weibsperson, die er für seine Frau ausgab, herumgetrieben, und angeblich von Mandelseifenmachen ernährte, entfernte sich gegen das ihm ertheilte Verbot wieder von Hause. Die betreffenden Polizeibehörden werden dahier auf denselben aufmerksam gemacht und ersucht, ihn, im Betretungsfalle anhalten und anher zurückliefern zu lassen. Montabaur, den 10. März 1819. Herzogl. Nass. Amt Meudt. Reipert.

In Beziehung auf die in dem Verordnungsblatt Nr. 13 vom 13. Dec. 1817 enthaltene Bekanntmachung, daß für die auf der Landes-Universität Göttingen studirende Nassauer zwölf Stipendien, jedes zu 108 fl. jährlich, gestiftet worden sind, wird nunmehr auch das über die Vertheilung dieser Stipendien erlassene Regulativ nachstehend zur allgemeinen Kenntniß gebracht. Wiesbaden, den 23. Januar 1819. Herzoglich Nassauische Landesregierung. Möller. vt. Hofmann.

Das Marienstädter Hofguth in Niederzeuzheim von 39 Morgen 163 Ruth. Ackerland und 3 Morgen 61 Ruth. Wiesen, wird Samstag den 20. d. M., Mittags 12 Uhr, in mehreren Abtheilungen auf 12 bis 18 Jahre oder Mann- und Frauenleben, in dem dortigen Gemeindehaus, verpachtet. Die Bedingungen können bei der unterzeichneten Stelle und dem Herrn Schultheis Bellinger in Niederzeuzheim 8 Tage vor dem Termin eingesehen werden. Hadamar, den 9. November 1819. Herzogl. Nass. Receptur. Hofmann.

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Die Oberförsterei Steinbach

1816 entstehen im Herzogtum Nassau 8 Forstinspektionsbezirke mit einem Oberforstbeamten an der Spitze. Die Oberförsterei Steinbach gehört zum Bezirk Montabaur. Ab dem 1. Januar 1817 ist Wilhelm Christian von Bierbrauer Steinbacher Oberförster. Er war zuvor Forstmeisterei-Assistent in Hadamar. Zur Oberförsterei Steinbach gehören laut dem Nassauischen Verordnungsblatt von 1816 die 28 "Gemeindebezirke von Hadamar, Faulbach, Niederhadamar, Offheim, Oberweyer, Ahlbach, Niedertiefenbach, Niederweyer, Steinbach, Niederzeuzheim, Hangenmeilingen, Heuchelheim, Oberzeuzheim, Thalheim, Mallmeneich, Ellar, Hausen, HIntermeilingen, Lahr, Frickhofen, Dorchheim, Dorndorf, Mühlbach, Waldmannshausen, Wilsenroth, Elz, Dehren und Arfurth."

Nachfolger von Wilhelm Christian von Bierbrauer als Steinbacher Oberförster sind 1844 Georg Genth und 1845 Wilhelm Speck.

Durch die Forstreform von 1852 wird die Zahl der nassauischen Forstinspektionsbezirke von acht auf sechs verringert. Der Bezirk Montabaur wird dabei aufgelöst. Die Oberförsterei von Hadamar, die aus der Oberförsterei Steinbach hervor gegangen ist, kommt zum Oberforstamt Weilburg.

Das Bild rechts zeigt das ehemalige Wohnhaus des Steinbacher Försters am Ortsausgang in Richtung Waldbrunn.



Lebenslinien: Moritz Carl Scholl aus Steinbach

Am 23. Juli 1730 erblickt Moritz Carl Scholl in Steinbach als Sohn von Jo. Peter Scholl und seiner Frau Anne Marie, geborene von der Muhlen, das Licht der Welt. Peter Scholl ist hier Oberförster, zunächst im Dienste des Hauses Nassau-Siegen, danach Nassau-Diez. Moritz besucht das Hadamarer Jesuitenkolleg und erhält danach Unterricht bei Rektor Ritz in Diez und Rektor Scholl in Siegen. Von 1749 bis 1751 studiert er an der Hohen Schule in Herborn bei den Professoren Florin, Coing, Pagenstecher und Ihring. Es schließt sich ein juristisches Studium in Jena bei den Professoren Daries, Helfeld und Engau an. 1754 wird er Advokat in der Fürstlichen Kanzlei in Dillenburg. Zwei Jahre später findet er eine Anstellung als Auditeur beim vierten Regiment Oranien-Nassau in Diez und behält diese Aufgabe bis zur Verlegung des Regiments nach Holland. Von 1771 bis 1773 steht er im Dienst des Fürsten in Siegen. Danach wird er Stadtsekretär und Landschreiber in Herborn.

Das Bild* rechts zeigt das Gebäude der Hohen Schule in Herborn in der Zeit von 1584 bis 1817.
* (Urheber des Bildes ist Oliver Abels. Der Urheber gestattet die Nutzung unter den Lizenzen GNU Free Documentation License, Version 1.2, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported und Creative Commons Attribution 2.5 Generic. Der Autor dieser Seite hat das Bild bearbeitet und stellt das bearbeitete Bild unter den gleichen Lizenzbedingungen zur Verfügung.)



Die Zerstörung Ellars im Jahre 1374


"In demselben Jahr zwischen St. Michaelis- und St. Lubentiustag verbrannten die von Limburg die Talsiedlung zu Ellar. Da verbrannte ein Knecht in dem Feuer, der von Dehrn her gelaufen war und sie gewarnt hatte. Die Limburger erschlugen einen Mann, und eine Frau ward erschossen, und sie fingen dazu vier Mann. Und das taten sie um zweier willen, die ihre Feinde waren und da aus- und einritten. Von beiden hieß einer Krae und der andere hieß Busse. Diese beiden wurden noch in dem selben Jahre von anderen gehängt, die ihnen Feinde waren, und das taten die von Elkershausen."


(Karl Reuss (Hrsgb.): Die Limburger Chronik des Tilemann Elhen von Wolfhagen, Limburg / Lahn 1961, Seite 51)



"Item in disen selben jaren zuschen sente Michahelis unde sente Lubenzigen dage da vurbranten die von Limpurg den dal zu Ellare. Da vurbrante ein knecht in dem fure, der lif von Derne unde si gewarnet hatte. Unde irslugen einen man, unde ein frauwe wart irschoßen, unde fingen dazu vir manne. Unde daden daz uf zwene, die waren ir vigende, di reden da uß unde in; der zweier hiß einer Krae unde der ander hiß Busse. Unde die selben worden auch in dem jare irhangen von andern iren vigenden, unde daz daden di von Elkerhusen."

(Arthur Wyss (Hrsgb.): Deutsche Chroniken und andere Geschichtsbücher des Mittelalters, Vierten Bandes erste Abtheilung, Die Limburger Chronik des Tilemann Elhen von Wolfhagen, Hannover 1883, Seite 66)



Die Dornburg

Die Dornburg liegt in der gleichnamigen Verbandsgemeinde zwischen den Orten Wilsenroth und Frickhofen auf knapp 400 Metern über NN und ca. 200 Meter über dem benachbarten Elbbachtal. Nach Westen hin ist sie über einen Sattel mit der umgebenden Hochfläche verbunden; dort diente ein sogenannter Abschnittswall als Zugangs-Barriere. Nach den anderen drei Seiten fiel das ursprüngliche Plateau um 100 Meter steil ab. Unter der Dornburg werden große Mengen Magneteisenstein vermutet, denn eine Kompassnadel wird hier deutlich abgewiesen.

Nach den Funden zu schließen lagen die Besiedlungsschwerpunkte um 700-600 v. Chr. (späte Hallstattzeit) und um 300-100 v. Chr. (späte Latènezeit). Die ursprüngliche Anlage ist mit ihren rund 34 Hektar Fläche und der früheren Walllänge von rund 3 Kilometern als keltisches Oppidum anzusehen. Es gibt ferner Hinweise, dass die Dornburg auch in der spätrömischen Zeit um 400 n. Chr. und in der fränkischen Zeit um 700 n. Chr. von großer regionaler Bedeutung war.

Das Plateau und die Wallanlagen sind inzwischen vor Allem durch den Abbau von Basalt weitestgehend zerstört. Verschwunden ist auch die kleine Felsengruppe "Wildweiberhäuschen" an der Plateau-Ostseite. Von der alten Befestigung des keltischen Oppidums sind noch Teile des Abschnittswalls (rote Markierungen in der Karte rechts) und des Vorwalls (grüne Markierungen) im Zusammenhang vorhanden.

1839 wird das "Ewige Eis" entdeckt (türkis-farbene Markierung): Durch einen ca. 8 Meter hohen Kamin im Gestein strömt ständig Luft. Die Strömungsrichtung hängt vom Temperaturunterschied an Eintritts- und Austrittsöffnung und damit auch von der Jahreszeit ab. Der Luftstrom führt Wärme aus dem Kamin ab, wodurch das Kamingestein vereist. In zwei auf halber Kaminhöhe senkrecht in Richtung auf den Kamin eingeschlagenen Stollen schmilzt im Winter eingefüllter Schnee auch über den Sommer daher nicht völlig ab.

(Interaktive Karte rechts: "Karte" zeigt die Landkartenansicht, "Sat" ist eine Satelliten-Fotografie, "Gelände" stellt plastisch das Terrain der Dornburg dar und "Earth" eröffnet Ihnen die weiteren Möglichkeiten des Programms Google Earth. Für "Earth" installieren Sie bitte zunächst noch das angebotene Plug-in mit wenigen Maus-Klicks in Ihren Browser.)


Dornburg auf einer größeren Karte anzeigen



1827 / 1963 werden die Überreste einer Kapelle freigelegt (gelbe Markierung), die vermutlich schon vor dem 12. Jahrhundert hier errichtet worden war, und den Hildegardisbrunnen einschloss. Der Brunnen befand sich in der nordwestlichen Ecke des ca. 8,65 Meter langen und ca. 6,30 breiten Baus, an den ein rund 5 Meter breiter Chor unbekannter Tiefe angefügt war. Das Bild links lässt Teile des Kapellenfundaments und den Brunnen erkennen.




König Adolf von Nassau
Der um 1250 geborene Adolf von Nassau (walramische Linie) wird im Jahre 1292 zum König gewählt und gekrönt. In einem für die damalige Zeit beispiellosen Verfahren setzten ihn die Mächtigen des Landes 1298 jedoch wieder ab. Sein Nachfolger wird Albrecht von Habsburg. Kurz danach treffen die beiden in der Schlacht bei Göllheim aufeinander. Adolf fällt am 2. Juli 1298, im siebten Jahr seiner Regentschaft. Die Beisetzung im Speyerer Dom verhindert Albrecht. Albrecht wird 1308 Opfer eines Mordanschlages und findet im Speyerer Dom die letzte Ruhe. 1309 ordnet König Heinrich VII. an, dass der seinerzeit im Zisterzienserinnenkloster Rosenthal bestattete Adolf ebenfalls in den Speyerer Dom überführt und neben Albrecht beisetzt wird. Herzog Wilhelm von Nassau lässt 1824 im Vorraum des Domes ein Grabmonument für Adolf errichten (Bild links). Die Inschrift der Stirnseite lautet*:

ATAVO.AUG
IN.LOCO.QUO
SEPULT.EST.
MONUM.HOC
RESTITUIT.
WILHELMUS
DUX.
NASSAVIAE.
ANNO.DNI.
MDCCCXXIV
Die Inschrift der Rückseite lautet**:

ADOLPHUS
DE.
NASSAU.
ROMAN
ORUM.
REX.
OBIIT
ANNO.DNI.
MCCXCVIII.
REGNI.
SUI.VII.
DIE.II.JUL.
*Wilhelm, Herzog von Nassau, ließ dieses Monument für seinen erhabenen Ahnen im Jahre des Herrn 1824 an dem Ort, wo er begraben ist, wiedererstellen. **Adolf von Nassau, König der Römer, fiel im Jahre des Herrn 1298, im 7. Jahr seiner Regierung, am 2. Juli. (Übersetzungen: J. Rudersdorf in: Nassauische Annalen 2007, am Anfang.)



George Barnard: The brunnens of Nassau and the River Lahn
1834 verfasst Francis Bond Head ein Buch mit dem Titel "Bubbles from the Brunnens of Nassau". Zu dieser Zeit ist das nassauische Lahntal schon weithin bekannt für seine Kurbäder und Mineralquellen und ein beliebter Aufenthaltsort reicher Europäer. Georges Barnard, ein britischer Maler (*1807 †1890), reist einige Jahre später auf den Spuren seines Landsmannes Head. Dabei entsteht eine Serie von Landschaftsbildern und Stadtansichten. Wiedergegeben sind hier die Motive zwischen Weilburg und Diez: Erste Reihe: Schloss Weilburg, Brunnenhalle in Niederselters. Zweite Reihe: Zwei Sichten auf den Limburger Dom. Dritte Reihe: Die Lahn, Schloss Diez.

(Abbildungen aus: George Barnard: The brunnens of Nassau and the river Lahn, Verlag Thomas McLean, London 1845. Es handelt sich um einen großformatigen Folioband mit 24 farbigen Lithographien und einer Widmung für Herzog Adolf von Nassau.)



Die Blasiuskapelle über dem Elbbachtal


Nördlich der Verbindungsstraße zwischen Dorndorf und Frickhofen erhebt sich der Blasiusberg. Dorndorf wird bereits im Jahre 772 in der Urkunde über die Schenkung der Rachilt erwähnt. Frickhofens erste Erwähnung als "Fridehuba" datiert in die Zeit zwischen 802 und 820. Auf der nahe gelegenen Dornburg ist eine eisenzeitliche Besiedlung nachgewiesen. Dieses Gebiet ist also deutlich länger besiedelt, als die ersten urkundlichen Erwähnungen vermuten lassen. Auf dem Blasiusberg befindet sich um das Jahr 700 eine germanische Wotan-Kultstätte, als Missionare aus Dietkirchen dort zu Ehren des Erzengels Michael eine Holzkirche errichten. 1150 entsteht an gleicher Stelle eine romanische Steinkirche mit einem einfachen Langhaus. 1231 wird diese Kirche erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Heinrich von Nassau sie dem Deutschen Orden überträgt, kurz nachdem sein Bruder Rupert dort eingetreten war. Diese Schenkung hat einen rund fünfzig Jahre währenden Streit zwischen dem Haus Nassau, dem Deutschen Orden und dem niederen Adel des Elbbachtals zur Folge. 1869/70 wird der Kirchenbau umgestaltet und erweitert und erhält zwei Seitenschiffe.

Das Bild zeigt die Blasiuskapelle im Sommer 2011.



Die Ubier im Hadamarer Land


Aus den keltischen Urbewohnern und aus Germanen, die aus dem Norden eindringen, entwickelt sich im Gebiet zwischen Elbbach und Lasterbach der Stamm der Elbinger, die den Ubiern zugerechnet werden. Die Ubier ihrerseits besiedeln das Gebiet von der Sieg nach Süden über die Lahn bis zum Untermain. Die Fluß-Bezeichnungen Elbbach und der Name "Elbinger" für die Ubier im nördlichen Limburger Becken leitet sich vermutlich von den drei keltischen Matronen Albiahenae her, welche von den Ubier verehrt wurden. Im Bereich des Heidenhäuschens gibt es auch einen Kult um die drei Matronen Mahalinehae, die wohl namensgebend waren für die Orte Hangenmeilingen und Hintermeilingen, wobei der zweite Namensbestandteil im lokalen Dialekt heute noch wie "Maaling(e)" gesprochen wird. Von 58 bis 51 v. Chr. unterwirft Julius Cäsar die Kelten (Gallier) im heutigen Frankreich und besetzt das gesamte linksrheinische Gebiet. Mit den Ubiern auf der gegenüber liegenden rechten Rheinseite schließt er dagegen ein Bündnis. Durch diese Bündnispolitik geraten die Ubier jedoch unter den Druck der umgebenden germanischen Stämme. Deshalb - und es wird vermutet, auch weil die Bevölkerung am Niederhein durch die Auseinandersetzung mit den Römern stark dezimiert war - siedeln die Römer die Ubier in den vorchristlichen Jahrzehnten auf die linke Rheinseite in das Gebiet der heutigen Städte Köln, Bonn und Aachen um. Münzfunde aus dieser Zeit im Raum Köln einerseits und in Waldgirmes und dem Dünsberg im Raum Gießen andererseits legen nahe, dass es Ubier aus dem Lahntal waren, die umgesiedelt wurden. Im neuen Siedlungsgebiet wird man später zahlreiche Skulpturen der drei Matronen Albiahenae (Oberelvenich bei Euskirchen, alter Name Albihenae) und Mahalinehae (Köln, Köln-Deutz) finden. Etwa 100-150 Jahre nach der Umsiedelung verfasst der römische Politiker und Schriftsteller (Publius Cornelius) Tacitus die "Germania", seinen bis heute durch zahlreiche archäologischen Funde belegten Bericht über Germanien. Darin hebt er für die römischen Leser vor Allem die intakte Wertewelt der Bevölkerung im angrenzenden Gebiet zwischen Rhein und Donau hervor. Im Kapitel 28 kommt er auf die Umsiedlung der Ubier zu sprechen: "Vor langer Zeit sind sie [die Ubier] [über den Rhein] hinüber gewechselt und sind unmittelbar am Rheinufer angesiedelt worden - zur Erprobung ihrer Treue [zu Rom] - um eine Abwehr [gegen die rechtsrheinischen Stämme] zu bilden, und nicht, um unter [römischer] Bewachung zu stehen." Aus der ubischen Neugründung Oppidum Ubiensis / Colonia Claudia Ara Agrippinensium entsteht später die Stadt Köln.

Das Bild zeigt das Elbbachtal nördlich von Hadamar, fotografiert vom Hildegardisfelsen unter der Dornburg in Richtung des Heidenhäuschens, mit dem davor liegenden Ort Hangemeilingen. Zu sehen sind auch Dorchheim (links) und Heuchelheim (rechts), zwei Orts-Gründungen aus der um 400 n. Chr. beginnenden fränkischen Zeit.



Das Steinkistengrab bei Niedertiefenbach



1846 stößt ein Landwirt beim Pflügen im Südwesten der Gemarkung Niedertiefenbach nahe der Steedener Gemarkungsgrenze im Untergrund an eine große Steinplatte. Er verfasst einen ausführlichen Bericht an die Amtsverwaltung in Hadamar. 1847 wird der obere Teil der Steinkammer weggesprengt. 1859 kann Landeskonservator Karl Rossel (1815-1872) die Überreste vermessen und Zeitzeugen über die Sprengung befragen. Seine Ergebnisse sind in den Periodischen Blättern von 1859 nachzulesen, siehe rechts. 1961 macht sich Karl Wurm auf die Suche nach dem Grab, das inzwischen tief unter der Ackerkrume liegt. Trotz der Ortsbeschreibung von Rossel kann er es erst mit Luftaufnahmen wieder finden, auf denen es als helle Fläche erscheint. Bei der archäologischen Hauptuntersuchung durch Helmut Schoppa im Oktober / November 1961 kommt das ursprünglich 10 (ca.) x 3,20 Meter große Steinkistengrab wieder zutage. Es liegt - typisch für Gräber dieser Gattung - auf halber Höhe eines Hanges über einem Tälchen. Es ist zweigeteilt mit einem Vorraum von 1 Meter Länge. Die Wandsteine bestehen aus Kalkstein und stammen aus dem benachbarten Steeden. Im Inneren ist das Grab durch senkrecht stehende Steine in kleinere gepflasterte Kammern unterteilt. In diesen Kammern liegen die Gebeine von Verstorbenen in zahlreichen Schichten übereinander, ein Großteil in Nord-Süd-Richtung. Insgesamt wurden hier mindestens 171 Tote in bis zu 10 Schichten beigesetzt. Zwischen den Gebeinlagen finden sich drei dünne Steinpflasterlagen (Bestattungsflure). In der Steinkiste werden ca. 20 Bernsteinperlen entdeckt. Eine Besonderheit stellen die 5 Kupferspiralen und ein Kupfer-Ohrring dar. Die Funde befinden sich heute bei der Landesarchäologie in Wiesbaden. Die Steinkiste von Niedertiefenbach zählt zu der Hessisch-Westfälischen Steinkistengruppe innerhalb der Wartberg-Kultur, wie die Steinkiste von Niederzeuzheim und vermutlich auch die von Oberzeuzheim. Die Gräber von Niederzeuzheim und Niedertiefenbach mit ihrer Nord-Süd-Ausrichtung und dem Eingang im Süden werden zudem von Heinz-Eberhard Mandera zu einer Lahngruppe zusammen gefasst.


Das Bild unten - es ist durch Anklicken vergrößerbar - zeigt eine Aufnahme des Fundgebietes aus südwestlicher Richtung; der Fundort ist durch einen roten Punkt markiert. Weiter links im Hintergrund der Ort Beselich-Niedertiefenbach.





Die folgende Karte zeigt die Lage der drei Steinkistengräber von Niedertiefenbach, Oberzeuzheim und Niederzeuzheim. Die drei Gräber liegen auf einer Linie und jeweils an einem leicht nach Südwesten geneigten Hang. (Kartengrundlage: Open Street Map.)




Die Hofener Mühle



Die Hofener Mühle nimmt 1711 unter Friedrich Wilhelm Müller ihre Arbeit als Getreide- und Ölmühle auf. Seit 1740 ist sie im Besitz der Familie von Gernot Dorn, dessen Vater die Mühle bis 1974 betreibt. Zwischen 1996 und 2005 wird sie restauriert. Die Wasserkraft des angrenzenden Kerkerbachs treibt heute einen Generator für 50.000 bis 60.000 Kilowattstunden Strom an, wovon ein Teil in das allgemeine Stromnetz eingespeist wird. Zu besichtigen sind heute unter Anderem der Schrotgang, zwei Mühlensteine, die Reinigungsmaschine, der Quetschstuhl für Haferflocken und der Mehlwalzenstuhl. Bis zu fünfmal muss das Korn durch den Mehlwalzenstuhl gehen, bis es fein gemahlen ist. Von Oscar Achenbach ist das Gemälde der Hofener Mühle links (Datei freundlicherweise überlassen von Gernot Dorn).



Forschungsreise zu den Indianern Nordamerikas



Von 1832 bis 1834 bereist der fünzigjährige Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied zusammen mit dem Schweizer Maler Karl Bodmer das Gebiet der Indianerstämme westlich des Missouri. Bodmer lässt danach 81 seiner Aquarelle von dieser Reise in Stahl oder Kupfer stechen und kolorieren. Von 1837 bis 1842 veröffentlicht der Prinz ein zweibändiges Werk mit dem Titel "Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834" und einen Bildatlas. 33 der Stiche finden sind als Vignetten in den beiden Textbänden. Die übrigen 48 erscheinen im Tafelband zusammen mit einer Landkarte. Das Bild rechts ist die Vignette XXVI. Es zeigt die Reisenden beim Stamm der Minnataree-Indianer nahe Fort Clark (Long -101.275205° Lat 47.253572°), wo sie den Winter von November 1833 bis April 1834 verbringen.

Karl May orientierte sich mit seiner Winnetou-Figur an Mato-Tope, dem von Prinz Wied-Neuwied in den Kapiteln 25 bis 27 des zweiten Textbandes beschriebenen Chief des Stammes der Mandan (Bild links).

Nach Prinz Wied-Neuwied, der auf seinen Forschungsreisen auch die lokale Pflanzenwelt erforschte, ist die Gattung Neuwiedia in der Unterfamilie Apostasioideae der Orchidaceae (Orchideen) benannt.



Die Pfarrkirche zu Niederzeuzheim



Dieser Sakralbau befindet sich genau an der Stelle eines früheren, wohl mittelalterlichen Gotteshauses. Die Fundamente der alten Kirche hatten offenbar ähnliche Abmessungen wie die heutigen. Der alte Turm im romanischen Stil ist von diesem Vorgängerbau erhalten geblieben und die heutige kleinste Glocke darin ist von 1447. Der ursprüngliche Turmhelm war vermutlich dreiseitig. Um 1590 wurden im calvinistischen Bildersturm die Altarsteine entfernt. Einen davon hat man 1630 hinter dem Hellingschen Haus in Steinbach wieder gefunden. Teile des früheren Mauerwerks sind im Neubau der Jahre 1726-1728 aufgegangen, für den viele Spender die Baukosten in Höhe von 2303 Reichstalern und 45 Albus aufgebracht haben. 1737 entstand der heutige Turmhelm. Der Haupteingang ist auf der Westseite des Glockenturms. An der Turmaußenseite steht folgender Grabstein:

+ IESVS + MARIA + JOSEPH +
ANNO 1774 IST DER EHRSAME
WILHELM HEINSMANN SEND
SCHOEFFE EX NIEDERZEITSCHEIM
WELCHER DEN 25.TEN MERTZ
DEM HERRN ENTSCHLAFEN
MIT ALEN HEILIGEN SACRA
MENTEN WOHL VER-SENEN
SINES ALTERS 56 JAHR
WIE AUCH VOR SEINE
EHLIGE HAUSFRAU ANNA
KATHARINA HEINSMANN
EINE GEBOHRNE HORNIN
R     I     P







Weihnachtskrippen - Die Sammlung von Pfarrer Dieter Lippert

Über viele Jahre hat Hadamars ehemaliger Pfarrer und Bezirksdekan Dieter Lippert Weihnachtskrippen aus aller Welt zu einer stattlichen Sammlung zusammen getragen. Auch jetzt im Ruhestand macht er sie wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und erklärt den Besuchern deren Herkunft und erzählt ihre Geschichten. 2011 ist die Sammlung in der ehemaligen Schlossküche in Hadamar zu sehen. Auf dem Bild links präsentiert Dieter Lippert eine Krippe, die er zum Motiv dieser 18. Hadamarer Krippenschau gewählt hat.







Rechts ein weiteres Exponat, eine stimmungsvolle Krippe aus Tirol.

Zur Homepage der Hadamarer Krippenausstellung geht es hier.



Spuren früher Besiedlung im Wald bei Steinbach
Im Wald bei Steinbach nahe den Orten Oberzeuzheim und Hangenmeilingen wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte einige Relikte früher Besiedlung gefunden. Eine rechteckige Wallanlage mit zwei Zugängen umschließt das 398 m hohe Heidenhäuschen; die westliche Seite des Rechtecks wird von einem Abhang gebildet, an dessen Fuß der Ort Hangenmeilingen liegt. Die Wallanlage bezieht nach Osten noch ein kleines Plateau - die "Burg" - ein. Funde in diesem Bereich deuten auf eine erste Besiedlung in der Hallstatt-Zeit hin.

Etwa 750 m südwestlich vom Heidenhäuschen suchten Steinbacher Einwohner 1949 nach Trinkwasser-Quellen und entdeckten dabei zunächst in 1 Meter Tiefe einen runden Mahlstein mit Mittelloch einer Handmühle aus Niedermendiger Basaltlava*. Dieser Fund wurde zunächst die Spätlatènezeit datiert. Neuerdings wird er allerdings eher der römischen Zeit oder dem Mittelalter zugerechnet.

Die weitere Suche nach Trinkwasser-Quellen im Jahr 1949 führte dann zur Entdeckung eines alten Brunnens ganz in der Nähe des Mahlstein-Fundortes und, nur wenige Meter vom Brunnen entfernt, einer markanten Basaltsäule.

Der Brunnen war 1949 lediglich auf seiner Ostseite halbrund von einer Trockenmauer von mindestens sechs Steinlagen eingefasst. Ob diese Mauer den Brunnen je in Gänze umschlossen hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen. 2007 begrub ein umstürzender Baum diese östliche Mauer unter sich. Die Ergebnisse fachkundiger Grabungen lassen heute die Vermutung zu, dass sich an den Brunnen nach Südwesten (hangabwärts) eine Ablaufrinne anschloss, die nicht eigens befestigt war, sondern eine natürliche Rinne zwischen benachbarten Erdschichten nutzte. Scherben-Funde im Bereich der Quelle führen 2011 zu einer zeitlichen Einordnung in die Zeit der Kelten um 500 v. Chr. (Hallstatt-Zeit).

Blickt man entlang der erwähnten Wasserrinne über die Quelle hinauf, so findet man in rund 8 Meter Entfernung eine Basaltsäule von 120 cm Höhe über dem Boden (Bild).Diese Säule dürfte hier um die Entstehungszeit der Quelle aufgerichtet worden sein.


Zum Nachlesen:
  1. Alfred Sehr: Brunnen ist 2500 Jahre alt - Neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte der Kelten, in: Nassauische Neue Presse, Ausgabe vom 11.11.2011.
  2. Sabine Schade-Lindig, Michael Obst: Eine Quellfassung beim "Heidenhäuschen", in: hessenArchäologie 2010, Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen, Theiss-Verlag, Seiten 57-60
  3. Walter Rudersdorf: Auf Spurensuche rund und das Heidenhäuschen, Folge 35, in: Waldbrunner Nachrichten Nr. 23/46/2002, Seite 16

* Niedermendig gehört heute zur Verbandsgemeinde Mendig am Laacher See.



Aus Steinbachs Geschichte (Steinbacher Kirmeszeitung 2011)



Das Hadamarer Fürstenhaus, angefangen mit Johann Ludwig, über Moritz Heinrich und danach Franz Alexander, war in den Jahren 1630 bis 1711 häufig zu Gottesdiensten in Steinbach. Am Michaelistag des Jahres 1664, dem 29. September, waren Reliquien von Märtyrern, welche der Papst den Hadamarer Regenten geschenkt hatte, Anlass für eine große Prozession aus den umliegenden Orten nach Steinbach. Zu dieser Zeit war Moritz Heinrich Fürst von Nassau Hadamar. Er ist auf dem Gemälde links dargestellt, das sich im Fürstensaal des Hadamarer Schlosses, der späteren Aula des Gymnasiums, befindet.

Der Chronist Jakob Wagner schreibt:






Noch einmal, im Jahre 1684, zog es die ganze Fürstenfamilie nach Steinbach. Es war im Frühsommer, und es herrschte große Dürre. Und so fand eine große Bittprozession statt. Hadamarer Regent war zu dieser Zeit Prinz Franz Bernhard, der Bruder von Moritz Heinrich und Vormund des erst zehnjährigen Franz Alexander, der später die Steinbacher Kapelle erbauen lassen sollte. Lassen wir Jakob Wagner wieder zu Wort kommen:







(Beide Berichte entstammen dem Buch „Die Regentenfamilie von Nassau-Hadamar“ des Hadamarer Pfarrers Jakob Wagner aus dem Jahre 1863, welches sich eng an die Chronik der Hadamarer Jesuiten anlehnt.)





Das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach


Hessenpark Sommer 2011

Das Bild oben zeigt die Baugruppe "Marktplatz" auf der Ostseite der Museums-Gesamtanlage. Dargestellt werden soll ein ehemaliger Marktplatz in einer hessischen Kleinstadt. Es sind Gebäude aus ganz Hessen zu sehen, ebenso wie erhaltenswerte Gebäudeteile, die in moderne Materialien eingefasst wurden. (Das Panorama ist durch Anklicken in zwei Stufen vergrößerbar.)

In den Baugruppen des Freilichtmuseums Hessenpark finden sich zahlreiche Gebäude aus dem Hadamarer Land:

In der Baugruppe "Marktplatz": Eine Scheune aus Hadamar, ein Haus aus Runkel-Schadeck, und eine Scheune aus Mengerskirchen.
In der Baugruppe "Werkstätten": Eine Schmiede aus Löhnberg-Selters und eine Stallscheune aus Runkel-Hofen.
In der Baugruppe "Mittelhessen": Die alte Schule aus Dornburg-Frickhofen, ein Backhaus aus Mengerskirchen-Probbach und ein Haus aus Limburg-Ahlbach.

Hier geht´s zur → Web-Seite des Hessenparks und hier gibt´s den → Museumsplan.



Der Hessenpark bei Open Street Map (Einfach in´s Bild klicken, um die Karte nutzen zu können.)



Scheune aus Hadamar: Dieses Gebäude ist eine Rekonstruktion aus dem Jahre 1991 einer 1974 in Hadamar abgebauten Scheune aus dem 17. Jahrhundert. Die Scheune war ursprünglich Teil des Fohlenhofs, der zum Marstall des Hadamarer Schlosses gehörte. Im Hessenpark ist sie Ausstellungsort zum Thema "Bierbrauen".
Haus aus Schadeck: In diesem ehemaligen Wohnhaus aus der Zeit um 1700 ist im Hessenpark ein Krämer-Laden im Stil der 1950er Jahre untergebracht.

Scheune aus Mengerskirchen: Das Enstehungsjahr dieser Scheune war um 1706. Sie wurde 1979 in Mengerskirchen abgebaut, wo sie Teil einer kleinen Hofanlage war. Auf dem rechten Bild sind die drei Gebäudezonen deutlich zu erkennen. Im Hessenpark steht die Scheune seit 1997.

Rat- und Schulhaus aus Frickhofen: Dieses Gebäude wurde um 1750 errichtet und war zunächst Rathaus. Seit 1822 war ein Lehrergehilfe in Frickhofen angestellt. Er unterrichtete wie viele seiner Kollegen in den umliegenden Dörfern zunächst im örtlichen Backhaus. Gegen Mitte des 19. Jahrhundert wurde das Parterre des Rathauses zum Schulraum. 1842 hatte der Lehrergehilfe dort die beiden unteren Klassen mit insgesamt 123 Schülern. Letztmals diente der Raum 1913 dem Unterricht. Er ist heute wieder so hergerichtet, wie er um 1900 ausgesehen haben dürfte. Das Gebäude wurde äußerlich auf den Stand um die Mitte des 18. Jahrhunderts restauriert. Abbau des Gebäudes in Frickhofen: 1968, Wiederaufbau im Hessenpark: 1976.
Gemeindebackhaus und Armenhaus aus Probbach: Das Backhaus war ein Gebäude in Gemeindehand. Es hatte daher häufig noch weitere Funktionen, etwa als Schule und - wie hier - als Armenhaus. Der Ursprung der Backhäuser waren Verordnungen, die das Backen im eigenen Haus wegen der damit verbundenen Brandgefahr untersagten. Die linke Eingangstür des Probbacher Hauses führte zur Armenwohnung. Die Tür zur Backstube ist rechts davon.
Wohnhaus aus Ahlbach: In und um dieses Gebäude aus dem Jahr 1678 befinden sich diverse Einrichtungen des deutschen Postbetriebs zwischen den Jahren 1915 und 1934. Auf dem Bild ist ein Briefkasten von 1928 und ein Fernsprechhäuschen von 1934 zu sehen.





Tödlicher Unfall auf Grube "Sonnenblume" im Jahre 1853

In den Feldern südwestlich von Beselich-Niedertiefenbach erstreckt sich im 19. Jahrhundert ein großes Abbaugebiet für Eisen- und Manganerz. Grubenbesitzer sind ursprünglich die Bauern, denen das Ackerland dort gehört. Doch es kommt auch zu vielen Verpachtungen. Das zuständige Bergamt in Weilburg vergibt die Konzessionen für den Abbau der Erze. Den Untergrund der Erzlager bildet der devonische Kalkstein, dem auch der Limburger Domfelsen und die Steedener Kalklagerstätten zuzurechnen sind. Durch den Kalk sind im Laufe der Erdkrustenbildung von unten flüssige Erze durchgebrochen und haben sich auf der Kalkmasse verfestigt. Danach haben sich die Senken des Rheinischen Schiefergebirges auch bei Niedertiefenbach über viele Jahrtausende mit Ton, Löß und Kies gefüllt. Die Lagerstätten der Eisen- und Manganerze liegen daher in unterschiedlicher "Teufe" - dem Bergmanns-Begriff für die relative Lage eines Erzlagers bezogen auf einen Punkt an der Oberfläche. Manganknollen können nur vereinzelt an der Oberfläche aufgelesen werden. Meist müssen die Erzlager dagegen erst unter Erde, Kies und Ton freigelegt werden. Nach und nach werden auch Stollen erforderlich, die bis zu 60 Meter tief in die Erde reichen. Der Durchmesser der Stollen reicht im Allgemeinen gerade, dass die Bergleute über eine Winde - mit einem Bein im Erzfördereimer stehend - hinab gelassen werden können. Eine der größten Gefahren für die Männer unter Tage sind "böse Wetter", Ansammlungen von tödlichen Gasen.

Ein folgenreicher Unfall mit solchen todbringenden Gasen im Niedertiefenbacher Revier hat Eingang in die Steinbacher Schulchronik gefunden: An der heutigen Dehrner Straße, die den Ort Niedertiefenbach nach Südwesten verlässt, befindet sich im Jahre 1853 die Grube "Sonnenblume", die zu den Bergbau-Gewerken des Steinbachers Johann Blum gehört (siehe Karte, gelbe Fläche).

Am 18. August 1853 hält sich der Ennericher Bergmann Georg Stippler im Schacht auf. Als er böse Wetter bemerkt, ruft er um Hilfe. Bei den Rettungsversuchen lässt sich Georg Wolf, ein Bergbau-Tagelöhner aus Steinbach, im Förderkübel stehend in den Schacht abseilen. Doch unterwegs verliert er durch Gasvergiftung das Bewußtsein und stürzt aus dem Fördereimer hinab in den Schacht. Später können beide Bergleute nur noch tot von dort geborgen werden.

Karte rechts: Ausschnitt aus der Revierkarte des Bergmeisterei-Akzessisten Kaysser für das Abbaugebiet südwestlich von Niedertiefenbach. Gelbe Fläche: Abbaugebiet "Sonnenblume" des Johann Blum aus Steinbach, durchschnitten von der heutigen Straße nach Dehrn. Grüne Linie: Aktuelle Bebauungsgrenze von Niedertiefenbach.

Unten: Erwähnung des Unfalls von 1853 in einem zeitgenössischen Buch über den nassauischen Bergbau.
(Niedertiefenbach gehört zum nassauischen Amt Hadamar. Die Niedertiefenbacher Lagerstätten zählen offiziell zum Abbaugebiet Obertiefenbach. Die Angaben zum Unfalltag und zum Vornamen des Opfers Stippler weichen von der Steinbacher Schulchronik ab.)

Joseph Blum aus Steinbach, der Sohn von Johann Blum und ab 1865 nassauischer Abgeordneter wird später die Bergbau-Gewerke des Vaters weiterführen.








Johann Ludwig - des Volkes und des Friedens Hort

1924 jährt sich zum 600. Mal die Erhebung Hadamars zur Stadt. Aus diesem Anlass verfasst Hippolytus Böhlen das Bühnenstück in fünf Aufzügen "Johann Ludwig - des Volkes und des Friedens Hort". Das Stück handelt von den Auswirkungen des 30-jährigen Krieges auf die Grafschaft Nassau-Hadamar. Erster Aufzug: Ferdinand Graf zu Anhalt will die Grafschaft auf dem Weg von Montabaur in die Wetterau durchqueren, was verhindert werden kann. Als Anhaltscher Kurier tritt Graf Rudolf zu Leiningen auf. Zweiter Aufzug: Oberst Görzenich droht mit Truppendurchzügen. Die Hadamarer hoffen, dass sie das durch einen Freibrief des Kaisers abwenden können. Dann kommt die Kunde von der Hinrichtung des Oberst Görzenich (1627). Weil die Nassauer den verwandten Grafen Friedrich V. von der Pfalz gegen die Katholischen unterstützt haben, soll Johann Ludwig den Freibrief für die nassauischen Grafschaften persönlich in Wien erwirken (1629). Dritter Aufzug: Die kriegerischen Zwischenfälle erfassen allmählich die gesamte Grafschaft. In Molsberg, nicht weit von der Landesgrenze zu Nassau-Hadamar, ermorden Bauern mehrere schwedische Offiziere. Daran sollen auch Hadamarer beteiligt gewesen sein. Außerdem: Johann Ludwig wird zum kaiserlichen Unterhändler bei den Friedensverhandlungen bestellt (1630). Vierter Aufzug: Der aus Niederhadamar stammende Graf Melander von Holzappel fällt im letzten Gefecht des Krieges bei Zusmarshausen (1848). Der Schultheiß von Steinbach übergibt in Hadamar einen Gefesselten, der sein Kind getötet haben soll, um es zu verspeißen. Fünfter Aufzug: Johann Ludwig wird Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies (1647). Nach dem Friedensschluss (1648) kehrt er von Münster nach Hadamar zurück. Später wird in den Fürstenstand erhoben (1650). - Das Bild zeigt die Aufführung des Stückes vor dem Hadamarer Rathaus 1924.

Der Dichter: Hippolytus Böhlen (* 21.8.1878 + 7.9.1950) ist Franziskanerpater und von 1921 bis 1928 Konrektor am Gymnasium Hadamar. Biographisches zu seiner Person bei Wikipedia und im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon.






Die Pfarrei Ellar

Vom Stift St. Severus in Gemünden bei Westerburg, das 879 vom Konradiner Graf Gebhard gegründet wurde, leitet sich vermutlich Ende des 9. Jahrhunderts die Pfarrei Lahr ab. Zu dem Kirchspiel der Pfarrei gehören Lahr, Ellar, Hausen, Fussingen, Waldernbach und Hintermeilingen sowie die Wüstungen Oberlahr, Bortelbach, Brechelbach, Wehnau, Renderode, Graleshofen, Oberndorf, Mechtelndorf, Potenhain, Obervöhl und Niedervöhl. Außerdem gehören zu Lahr die Appenkirche bei Merenberg und die nur als Ruine erhaltene Liebfrauenkirche am Seeweiher bei Waldernbach.

Gleich neben der Burgmauer auf dem heutigen Platz zwischen Burgruine und Kirche entsteht die Ellarer St. Maximinus-Kapelle, die erstmals 1419 in einer Urkunde erwähnt wird. 1740 erhält sie durch Künstler der Hadamarer Schule einen neuen Barockaltar.
1838 löst sich die Pfarrei Ellar-Hausen aus dem Kirchspiel Lahr. Ellar und Hausen legen eigene Friedhöfe an. Im gleichen Jahr wird die inzwischen baufällige Ellarer Kapelle geschlossen; 1843/44 entsteht die Pfarrkirche. Der Barockaltar der alten Kapelle wird zum rechten Seitenaltar der neuen Kirche. 1868 bis 1895 wird die Kirche im Jugendstil ausgemalt. Am 11. April 1919 zerfällt die Pfarrei Ellar-Hausen in zwei unabhängige Pfarreien. 1962/63 wird die Ellarer Kirche renoviert.

(Bilder aufgenommen am 12. Oktober 2010)








Die Appenkirche bei Merenberg

Die Appenkirche steht ca. 500 Meter nordöstlich der Burgruine von Merenberg. Die heutige St. Jakobskirche wurde um 1200 erbaut und war vermutlich Pfarrkirche des ausgegangenen Ortes Appenkirchen. Um die Zeit der Reformation wurde sie zur Friedhofskapelle.




Wasserversorgung anno dazumal

Ellar
Die "Schuelpomp" An der Hintermeilinger Straße in Ellar steht heute noch das 1860/1861 erbaute ehemalige Schulhaus. Es trägt den Namen Ludwig-Bös-Haus, nach einem früheren Ellarer Hauptlehrer. In den Räumen wurde inzwischen das Heimatmuseum untergebracht. Neben dem Ludwig-Bös-Haus führt eine alte Steintreppe hinauf zur Kirche. Gleich oberhalb des alten Schulgebäudes findet sich auf der linken Seite ein eiserne Wasserpumpe, die an die früheste Wasserversorgung Ellars erinnert. Die Inschrift auf der Tafel zu dieser "Schulpumpe" lautet: "Der erste Bau einer Wasserleitung in Ellar geht in die 1690er Jahre zurück, als Landschultheiß Pistor eine Rohrleitung "RIERBURN" aus Kiefernstämmen von der Breitwiese "BRAAWIES" in einen Hof in der Oberstraße verlegen ließ. Die vom Kultur- und Geschichtsverein Ellar im Jahre 2003 als Nachbau aufgestellte Schwengelpumpe soll an die fast baugleiche, neugotisch stilisierte "Schulpumpe" erinnern. Diese wurde ca. 1890 an dieser Stelle errichtet und hatte bis zum Bau der modernen Wasserleitung 1929/30 große Bedeutung für die Wasserversorgung der Ellarer Einwohner. Nach einem Medizinalbericht gab es 1902 mindestens noch eine weitere öffentliche Wasserpumpe vor "GOREMER HAUS" in der Unterstraße sowie ca. 80 Privatbrunnen."



"Lenneburn" In Ellar lässt Bürgermeister Jost bis 1930 für 151.000 Reichsmark die Wasserleitung für den Ort bauen. Am 1. Weihnachtsfeiertag des Jahres 1929 fließt erstmals Wasser aus der Quelle im Lindenborn unterhalb des Heidenhäuschens zum Ellarer Unterdorf. Bild rechts: Der Brunnen Lindenborn am nordöstlichen Fuße des Heidenhäuschens. Von hier führt seit 1929 eine Wasserleitung nach Ellar.


Frickhofen




Wasserleitungen aus Holzstämmen
Das Bild links zeigt, wie früher mit Muskelkraft Baumstämme für den Bau von Wasserleitungen ausgehöhlt wurden. Die Aufnahme stammt von der "Historischen Dorfmeile" anlässlich der 1200-Jahr-Feier von Dornburg Frickhofen im August 2009. Ehemals brachte in Frickhofen eine Holzstammwasserleitung Quellwasser vom Blasiusberg hinab in den Ort zu Überlaufbrunnen und von dort zu den Löschteichen. Einer dieser Löschteiche befand sich am Ort der abgebildeten Vorführung. Ein Reihe von Brunnenpumpen im Ort ergänzten damals die Wasserversorgung Frickhofens.


Steinbach

Das Steinbacher Trinkwasser entstammt in früherer Zeit hauptsächlich dem Quellgebiet im Bestenforst ("Beste Furch"), einer Senke unterhalb des Spitzberges rechts der Straße nach Ellar. Die Wiesen dort oben sind von je her feucht. Dort liegt bis 1823 auch ein Grundstück das zur Steinbacher Schule gehört sowie daneben eine weiteres, dessen Früchte dem Schullehrer als Teil seiner Besoldung zustehen. Der ursprüngliche Wasserlauf aus dem Bestenforst führt geradewegs hinab in das Dorf. Er kreuzt die heutige Neustraße, verläuft in die Senke zwischen dem heutigen Feuerwehrhaus und der Bornstraße und ab da durch die Bruchwiesen am Friedhof in die Perchwiesen unterhalb der Steinkaute.

Im vorderen Teil der Bornstraße gibt es noch Reste eines schon fast vergessenen Brunnens, welcher der einstigen "Burngass" (Borngasse, davor Brunnenweg) den Namen gegeben hat. Bedeutsamer ist der 1829 errichtete Röhrbrunnen vor dem Anwesen des Simon Blum, schräg gegenüber vom Feuerwehrhaus in Richtung Ellar. Im Bereich des Feuerwehrhauses steht übrigens auch das alte Steinbacher Backhaus mit dem Schulzimmer und Lehrerwohnung im ersten Stock. 1832 wird im Rahmen der großen Flurbereinigung im Bestenforst ein Weiher mit Bleichwiesen angelegt, in dem sich Wasser aus der Quelle sammelt. Im gleichen Jahr entsteht auch der Weg vom Hinterdorf an den Bleichwiesen vorbei zur Steinrütsch. Der Röhrbrunnen vor dem Anwesen Blum, zu welchem so lange Zeit das Quellwasser geleitet wurde, wird um 1835 entfernt. Zunächst wird im Bestenforst ein festes "Burnhäuschen" errichtet und der Weg des Wassers in den Ort neu verlegt. Die Leitung führt jetzt das Wasser zunächst ein Stück westlich am Dorf entlang, biegt dann über den "Ho" und den früheren Jägersweg zur Ortsmitte ab und mündet in ein offenes Wasserbecken an der Langstraße. Das von diesem "Burn" überlaufende Wasser versorgt den Löschteich, welcher damals rund hundert Meter weiter südlich, in der ersten Biegung der südlichen Kirchstraße angelegt wird. Die alten Steinbacher konnten sich noch an das Quaken der Kröten ("Mollen") an diesem Brandweiher erinnern, das nachts im ganzen Dorf zu hören war.

Im Sommer des Jahres 1853 ist der inzwischen undichte Brandweiher jedoch ausgetrocknet. Fast kommt es deswegen zu einer Katastrophe für die Steinbacher, denn im Stall des Johann Leber bricht ein Feuer aus und erfasst das dort gelagerte Holz und den Flachs. Nur Johann Blums entschlossenes Eingreifen kann das Schlimmste verhindern: Der Sohn des Simon Blum bringt den brennenden Flachs ins Freie und löscht ihn dort. Im Herbst wird daraufhin der Steinbacher Brandweiher abgedichtet, so dass sich dort wieder reichlich Wasser sammeln kann.

Das Bild zeigt links im Hintergrund die Häuser am nördlichen Ortsrand von Steinbach. Davor die Wiesen des Bestenforst mit dem Quellhäuschen links von der Bildmitte und dem Weg auf die Steinrütsch rechts.





Franziskanertreppe
ist der Name eine Treppe, die an der Hadamarer Kirchgasse gegenüber der alten Steinbrücke ihren Ausgang nimmt und den Ägidien- oder Mönchsberg hinauf führt zur Franziskanerkirche. J. H. Webers Karte von 1713 zeigt den schnurgeraden Anstieg (Nummer "3"; in der Kartenlegende lautet der Text "Trepe zun franziscaner"). Auf einer Postkarte von 1906 sieht man den unteren Abschnitt der Treppe im Häuser-Zwischenraum rechts vom "Kaiserlichen Postamt".


Der Fußweg von der Liebfrauenkirche zur Franziskanerkirche Noch eine weitere bemerkenswerte Wegverbindung zeigt die alte Karte: Sie führt von der Liebfrauenkirche ("1") zur Franziskanerkirche. Dieser Weg nimmt an der südwestlichen Ecke der Liebfrauenkirche seinen Anfang (Bild links), ist jedoch nach wenigen Metern nicht mehr passierbar. Das Bild rechts wurde auf dem Friedhof an der Liebfrauenkirche ("2" in der Karte) aufgenommen; rechts vom Kirchturm der Liebfrauenkirche ist die Spitze der oberhalb stehenden Franziskanerkirche zu sehen.


Auf der Lithographie links geht der Blick von einem Punkt oberhalb der Liebfrauenkirche, etwa dort, wo heute die Bahnlinie verläuft, nach Nordosten über die Stadt Hadamar. Links oben ist die Herzenbergkapelle zu erkennen (erbaut 1675). Bei den großen Gebäuden in der Bildmitte nördlich der Schlossanlage dürfte es sich um die jesuitischen Neubauten - Kirche, Kloster und Aula - handeln, die bis 1765 enstanden waren.







Hochgrab Konrad Kurzbolds von 1235 im Limburger Dom

Rund 300 Jahre nach seinem Tod, also um 1235, entsteht ein Grabmal für Konrad Kurzbold. Es findet seinen Platz im Limburger Dom, welcher an der Stelle einer von Konrad Kurzbold gestiften Vorgängerkirche errichtet wird. Heute befindet sich das Grabmal im nördlichen Querhaus. Spätestens 1777 erhält es das heutige Aussehen eines Tischgrabes, welches von sechs Skulpturen getragen wird, die in die Mitte des 11. Jahrhunderts zu datieren sind: Vier Geistlichen an den Ecken und ein Hund und ein Löwe jeweils an einer Säule in der Mitte der langen Seiten. Die heutige Farbgebung entspricht wieder der um 1777. Die Geistlichen am Kopfende haben Tonsur und tragen Bücher. Der eine von beiden links vom Aufgebahrten zeigt aus dem Buch der Weisheit (Eccl. 45,1): DILECTUS DEO ET HOMINIBUS CUIUS MEMORIA IN BENEDICTIONE EST" - Der von Gott und den Menschen geliebte, dessen man nun mit Lob gedenkt.




Name: Peter Hagendorf, Beruf: Söldner

Mitte der 1980er Jahre entdeckt Jan Peters in der Preußischen Staatsbibliothek Berlin ein eher unscheinbares Schreibheft. Es ist ein Tagebuch eines Soldaten aus dem dreißigjährigen Krieg. Die Nachforschungen führen zu einem Peter Hagendorf. Hagendorf konnte lesen und schreiben wie ein Lateinschüler. Er kennt sich auch mit Mühlen aus, was nahelegt, dass er aus einer Müllersfamilie stammt. 1625 wird er angeworben. Bis zum Jahr 1649 wird er als Soldat zwischen 20.000 und 25.000 Kilometern zurück legen, überwiegend in Deutschland. Märsche, Raub und Zerstörung sind sein Alltag. Hagendorf steigt dabei vom Gefreiten zum Hauptmann auf. Während des Kriegs ist er zweimal verheiratet. Seine Frauen ziehen im Tross mit. Viele Kinder werden ihnen geboren, kaum eines überlebt.

Auch durch das Hadamarer Land führt Hagendorfs Weg. Anfang Juni 1642 bricht sein Regiment in Frankfurt-Bonames nach Limburg auf und über den Westerwald: "ein rauhes Land", schreibt er (*). Von dort geht es über Montabaur nach Dierdorf: "Ein gar schlechtes Land, lauter Wald und Wildnis."(*). Bei Dierdorf wird er von drei Bauern ausgeraubt. Es geht weiter über Köln bis nach Düren und im November wieder zurück nach Dierdorf. Dort kann er einen der Räuber ausfindig machen und zur Verurteilung bringen. Am 8. November zieht Hagendorf mit den Truppen über Limburg in die Wetterau und von dort weiter nach Franken.

Das Tagebuch ist wohl erst nach Kriegsende aus Notizen entstanden. Die Aufzeichnungen brechen im September 1649, ein Jahr nach Kriegsende, ab.

Bild: Michael Sachs (Maler) / C. Groschwitz (Lithograph): "Ansicht von Limburg" von 1864. Die Limburger Lahnbrücke von 1315 verbindet über Jahrhunderte das Rhein-Main-Gebiet mit dem Westerwald.


(*) Jan Peters (Hrsg.): Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg, Akademie-Verlag, Berlin, 1993

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Der Mönch von Limburg

Du gabst meinem Körper die Pest, daß meine Seele klinge!
Gabst meinem krebszerfressenen Mund,
O Gott, meiner Kehle, röchelnd und wund,
Das Lied, das sie droben im Dome singen -
Mai, Mai, Mai, du hohe Zeit !

Von dem Felsen des Doms, der aus Wassern sich türmt,
Werfen sie mir entfernt das Brot
Auf die Insel herab ... Meine Nähe ist Tod -
Und doch hat mein Lied das Ufer erstürmt !
Mai, Mai, Mai, der Welt!

Die Augen erloschen ... Nicht spiegelt der Fluß
Den leeren Höhlen Himmel und Bucht.
Ich brauche keine Klapper ... Flucht vor mir, Flucht ...
Doch - bin ich nicht weltdurchfliegender Kuß ?

Ich, Mailoser, singe Mai und es fängt für euch an zu maien,
Ich, Grindbedeckter, schalmeie die Lust
Der Umarmung und ihr stürzt euch an die Brust -
Hinweg ! Nicht länger soll uns die Pest der Welt entzweien !

In Brand - meine Insel ! ... Ich praßle hinaus ...
Zu Asche, du Fäulnis ! ... "Willkommen, willkomm !"
Aus Fenstern und Türen ... Ich wohne bei Menschen im Haus !
Mai, Mai, Mai der Welt !

(Leo Sternberg, * 7. Oktober 1876 in Limburg an der Lahn; † 26. Oktober 1937 auf Hvar, Kroatien)




Bruder Siechentrost In seiner Limburger Chronik berichtet Tilemann Elhen von Wolfhagen von der dritten Pestepidemie in Limburg und einem Mönch, der sich in dieser Zeit um die Kranken und Sterbenden kümmert. Man gibt ihm den Beinamen "Bruder Siechentrost". Eines Tages wird er auf die Rabeninsel unter dem Dom verbannt, weil die Limburger Bürger befürchten, er könne sie mit der tödlichen Seuche anstecken. Auf der Rabeninsel soll er weithin hörbar auf seiner Geige gespielt haben. Leo Sternberg würdigt ihn im obigen Gedicht. Deutschlands erster Literaturnobelpreisträger ist im Jahre 1910 Paul Heyse. Von ihm ist die Novelle "Siechentrost", die später "Spielmannslegende" tituliert wird.

Bild: "Ansicht des Limburger Doms im Mondschein" von George Barnard, um 1845




In memoriam Pfarrer Lothar Streitenberger

Lothar Streitenberger wird am 24. Juli 1939 in Frankfurt geboren. Seine Heimatpfarrei ist St. Josef in Frankfurt-Bornheim. Nach der Ausbildung zum Elektroinstallateur holt er das Abitur am erzbischöflichen Abendgymnasium in Neuss nach und studiert ab 1965 Theologie an St. Georgen in Frankfurt, danach an der Universität München.

Im Bistum Limburg Am 8. Dezember 1970 wird er in Limburg von Bischof Kempf zum Priester geweiht. 1971 ist er Seelsorge-Praktikant in Wiesbaden und danach Kaplan in Frankfurt-Nied. Ab dem 7. Oktober 1973 bis Oktober 1986 ist er Pfarrer in Niederhadamar. Niederhadamar verdankt ihm eine neue Orgel und das Pfarrheim, welches aus dem Schwesterhaus entsteht. Ab Juli 1977 übernimmt er zusätzlich die Pfarrverwaltung von St. Leonhard in Oberweyer.

Im pastoralen Raum Braubach 1986 zieht es Streitenberger nach Braubach am Rhein in die Pfarrei Heilig Geist. Braubach liegt südlich von Lahnstein am Rhein unterhalb der Marxburg. 1989 kommt die Pfarrei St. Margaretha in Filsen dazu. In Filsen beteiligt er sich an der Renovierung der Pfarrkirche und der Erstellung einer Pfarrchronik. 1995 bis 1999 ist er in St. Goarshausen stellvertretender Dekan.

Als Eremit in Niederbayern Im Jahr 2000 zieht sich Lothar Streitenberger nach schwerer Krankheit in die Klause Heiligenbrunn nahe Gangkofen, im Bistum Regensburg zwischen München und Passau gelegen, zurück. Um 1700 hatte dort erstmal ein Eremit eine Klause errichtet. Dieser Eremit hatte die Aufgabe, die Kapelle und die Wallfahrer zu einer nahegelegenen Heilquelle zu betreuen. Streitenberger legt die Gelübde eines Eremiten ab und wird zu Pater Josef. Er folgt nun den Franziskaner-Regeln. Auch seine Hauptaufgabe ist die Betreuung der Wallfahrtskirche. An der Stelle der früheren Holzkapelle steht heute eine steinerne Kapelle, ein flach gedeckter Saalbau mit Dachreiter. An die Kapelle schließt sich östlich die Klause der frühen Einsiedler an. In den umliegenden Gemeinden hält Pater Josef Gottesdienste. In seiner Klause empfängt er häufig Besucher, hält mit Telefon, Laptop und Fernseher Kontakt zur Welt. Anfang 2010 widmet ihm das Bayrische Fernsehen eine Folge von "Wir in Bayern".

In memoriam Am 13. August 2010 stirbt Lothar Streitenberger im Alter von 71 Jahren in Würzburg und wird am 18. August nach einem Requiem in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt unter Anteilnahme von Gläubigen aus seinen früheren Gemeinden in Gangkofen-Heiligenstadt beigesetzt.

Editionen von und mit Lothar Streitenberger:
"100 Jahre Pfarrkirche Oberweyer 1883 - 1983"
"Nassauische Kleinbahn Oberlahnstein - Braubach - Nastätten"
"Vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zum Herzogtum Nassau"
"St. Margaretha Filsen - Eine Pfarrgemeinde am Rhein"
"Die Marienglocke von St. Margaretha in Filsen - Eine altgotische Glocke und ihr Gießer", Filsen 2001

(Bilder: Katholische Kirchengemeinde Gangkofen )




Die Pfarrkirche zu Oberweyer

Nach der Ausgliederung aus der Mutterpfarrei Dietkirchen entsteht in Oberweyer eine Kapelle, die 1488 erstmals erwähnt ist. 1567 wird die lutherische Pfarrei Oberweyer in Folge des Diezer Vertrages von 1564 gegründet. Sie gehört zum Herrschaftsgebiet Nassau-Dillenburg und wird von Graf Johann VI. regiert. Zum Pfarrdorf Oberweyer gehören die Filialorte Ahlbach, Niedertiefenbach, Niederweyer, Steinbach und möglicherweise bereits Niederahlbach / Urselthaler Hof. Als die Pfarrei Oberweyer 1567 eingeständig wird, tritt an die Stelle der Kapelle eine erste Kirche, weil Platz für die Gläubigen der Filialdörfer benötigt wird. Über den finanziellen Beitrag der Filialdörfer zum Neubau kommt es 1568 zum Streit mit der Muttergemeinde. Zudem ist die Familie Specht von Bubenheim, welche den Zehnten von Oberweyer erhält, nicht bereit, den fälligen Beitrag zu leisten.

1575 wird Johann VI. calvinistisch und so auch sein Gebiet Nassau-Dillenburg mit der Pfarrei Oberweyer. Die acht Pfarrer von 1568 bis 1630 werden aus Vermögen und Einnahmen zweier Altäre der Hadamarer Liebrauenkirche entlohnt. 1630 gehört die Pfarrei Oberweyer zur Grafschaft Nassau-Hadamar unter Johann Ludwig, die in diesem Jahr katholisch wird. Die calvinistischen Prediger seiner Kirchspiele stellt Johann Ludwig am 12. Februar 1630 vor die Entscheidung, die Seelsorge einzustellen oder die Grafschaft zu verlassen. Der letzte calvinistische Seelsorger von Oberweyer, Pfarrer Kempfer, bleibt im Ort; er stirbt dort ein Jahr später. Als die Schweden einige Jahre später auf Hadamar vorrücken, flüchten die Jesuiten-Patres nach Koblenz. 1638 überträgt daher Graf Johann Ludwig die Seelsorge in Oberweyer (Niederhadamar und Offheim) den Hadamarer Franziskanern; zuvor hatte er ihnen die alte Ägidienkirche auf den Mönchsberg / Ägidienberg und dazu Gelände für ein Kloster geschenkt. 1650 ist mit Dominikus Feldhausen erstmals wieder eine Jesuit katholischer Pfarrer in Oberweyer. Für den Bau der dritten, heutigen Pfarrkirche zu Oberweyer in der nach-napoleonischen Zeit ergeben sich ebenfalls Finanzierungsprobleme, weil ein Teil des Kirchenvermögens jetzt unter staatlicher Kontrolle steht. Der Zehnte der Orte Niederweyer, Ahlbach und Niedertiefenbach geht mittlerweile an den Herzog von Nassau und damit an den Zentralkirchenfonds. Das Recht auf den Zehnten von Steinbach hat dagegen der Freiherr vom Stein. Obwohl nach einem Gutachten aus dem Jahr 1858 die Gemeinden Oberweyer, Niederweyer, Ahlbach und Steinbach bereits mit einem dreifachen Steuersatz belegt sind (Niedertiefenbach ist 1850 aus der Pfarrei Oberweyer ausgeschieden), ist man dort bereit, weitere finanzielle Opfer für den Neubau der Pfarrkirche in Oberweyer aufzubringen.

Der Kulturkampf zwischen der preußischen Regierung und der katholischen Kirche, der auch das Bistum Limburg erfasst, verzögert den Neubau. Erst 1883 wird der Grundstein gelegt. Die Einweihung findet am 6.11.1888 statt. Seit der Annexion Nassaus durch Preußen 1866 hat es auch einschneidende Änderungen bei der kirchlichen Vermögensverwaltung gegeben. Die Mittelverwendung ist jetzt nicht mehr Sache des Zentralkirchenfonds, sondern der Kirchenvorstände, die dem bischöflichen Ordinariat zur Rechnungslegung verpflichtet sind.

Bild rechts: Turm-Eingang in die Kirche. Rechts davor die Grabsteine von vier früheren Pfarrern: von rechts nach links Lothar Bendel (1852-1885), Joseph Weißenburg (1819-1846), Augustinus Weil (1911-1915) und Adam Bick (1888-1911). Der fünfte Grabstein ganz links gehörte zu einem Familiengrab.

Steinbacher Bürger mit Bezug zum geistlichen Leben der Pfarrei Oberweyer Philipp Hilb (*1.1.1770 in Steinbach, + 29.12.1849 in Villmar) war von 1804 bis 1819 Pfarrer in Oberweyer. Johann Wilhelm Bausch (*17.3.1774 in Steinbach, + 9.4.1840 in Limburg) war Pfarrer in verschiedenen Gemeinden und zweiter Bischof von Limburg. Joseph Wolf (*25.2.1826 in Steinbach, +14.10.1886 in Niederlahnstein) war Pfarrer in Niederlahnstein. Josef Preuß übernahm Anstrich und Schablonierung der Decke in der Kirche von 1888. Jakob Demer war von 1947 bis 1977 Küster in der Pfarrkirche von Oberweyer.




Hexenprozesse im Hadamarer Land

Zwischen 1570 und 1680 finden in Europa die meisten Hexenprozesse statt. Besonders viele davon 1629. Die Verhandlungen erfolgen nicht vor kirchlichen Tribunalen sondern vor weltlichen Strafgerichten. Es sind Eilverfahren, man begnügt sich mit wenigen Indizien. Es gibt die fünf Haupt-Anklagepunkte: Pakt mit dem Teufel, Buhlschaft mit dem Teufel, Hexenflug, Schadenszauber und Tanz mit dem Teufel (Hexensabbat).

Hadamar und das Amt Ellar werden mit dem Religionswechsel Johanns VI. von Nassau-Dillenburg 1557 calvinistisch. Im Hadamarer Land haben die Wiesen bei Limburg und Elz sowie die Herrenwiese bei Niederzeuzheim den Ruf, Tanzplätze der Hexen aus der Gegend zu sein. In der Walpurgisnacht fliegen - so glaubt man damals - alle Westerwälder Hexen zudem zum lokalen Blocksberg am Renneröder Hexenbäumchen.

1512 und 1520 finden in Ellar mehrere Hexenprozesse statt. Nach 1520 werden die Fälle des Amtes Ellar im Hadamarer Schloss verhandelt. Die Hinrichtung erfolgt danach auf dem Hadamarer Hexenberg.

Am 9. Januar 1590 beginnt der fast fünfmonatige Prozess gegen Barbara, Tochter des Arndt und der Else Crode aus Offheim. Die Verhöre finden in Diez und danach in Dillenburg statt. Mit ihren Aussagen belastet die etwa 15-jährige ihre Mutter schwer. Die Mutter wird verurteilt und verbrannt, noch bevor Barbara im Juni wieder freigelassen wird. Unter den Augen der Gemeinde und des General-Visitations-Ausschusses tut Barbara Anfang Juli 1590 in der Niederhadamarer Pfarrkirche mit Gebeten, Gelübden und Entsagungen Buße.

Am 14. Januar 1590 macht Borns Else aus Niederzeuzheim vor dem Hadamarer Keller Adolf Helling und dem Pastor Konrad Wenckenbach ihre Aussage in dem gegen sie gerichteten Hexenprozess. Auf die Frage, warum sie sich mit dem schwarzen Mann eingelassen habe, antwortet sie, das sei aus einer Notlage geschehen: Ihr Mann sei kürzlich verstorben und die drei Kinder müssten ernährt werden. Sie benennt zwei weitere Frauen aus Oberzeuzheim, die wohl beim nächtlichen Tanzen in den Wiesen dabei waren. Im März kommt es zur Gegenüberstellung der drei Frauen. Das Verfahren geht glimpflich für die Angeklagten aus. Sie stellen Bürgen und kommen daraufhin frei.

Am 29. Januar 1590 richtet die Gemeinde Hintermeilingen ein Gesuch an den nassau-dillenburgischen Grafen Johann VI., dass er die Witwe Anna Horn wegen öffentlicher Zauberei als ein Werk der Barmherzigkeit verhaften und foltern lasse. Anna Horn wird laut einer Urkunde noch im gleichen Jahr hingerichtet.

1609 kommen nach einem Verfahren in Hadamar die aus Ellar stammenden Greden, Frau des Johann Rörich, sowie Jost Böchern um. Die Kosten ihres Prozesss müssen beide selbst tragen.

Am Montag, den 18. März 1630, zwei Wochen vor Ostern, als Graf Johann Ludwig mit der Unterstützung der Jesuiten gerade damit begonnen hat, das Hadamarer Land zu rekatholisieren, werden in Hadamar fünf angebliche Hexen zum Tode verurteilt und enthauptet. Danach werden ihre Leichen verbrannt.

Nach einer seit 1644 in der Region gültigen Gebührenordnung erhält der Amtmann, welcher die Hexe verhört, 6 Reichstaler. Derjenige, welcher die Verhaftung herbeigeführt hat, außerdem derjenige, der die Hexe auf einem Karren an den Gerichtsort bringt, und derjenige, welcher die gefangene Hexe Tag und Nacht bewacht, erhält jeweils ein Kopfstück.

Die beiden letzten Hexen, die in Hadamar abgeurteilt werden - Anna Margaretha, die Witwe des Belzer aus Langendernbach und eine Veronika aus Wilsenroth - werden im September 1699 hingerichtet.

Die Hinrichtungsstätte auf dem Hadamarer Hexenberg ist möglicherweise im 17. Jahrhundert bei der Neugestaltung Hadamars durch Graf Johann Ludwig verschwunden und an ihre Stelle könnte die Anlage auf dem Hadamarer Galgenberg östlich der Herzenbergkapelle getreten sein. Letztere bestand aus einem Galgen mit drei eisernen Haken und dem Fallbeil. Die Hinrichtungsstätte auf dem Galgenberg wurde 1816 von Schülern des Hadamarer Gymnasiums abgerissen.

Nach neueren Schätzungen kamen zwischen 1400 und 1700 in Europa 50000 Menschen, zumeist Frauen, als vermeintliche Hexen ums Leben. 1782 wurde letztmals in Europa im Schweizer Kanton Glarus eine Person wegen Zauberei zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Bild oben: Der Hadamarer Galgenberg von Osten her aufgenommen. Im Vordergrund die Oberzeuzheimer Flur "Beim grauen Stein", wo 1980 ein Steinkistengrab entdeckt wurde. Bild rechts: Die Beschuldigte stirbt an der Tortur, um sie herum die Richter. Nach einem Kupferstich aus dem Jahre 1632. Aus: Friedrich Spee, Cautio Criminalis, 2. Auflage.





(Aus dem Jahre 1848:) Abhandlung von Professor Kehrein: Geschichte des Gymnasiums zu Hadamar

Erster Theil

Das hiesige Gymnasium steht, wenn man seine innere und äußere Geschichte betrachtet, seit geraumer Zeit in seiner vierten Periode. An die Stelle des Jesuitengymnasiums (1652 - 1773) trat, mehrere Jahre nach dessen Auflösung, (1792) eine so genannte lateinische Schule (auch neues Gymnasium genannt), worauf (1817) ein Pädagogium folgte, das endlich im Jahr 1844 durch die Gnade Seiner Hoheit, unseres allgeliebten Herzogs Adolph zu einem Gymnasium erweitert wurde, aber erst im Jahr 1846 durch das Eintreten der höchsten Classe (der Prima) seinen Abschluß erhielt. Der Wunsch, eine Geschichte dieser beinahe zweihundertjährigen Anstalt zu besitzen, scheint um so gegründeter zu sein, als in den letzten Jahren die Geschichte vieler Gymnasien in Programmen und besondern Schriften der Lesewelt zugänglich geworden ist.

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Gottfried von Beselich
Die Person des Gottfried von Beselich
Beselich: Bereits im Wiki
Die Kirche in Bubenheim
Kloster Walsdorf
Kloster Altenberg
Die Lahnbrücken von Wetzlar und Limburg
Kloster Arnstein: Bereits im Wiki


Die Person des Gottfried von Beselich


In den Jahren 1140 bis 1180 wirkt im Umkreis des Klosters Arnstein an der Lahn ein Mann, der in Urkunden als Gottfried von Beselich bezeichnet wird. Über die genaue Herkunft Gottfrieds ist wenig bekannt. Die Tatsache, dass er seine Beselicher Kirche mit einem zehntfreien Hof dotiert, ist für die Historiker ein Hinweis auf eine edelfreie Herkunft, vermutlich aus dem Lahngebiet.

Bild links: Statue Gottfrieds vor der Obertiefenbacher Pfarrkirche.

(Koordinaten der Statue Gottfrieds: 50°27'28.24"N 8°7'19.70"E)


Ruine der Klosterkirche Beselich

Im Jahre 1956 legt Inge Miedel eine Dissertation vor mit dem Titel "Die Prämonstratenser-Klosterkirchen Arnstein, Beselich und Brunnenburg im Lahntal". In dieser Arbeit berichtet die Autorin unter anderem von Ausgrabungen auf dem Beselicher Kopf im Bereich der Klosterkirche. Im Wesentlichen findet sie die in der Grafik links grün eingezeichneten Mauer-Reste vor. Durch die Grabungen lässt sich mit großer Sicherheit der Grundriss der alten Kirche rekonstruieren. Die Animation links zeigt deren Lage und Gestalt. In der Skizze sind die Hauptgebäude des Beselicher Hofes blau und die heutige Wallfahrts-Kapelle rotbraun eingezeichnet. Die Skizze ist nach Norden ausgerichtet. Seit 1974 engagierte sich der Schupbacher Pfarrer Erich Dienst um die Restaurierung der Klosterruine und des benachbarten Hospitalbaus. 1980 wird die Anlage unter Denkmalschutz gestellt. Heute ist der 1985 gegründete Verein zur Erhaltung der Klosterruine Beselich e.V. Träger der Klosterruine.

Die heutige Kapelle in Beselich

Georg Niederstraßen wird 1709 in Ansbach in ein evangelisches Elternhaus geboren. Aufgrund persönlicher Erfahrungen und unter dem Einfluss jesuitischer Patres konvertiert er im Alter von 26 Jahren zum Katholizismus. Nach etlichen Jahren beruflicher Tätigkeit unter anderem in Asien wird er im Alter von ca. 50 Jahren Eremit vom heiligen Franziskus. Er sucht einen Platz für seine Niederlassung und findet dabei die verlassene Klosterruine Beselich zwischen Ober- und Niedertiefenbach. 1764 beginnt er in unmittelbare Nähe zu der Ruine mit dem Bau einer Kapelle. Am 8. September 1767 wird die Kapelle auf den Namen "Maria Hilf und zu Ehren der 14 Nothelfer" geweiht. Am 23. Dezember 1787 stirbt Georg Niederstraßen 79-jährig. Der Stein von seinem ehemaligen Grab auf dem Friedhof von Obertiefenbach findet sich heute an der Außenwand der Kapelle. Die Inschrift lautet:



Anno 1787 d. 23 dec
ist der E. frader Leonardus
Niderstrasen aus disem
leben in das E. eingegangen
s. a. 78 iahr in dem orden
des H. G. v. francisci 33 iahr
als Eremit zu gebracht in der
Zeit er die Ern. und Kapel
zu beselich zu E. der H. Kö
Mariae mit f. N. erbauet und
24 iahr alda ein from auser
g. leben geführet dahero er
mit S. Paulo sagen kan ich
hab etc. 2 tim. c. 4. v. 7. 8.


Die letzte Zeile dieser Inschrift verweist auf das Neue Testament, 2. Timotheusbrief des Paulus, Kapitel 4, Vers 7: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt." sowie Vers 8: "Nun liegt für mich der Siegeskranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr an jenem Tage überreichen wird, der gerechte Richter, doch nicht mir allein, sondern auch allen, die seiner Epiphanie mit Liebe entgegengehen."

Nach rund einhundert wechselvollen Jahren, in denen gelegentlich sogar der Abriss der Kapelle erwogen wird, finden sich Geldmittel für einen umfassenden Umbau (1880 - 1882). 1925 wird der Turm erneuert. Zahlreiche weitere bauliche Verbesserungen folgen. Die Beselicher Kapelle ist traditionell das Ziel von Bittprozessionen aus den umliegenden Orten. So haben Oberweyer und Steinbach aufgrund von Ereignissen im 2. Weltkrieg eine jährliche Prozession nach Beselich gelobt. In den 1950er Jahren wird die Steinbacher Prozession allerdings zur Wallfahrtsstätte "Sieben Schmerzen - Sieben Freuden" unterhalb des Heidenhäuschens verlegt.


Die Kirche in Bubenheim


Rund 90 Kilometer südlich vom ehemaligen Kloster Beselich und 17 Kilometer westlich von Worms liegt der Ort Bubenheim. Am Ortsrand von Bubenheim steht die Kirche St. Peter, wohl eine der ältesten romanischen Kirchen der Pfalz. Bereits 1139 hat Graf Ludwig von Arnstein dem Kloster Arnstein das Dorf Bubenheim samt Kirche, dem Zehnten und den Leuten übergeben. Gottfried von Beselich war vermutlich im Auftrag des Einrichgauer Grafen Ludwig III. in Bubenheim tätig geworden. Im Innenraum der Kirche zu Bubenheim findet sich am linken Pfeiler zwischen Chor und Apsis eine über 800 Jahre alte Inschrift und darunter eine Abbildung, die Gottfried von Beselich zeigt. Nach der Inschrift wurde die von Gottfried renovierte Kirche am 24. März 1163, einem Ostersonntag, geweiht. In der ca. 14 x 22 cm großen Vertiefung über den Händen der Priestergestalt könnte sich seinerzeit ein metallener Hostienbehälter befunden haben.

Unten links die Einfahrt zum großen Hof neben der Kirche.

(Koordinaten der Kirche St. Peter in Bubenheim : 49°37'41.47"N 8°7'15.27"E)


Kloster Walsdorf


In einer Urkunde erwähnt 1156 Erzbischof Arnold von Mainz, dass ein Priester "Godefridus" vom Ort Walsdorf - heute Stadtteil von Idstein - einen Platz zum Bau einer Kirche und eines Mönchsklosters erhalten hat. Dieser Godefridus dürfte Gottfried von Beselich gewesen sein. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ziehen Benediktinerinnen in das inzwischen verlassene Kloster ein. 1562 wird die Reformation durchgeführt. Nach Überfällen um die Mitte des 30-jährigen Krieges wird das Kloster aufgelöst. Die Klostergebäude werden danach vollständig abgetragen.

Kloster Altenberg


Gottfried von Beselich dürfte zwischen 1164 und 1179 die Klosterzelle Altenberg auf dem St. Michaelsberg auf der rechten Lahnseite zwischen Wetzlar und Oberbiel gegründet und der Prämonstratenser-Abtei Rommersdorf unterstellt haben. Diese Zelle findet erstmals Erwähnung in einer Urkunde, mit der Papst Alexander III. im Jahre 1179 dem Abt von Rommersdorf die Rechte und Besitzungen des Klosters Rommersdorf bestätigt. Das Kloster übersteht Reformation und 30-jährigen Krieg und wird erst durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 aufgehoben. Nach wechselvollen Jahrzehnten sind die Klostergebäude heute in Benutzung durch die Königsberger Diakonissen.

Die Lahnbrücken von Wetzlar und Limburg


In der Urkunde, mit der Papst Alexander III. im Jahre 1179 dem Abt von Rommersdorf die Rechte und Besitzungen des Klosters Rommersdorf bestätigt, findet sich auch beiläufig der Hinweis auf Gottfried von Beselich als Erbauer der Lahnbrücken von Wetzlar und Limburg. Die Lahnbrücke in Wetzlar ist bis heute erhalten. Zur Limburger Brücke kommentiert C. D. Vogel in seiner "Beschreibung des Herzogthums Nassau" 1843: "Die Brücke über die Lahn existirte schon frühe, wurde 1255 vom Eise zerstört, und darauf die jetzige 1315 erbauet."



De Stammocher en de Dikkerischer Maad - Ein regionaler Wirtschafts-Konflikt im ausgehenden 18. Jahrhundert

Die Lange Meil ist die Fortsetzung einer alte Handelsstraße aus dem Süden Europas, die bei Limburg die Lahn überquert. Sie erstreckt sich von der Limburger Brückenvorstadt nach Norden bis Steinbach. Ihre mittelalterliche Trasse führt zunächst in Richtung Dietkirchen und von dort nach Ahlbach. Bis 1397 ist dieses Gebiet Teil der Grafschaft Diez. Es gelangt durch die Heirat der Diezer Grafentochter Jutta mit Adolf von Nassau-Dillenburg 1384 an das Haus Nassau. Durch den Diezer Vertrag von 1564 fällt von der alten Grafschaft Diez ein großes Gebiet um Limburg - so auch Dietkirchen - an das Kurfürstentum Trier. Die Lange Meil überschreitet seither die Grenze zwischen Kurtrier und Nassau bei Ahlbach, wo Nassau auch ein Zollhaus errichtet.

Welcher Ort einen Jahrmarkt abhalten darf, bestimmt im politisch stark zersplitterten Deutschland vor 1800 die Obrigkeit eines jeden autonomen Gebiets für sich. Märkte sind Wirtschaftsförderung, denn sie locken einerseits Besucher an, die ihr Geld bei ortsansässigen Geschäftsleuten lassen. Andererseits kassiert die herrschaftliche Marktleitung von den Händlern, Wirten und Schaustellern Aufnahmegebühren in die Gemeinschaft der Marktteilnehmer ("Hänsel-Gebühren"). Liegen solche Märkte räumlich und zeitlich nahe beieinander, bleiben Konflikte nicht aus. So etwa seinerzeit im trierisch-nassauischen Grenzgebiet im unteren Westerwald.

1378 findet sich im Limburger Stadtbuch ein erster Hinweis auf einen bereits bestehenden Jahrmarkt in Dietkirchen. 1587 verbietet Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg, dessen Territorium das Kirchspiel Oberweyer mit Steinbach umfasst, seinen Untertanen den Besuch des Dietkirchener Marktes. Der dreißigjährige Krieg (1618-1648) bringt das Marktgeschehen zeitweise zum Erliegen. Der Dietkirchener Markt erholt sich aber danach schnell wieder und ist in den kommenden 100 Jahren überaus erfolgreich.

1768 richtet der in Diez ansässige Fürst Wilhelm V. von Nassau-Oranien rund 10 Kilometer von Dietkirchen entfernt in Steinbach einen Jahrmarkt ein. Dieser Markt findet an genau dem gleichen Tag statt wie der in Dietkirchen, nämlich am zweiten Dienstag nach Michaelis (29. September). 1770 wird sämtlichen kurtrierischen Untertanen der Besuch des Steinbacher Marktes untersagt. Mit Miliz und Spitzeln wird die Einhaltung dieses Verbots von Kurtrier überwacht. 1774 einigen sich beiden Seiten darauf, dass Dietkirchen seinen Markt eine Woche, Steinbach den seinen zwei Wochen nach Michaelis abhält.

Die Bilder links wurden auf dem Steinbacher Markt 2009 aufgenommen. Oben: Milchkühe von Norbert Breithecker aus Ellar. Unten: Krammarkt. 




Melschkanne

Dumals gäe et Enn vum Kriesch horred schu Melschkanne gäwe. De Loi mussde de Melsch ogäwe, weil et naut mee ze ärse gob. Aach nohm Kriesch hunn de Baauern de Melsch met Kanne oogäwe. I Stammoch goob et zwo Melschrampe. Do wurn mojens froi de Kanne drofgestalt. I so n Kann ginge em zwanzisch Lidder Melsch. Mier hun als Bouwe uuser Kanne mit em klaane groe Melschwänschje aus der Horemerer Stroos u der School verbei bis u de Ramp bei Scholtesse Bernhard, gäeniwwer fu der kabell, gefoorn en da of die Ramp gehoowe. Die Ramp woar net vill heher wie en Desch, deswä hun die Ollwocher aach Melschdesch driwwer gesoht. Ouer die Kann woar aus verzinkt Eise en met der Melsch den doch arisch schwär fier uus bouwe. Mir hann feier Melschkanne en die Melschkanne-Nommer 1217. Die Ramp woar hennehär voll, weil die annern Baauern det genau so gemoocht hu wie mir. Det Melschauto es später komme. Die zwee Menner vu der Molkerei hu die Kanne offgelore. Die Kanne worn so gemoocht, des mer se off enanner stelle konnt. Det musst rasch geh en die Kanne sind dobai aach gäjenanner gehaache worn. Deswä hann die ach so vill Delle. Henne im Duurf beim Schäfer Albert wor aach noch en Ramp. Do wur aach nommo geloore. Da ist det Melschauto weirer owe noff zous no Eller en Malingen gefoorn. Die Melsch es da no Schubbach gebroocht worn i de Molkerei Meddoens is det Melschauto werrer komme en hoht de Mochermelsch zereck gebrocht. Die wuur da meist u de Säu verfoirerd.

I de siebzischer Jouern durfte die Baauern du net me die Kanne nomme.

Jetz wor en Kiehlanlach off jedem Baauernhoop fiergeschriewe. Jedes Daal vu der Anlach musst henneher rischdisch saauwer gemocht wärrn. Det wor vill oorwet. De Melschbehälder had Reerer en musst mojjens u dä Platz gezoe wärn, wo vierher de Melschramp woar. Die naue Melschautos hann groose Tanks en de Melsch wuur med em Saugstotze aus de Melschbehälder i de grose Tank gepompt.

Die Melschkanne hot mer jetz nemmee gebraucht en se senn meistens off em Spaicher geland oder mehr hot se bemoalt en als Schirmstenner genomme. Die Kann off dim Bild hod det Waismillisch Rita vu Oowerzeuzem bemoalt. Wie um Schluss nur noch drai Baauern im Stammoch worn, es det Melschauto bei die drai Baauern of die Heep geforn komme en hot de Melsch do direkt aus de Kiehlanlach gepompt. Hau es de Melschwirtschaft n Industrie en vu de Melschkanne wesse die junge Loi jo gorr naut me.



Bis zur Entstehung der Molkereien erfolgt die Verarbeitung der Milch durch den Bauer selbst. Am 20. November 1936 nimmt die Molkerei in Westerburg ihre Arbeit auf. Viele Dörfer des Hadamarer Landes geben ihre Milch dorthin ab. Nach dem zweiten Weltkrieg gehört Westerburg zur französischen Besatzungszone, die Dörfer um Limburg wie Ellar und Steinbach dagegen zu dem am 19. September 1945 proklamierten Groß-Hessen unter amerikanischer Besatzung. Die Molkerei in Schupbach tritt daher im nördlich Limburger Becken an die Stelle von Westerburg.

Bild oben links: Steinbacher Milchrampe an der Kapelle in den 1960er Jahren. Oben rechts. Bemalte alte Michkanne aus Steinbach als Schirmständer. Unten links: Betriebsgelände der stillgelegten Schupbacher Molkerei. Unten rechts: Ein Ellarer Bauer holt 1960 seine Milchkannen von der Rampe ab (nach einer Fotografie von Walter Rudersdorf im Ellarer Heimatmuseum / Alte Schule im Ludwig-Bös-Haus).




Peter Paul Cahensly

wird am 28. Oktober 1838 in eine wohlhabende katholische Limburger Kaufmannsfamilie geboren. Stammhaus ist das Gebäude Kornmarkt 9 in Limburgs Altstadt. Im Laufe seiner Ausbildung hält er sich auch in Le Havre auf, wo er auf die schwierige Lage der Amerika-Auswanderer aufmerksam wird. Im Alter von 30 Jahren übernimmt er die 1803 gegründete elterliche Kolonialwarenhandlung mit der kleinen Privatbank. Im gleichen Jahr wirkt er bei der Gründung des Auswandererschutz-Komitees in Bamberg mit. Auf dem Katholikentag 1871 ist er Mitbegründer des "St. Raphaels-Vereins zum Schutze katholischer deutscher Auswanderer" (heute: Raphaels-Werk) und wird dessen erster Generalsekretär.

1883 wird der amerikanische Zweig des St. Raphaels-Verein in Amerika gegründet. Seit Beginn der 1880er Jahre vertritt Cahensly öffentlich die Auffassung, dass die deutschsprachigen katholischen Einwanderer vom überwiegend irisch-stämmigen amerikanischen Klerus benachteiligt werden und deshalb der katholischen Kirche zunehmend den Rücken kehren. Cahensly tritt deswegen dafür ein, dass die deutschen Einwanderer eigene Gemeinden mit deutschen Schulen und Priestern behalten sollen. Doch die amerikanischen Oberhirten wollen keine solche Eigenständigkeit der nationalen Einwanderergruppen.

Ab 1885 ist Cahensly rund 30 Jahre lang Mitglied des Preußischen Landtags (Abgeordnetenhaus).

1889 wird das Leo-Haus in New York City / Manhattan als amerikanisches Hauptquartier des St.-Raphaels-Vereins eröffnet. Benannt ist es nach Papst Leo XIII., der den Bau mit einer beträchtlichen Summe aus seinem Privatvermögen unterstützt hat.

Im Dezember 1890 gibt der St. Raphaels-Verein bei einem Treffen in Luzern - ohne Beteiligung seines amerikanischen Zweiges - eine Denkschrift zur Situation der katholischen Deutschen in Amerika heraus. Cahensly stellt sie im Namen des Vereins allein am 16. April 1891 bei Papst Leo XIII. vor. Diese und eine weitere Denkschrift vom Juni 1891 werden zum Auslöser heftiger Auseinandersetzungen zwischen Cahensly und dem amerikanischen Klerus, der inzwischen eine deutsche Verschwörung vermutet. Erzbischof Ireland von Saint Paul and Minneapolis wählt die Associated Press zum Sprachrohr und schreibt dazu an O´Connell, den amerikanischen Vertreter in Rom: "We are in war, & we must use all our powder." und "I intend, while cautious, to strike hard the hot iron.". Ireland entwickelt einen Plan, die Cahensly-Frage über Senator Cushman Kellogg Davis von Minnesota in den amerikanischen Kongress zu tragen mit den Ziel, dass "The result will be a solemn warning to Rome, and the death-blow to foreignism in the American Church.". Kardinal Gibbons spricht auch mit dem amerikanischen Präsidenten Benjamin Harrison über die Cahensly-Frage. 1892 gelingt es Senator Davis, eine Stellungnahme zur Denkschrift Cahenslys zu lancieren, in der er Cahensly vorwirft, versucht zu haben, "to prostitute religious power to political purposes".

1898 wird Cahensly Reichstagsabgeordneter der Zentrumspartei für den hessen-nassauischen Regierungsbezirk Wiesbaden (bis 1903, Protokolle). Am 9. Juni 1897 tritt das deutsche Reichsgesetz über das Auswanderungswesen in Kraft. Papst Leo XIII. antwortet am 22. Januar 1899 auf die amerikanische Kontroverse mit dem apostolischen Brief Testem benevolentiae nostrae. 1913 wird Peter Paul Cahensly Ehrenbürger von Limburg.

Am 6. April 1917 treten die USA als Gegner Deutschlands in den ersten Weltkrieg ein. Am 3. Juni 1917 veröffentlicht die New York Times einen Artikel über Kardinal Gibbons mit dem Titel: "How Cardinal Gibbons fought Pan Germans". Danach hat Gibbons mit seinem Kampf gegen Cahensly die Spaltung der amerikanischen Nation durch eine nur auf den ersten Blick kirchliche Frage verhindert und damit einen entscheidenden Beitrag für den geschlossenen Eintritt der USA in den Krieg gegen Deutschland geleistet. Nach dem Bericht war es Cahenslys Absicht, in Amerika ein neues "Germania" mit einer festen, dauerhaften Bindung an Deutschland zu gründen und so einen fortwährenden deutschen Einfluss auf die amerikanische Politik zu sichern. Für dieses Ziel, so die New York Times, wäre Deutschland sogar bereit gewesen, Krieg zu führen. Der (protestantische) amerikanische Präsident Harrison gratuliert Kardinal Gibbons, dass er den Papst zur Beendigung des Cahensly-Disputs zugunsten der amerikanischen Sache bewegen konnte. Noch bis zum Ende des 1. Weltkriegs begegnen den Deutschen in Amerika zum Teil massive Vorbehalte.

Am 25. Dezember 1923 stirbt Peter Paul Cahensly in Koblenz. Bild links (12.09.2010): Im Cahenslyschen Haus rechter Hand am Limburger Kornmarkt ist eine Bankfiliale untergebracht.

[Literatur: 1. Gerald P. Fogarty, S.J.: The Vatican and the American Crisis 2. Peter Paul Cahensly bei Wikipedia 3. German American bei Wikipedia.]




Johann Ludwig aus Hadamar und Friedrich aus Heidelberg - Zwei Freunde, zwei Lebenswege

Wilhelm der Reiche (1487-1559) ist ab 1516 Graf von Nassau-Dillenburg, Siegen, Vianden und Diez. Zwei seiner Söhne sind:

Johann VI., Graf von Nassau-Dillenburg, der in dritter Ehe verheiratet ist mit Gräfin Johannetta von Sayn-Wittgenstein.

Einer ihrer Söhne ist Johann Ludwig (*1590).

Wilhelm der Schweiger, Fürst von Nassau-Oranien: Dessen Tochter Luise Juliane ist verheiratet mit Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich IV. aus dem Hause Wittelsbach.

Einer ihrer Söhne ist Friedrich (*1596).

Nach Privatunterricht und anschließendem Studium an der calvinistischen Hohen Schule zu Herborn hält sich Johann Ludwig zur weiteren Ausbildung von 1604 bis 1606 am calvinistischen herzoglichen Hof im französischen Sedan auf. Einer seiner Mitschüler ist dort der sechs Jahre jüngere Friedrich von der Pfalz, der Sohn seiner Cousine Luise Juliane. Johann Ludwig wird 1607 im Alter von 16 Jahren Graf von Nassau-Hadamar. 1609 findet man ihn am Hof des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel (verheiratet mit Johann Ludwigs Nichte Juliane von Nassau-Dillenburg). 1612 begleitet er Friedrich, der inzwischen Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich V. ist, nach Frankfurt zur Krönung von Kaiser Matthias. 1613 nimmt er in London an den Hochzeits-Feierlichkeiten Friedrichs V. und an der folgenden Verleihung des Hosenbandordens teil. 1614 kämpft er mit den Niederländern gegen die spanischen Truppen unter General Spinola. 1617 heiratet er Ursula von Lippe-Detmold. Im böhmisch-pfälzischen Krieg (1618-1623) zu Beginn des dreißigjährigen Krieges unterstützen die nassauischen Grafen den Pfalzgrafen Friedrich V. trotz zugesicherter Neutralität mit zehn Lehensreitern gegen den Habsburgischen Kaiser. Daraus ergibt sich ein Konflikt zwischen Nassau und Kaiser Ferdinand II. Graf Johann Ludwig reist daher 1629 an den kaiserlichen Hof nach Wien. Dort konvertiert er im gleichen Jahr zum katholischen Glauben. Später wird er Unterhändler von Kaiser Ferdinand III. in den Friedensverhandlungen, die den dreißigjährigen Krieg 1648 beenden werden.

Ab 1604 hält sich Friedrich zur Ausbildung am Hof von Sedan auf, wo er Johann Ludwig, den späteren Grafen von Nassau-Hadamar trifft. 1610 wird Friedrich als 14-jähriger der Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich V. Am 24. Februar 1613 heiratet Friedrich in London Elisabeth Stuart, die Tocher des englischen Königs Jakob I. und erhält dort den Hosenbandorden. Die Pfalz ist am Vorabend des dreißigjährigen Krieges die führende protestantische Macht in Deutschland. 1619 nimmt Friedrich V. die böhmische Königskrone an und gerät damit in Opposition zur katholischen Liga. Bereits nach einem einzigen Winter verliert er die Krone 1620 wieder aufgrund seiner Niederlage in der Schlacht am weißen Berg bei Prag. Von nun an wird Friedrich spöttisch der "Winterkönig" genannt. Er geht ins Exil und verliert seine pfälzischen Besitzungen und die Kurwürde. 1623 wird die Kurwürde dem katholischen bayerischen Herzog Maximilian I. verliehen. 1632 stirbt Friedrich in Mainz. Mit dem Westfälischen Frieden entsteht 1648 eine neue, die achte Kur, die wieder an die Pfalz geht.

94 Jahre danach: Karl Philipp Theodor ist ab 1742 als Karl IV. Pfalzgraf und Kurfürst im Mannheimer Schloss (sein Vorgänger Karl III. Philipp hatte seine Residenz 1720 von Heidelberg hierher verlegt). Auf Karl Philipp Theodor folgt Herzog Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken, der spätere erste König von Bayern. Maximilian ist Namensgeber des pfälzischen Ortes Maxdorf.




Die stigmatisierte Laienschwester Maria Magdalena Lorger

Im Jahre 1734 wird in Offheim, wenige Kilometer nördlich von Limburg, Maria Magdalena Lorger geboren. Schon als Mädchen tritt sie in das Hadamarer Dominikanerinnen-Kloster ein. Die junge Frau ist tiefreligiös; ihr Denken kreist unablässig um die Leiden Jesu am Tag seiner Kreuzigung, jener Tag also, der seit jeher in den christlichen Gemeinden als Karfreitag begangen wird. Bald stellen sich am Freitag jeder Woche starke körperliche Schmerzen bei ihr ein. Die Schmerzen sind am Karfreitag am stärksten. Eines Tages treten bei ihr dazu die fünf Hauptwunden des gekreuzigten Christus auf: Offene Wundmale an Händen und Füßen und eine Öffnung an der Körperseite. Als das bekannt wird, schickt der Trierer Kurfürst und Erzbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen 1787 eine Untersuchungskommission nach Hadamar. Das rund 400-seitige Protokoll verschwindet jedoch für lange Zeit im "Churtrierischen Geheimen Cabinet". An einem Gründonnerstag reisen dann zwei Mainzer Geistliche nach Hadamar. Am folgenden Karfreitag werden sie im Nonnenkloster vorstellig, um Maria Magdalena zu besuchen. Aus der Kopfhaut tritt bei ihr an diesem Tag Blut an jenen Stellen aus, wo nach der Bibel die Dornenkrone Christi vor der Kreuzigung auflag. Ihr Rücken ist wie von Geiseln blutig geschlagen. Doch schon beim Besuch am nächsten Tage sind alle Wunden restlos verheilt. Die beiden Besucher erstatten nach ihrer Rückkehr nach Mainz dem Bischof Bericht. Da Hadamar zur Diözese Trier gehört, ergeht daraufhin eine Nachricht von Mainz an den Bischof in Trier. Jetzt entsendet auch dieser eine Untersuchungskommission nach Hadamar. Die dreiköpfige Reisegesellschaft besteht aus einem Geistlichen, einem Arzt und einem Sekretär. Es folgt eine grausame Untersuchung der Schwester durch die Trierer. Der Arzt wendet Pferdekuren und Elixiere an und kniet sich auf die verängstigte Bettlägerige. Als das bekannt wird, beschweren sich die Hadamarer beim Amtmann von Schenck, der die Delegation auf der Stelle ausweist. Am 8. Februar 1806 stirbt Maria Magdalena Lorger im Alter von 71 Jahren im Hadamarer Kloster. Sie wird in der Kloster-Kapelle, der Krankenhauskapelle von St. Anna, beigesetzt. Das Grab wird in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.

Bild links: Die 1904 errichtete Rochuskapelle in Offheim.

[Literatur: Jakob Wagner: Die Regentenfamilie von Nassau-Hadamar: Geschichte des Fürstenthums Hadamar. 2. Bd. 2. Aufl., Wien, 1863 *** Denkwürdiger und nützlicher rheinischer Antiquarius, Mittelrhein, der II. Abt. 3. Bd., Coblenz, 1853 *** Carl Heiler: Die stigmatisierte Laienschwester Magdalena Lorger aus Offheim (1734–1806) im Urteil ihrer Zeitgenossen, Archiv für Psychiatrie, Bd. 104, Nr. 1, Wiesbaden, Dez. 1936.]




Die Birkenmühle nördlich von Waldbrunn-Hausen

Östlich von Rennerod am Naturschutzgebiet Wacholderheide entspring der Lasterbach, ein 19 Kilometer langer, linker Zufluss des Elbbachs, dessen Mündung bei Elbtal-Heuchelheim liegt. Zwischen Neunkirchen und Hausen kreuzt er heute die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen und erreicht kurz danach die Birkenmühle. Sie wird um 1690 an einem Birkenwäldchen erbaut. Um 1750 heiratet hier Johann Peter Weidmann von der Seemühle bei Mengerskirchen ein. Über viele Generationen bleibt die Mühle im Besitz der Weidmanns. Der 1900 geborene (neunte) Johann Weidmann heiratet am 16. November 1926 Katharina Jost, die Tochter des damaligen Ellarer Bürgermeister Johannes Jost. Johann Weidmann beliefert nach dem zweiten Weltkrieg insgesamt sechs Dörfer der Umgebung, darunter Steinbach. 1950 stirbt er und die Birkenmühle geht an seinen Sohn über. 1957 wird der Mühlenbetrieb, 1987 die angeschlossene Landwirtschaft aufgegeben. Ein Urenkel Johann Weidmanns führt heute auf der Birkenmühle eine Fremdenpension.

[Literatur: Walter Rudersdorf: Chronik Hausen, Geschichte eines Westerwalddorfes, 1. Auflage, Kissel-Verlag, Beselich, 1998.]

 




Die Hadamarer Schlossanlage einst und jetzt

Das Bild zeigt links die Schlossanlage auf der Karte von J. H. Weber aus dem Jahre 1713 und rechts daneben, wie sie sich heute darstellt. Unmittelbar entlang der Westmauern der alten Anlage ist der Mühlbach zu erkennen. Er wurde damals bereits am Wehr gegenüber der Liebfrauenkirche abgezweigt. Am nördlichen Gebäude "A" ist er mit einen durchbrochenen Mauer überbaut. Am südlichen Gebäude "A" fließt er durch einen Tunnel in Richtung Südosten. An der entfernten Ecke dieses Gebäudes tritt er wieder an die Oberfläche und kehrt im Bereich der heutigen Elbbach-Brücke nach Niederhadamar schließlich zum Hauptfluß zurück. Der Mühlbach ist heute größtenteils zugeschüttet. Die Überbauung am nördlichen Gebäude "A" besteht jedoch noch.

Es bedeuten im linken Teil der Abbildung:

A = "Das alte Schloß"
B = "Das neue Schloß"
N = "Die Reithbahne"
Q = "Die Schloßmühl"
U = "Die Brücke über die Elbe"
V = "Der fürstl. Lustgarten"
II = "Trepe zun Franziskaner"
Es bedeuten im rechten Teil der Abbildung:

1 = Amtsgericht
2 = Schloss
3 = Stadtmuseum
4 = Haus Nattermann

Brauner Punkt
Mühlsteine von der Kalkmühle
am Melanderplatz
(Bild unten links)
Lila Punkt
Überbauter Mühlgraben
(Bild unten Mitte)
Roter Punkt
Ehemaliger Ort
der Schlossmühle
(Bild unten rechts)





Georg Pasor aus Ellar (1570-1637) - Ein reformierter Theologe des 17. Jahrhunderts

Georg Pasor wird am 1. August 1570 in Ellar geboren. Seine Eltern sind der Amtmann (Schultheiß) Johannes Pasor und dessen Frau Klara von Steinbach. 1584 wird Pasor Schüler des Herborner Pädagogeums, 1591 Student der 1584 gegründeten Herborner Hohen Schule und Schüler von Johannes Piscator. Nach Aufenthalten in Genf und Lausanne schließt er sein Studium 1594 in Herborn ab. Pädagogeum und Hohe Schule wechseln in den folgenden Jahren ihren Standort mehrfach zwischen Herborn und Siegen. 1597 wird Pasor Lehrer am Pädagogeum und unterrichtet daneben in Dillenburg die Söhne Graf Johanns VI. von Nassau-Dillenburg, darunter Johann Ludwig, den späteren Grafen von Nassau-Hadamar. 1607 wird er Professor für Theologie an der Hohen Schule. Es ist das Jahr, in dem die Grafschaft Nassau-Dillenburg auf die 5 Söhne Johanns VI. aufgeteilt wird. Pasors erste Frau und vier der gemeinsamen Kinder sterben 1614 an der Pest. Bis 1620 ist Georg Pasor Leiter des Pädagogeums. Seine wissenschaftliche Arbeiten befassen sich unter anderem mit der Sprache des Neuen Testaments. Sein Lexicon Graeco-Latinum zum Neuen Testament erscheint 1619 erstmals in Herborn. Als die katholische Liga 1626 im achten Jahr des 30-jährigen Krieges Herborn besetzt, wird Pasor mehrfach mißhandelt. Außerdem verliert er einen großen Teil seines Besitzes. Daraufhin nimmt er eine Professur für griechische Sprache an der friesischen, calvinistischen Universität Franeker im Nordwesten der heutigen Niederlande an. Am 10. Dezember 1637 stirbt Pasor in Franeker. Sein Sohn Matthias Pasor (1599-1658), Professor für Theologie in Groningen, veröffentlicht aus dem Nachlass eine Grammatik des Neuen Testaments ("Grammatica Graeca Sacra").

Bild unten links: Restaurierte Ellarer Schmiede an der Burgpforte. Sie besteht schon zu Zeiten Georg Pasors und ist bis kurz nach 1800 in Betrieb. Rechts daneben: Deckblatt des "Lexicon Graeco-Latinum". Rechts daneben: Deckblatt der "Grammatica Graeca Sacra". Rechts daneben (mit besonderem Dank an Franz-Josef Arthen): Matthias Pasor, Professor in Groningen.

(Literatur: Biografie und Übersicht über das wissenschaftliche Werk von Georg Pasor in "Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon" aus dem Verlag Traugott Bautz)




Die Lubentiusbasilika in Dietkirchen

>> Wie ein Präludium zum Limburger Dom mutet uns in nächster Nähe S. Lubentius in Dietkirchen aus dem 12. Jahrhundert an, ganz ähnlich auf einem steilen Felsen über der Lahn thronend, in freier Landschaft weithin sichtbar ohne jeden störenden Nebeneindruck im Gesamtbild. Der Patron der Kirche Lubentius ist der sagenumwobene Apostel der Lahngegend, von größter Ehrwürdigkeit und heimatlicher Bedeutung. Er war der Schüler keines Geringeren als des hl. Martin von Tours, rodete auf jenem Felsen, der Malstatt des Niederlahngaues, einen Hain aus und errichtete dort ein hölzernes Kirchlein als Stützpunkt seiner Mission.

Die malerische Erscheinung der Kirche wird durch die Ungleichheit der Westtürme erhöht, die, beide mit Rhombendächern geschmückt, einen Verbindungsgang zwischen den inneren Giebelfelder haben. Die eigentlich nur scheinbar kreuzförme Basilika endet in drei östlichen Apsiden von einfachen romanischen Formen. Die grätigen Kreuzgewölbe der Seitenschiffe und die Flachdecke des Mittelschiffs erinnern an die ursprüngliche Gestaltung des Arnsteiner Kirchenraums, die Emporen über den Seitenschiffen klingen leise und von ferne an Limburg an. Der Taufstein aus dem 13. Jahrhundert ist ein einfaches Prachtstück mit sechs Säulchen, die in Knospenkapitellen endigen. Derselben Zeit gehört das Bronzeschild der Sakristeitür an mit seinem furchtbar die Zähne fletschenden und die Augen rollenden Löwenkopf zwischen den Symbolen der vier Evangelisten. Von Kunstinteresse ist auch das Frührenaissancegrabmal eines Ritters aus dem in der Nähe ansässigen Geschlechte der Dehrn, ganz besonders aber das silbervergoldete edelsteingeschmückte Kopfreliquiar des Kirchenpatrons von 1477, auf der Brust seine fein ziselierte Statuette im Meßgewand mit Kelch und Evangelienbuch. Sein römischer Steinsarkophag fand sich in der Krypta mit der Inschrift: HIC QUIESCIT CORPUS ST. LUBENTII CONFESSORIS. <<

[Text von Rudolf Michel: Nassauische Kunstdenkmäler seit dem Mittelallter, zitiert aus Leo Sternberg: Land Nassau, Verlag Friedrich Brandstetter, Leipzig, 1927.]




Das Steinkistengrab bei Oberzeuzheim

Beim Bearbeiten seines Ackers stößt ein Landwirt aus Oberzeuzheim 1985 auf einen großen Stein im Untergrund. Das Grundstück liegt in der Flur "Beim grauen Stein" am Südrand der Gemarkung nahe dem Hallschlag (Bild unten links). Hier fällt das Gelände leicht nach SSO zum Holzbach ab. Wenige Meter entfernt grenzen die Gemarkungen Oberweyer und Niederweyer aneinander.

Beim Versuch, den Stein zu bergen, kommen Knochenteile von Menschen an die Oberfläche. Es wird ein Steinkistengrab wie in den nahe gelegenen Orten Niederzeuzheim und Niedertiefenbach vermutet. Die Denkmalschützer werden informiert. Im folgenden Jahr finden Grabungen unter der fachlichen Leitung von Fritz-Rudolf Herrmann vom Wiesbadener Landesamt für Denkmalpflege statt. Grabbeigaben sowie nennenswerte Mengen an Knochen werden jedoch nicht entdeckt. Dagegen kommen etliche große Steinblöcke ans Tageslicht, die einem jahrtausendealten Steinkistengrab der Wartberg-Kultur zugeordnet werden können. Die Steinblöcke waren vermutlich schon früh ein Hindernis für die Kultivierung des Ackers gewesen. Generationen zuvor hatte man sich ihrer bereits zu entledigen versucht. Dazu hatte man offenbar neben den Blöcken tiefe Gruben ausgehoben und sie dann dort hinein gehebelt. Möglicherweise waren sie zuvor auch schon durch die Erosion ihres Standortes in der Hanglage am Holzbach teilweise umgestürzt.

Folglich lassen sich Aufbau und Ausrichtung des Grabes heute nicht mehr sicher rekonstruieren. Es kann nur vermutet werden, dass die Oberzeuzheimer Steinkiste - genau wie jene in Niedertiefenbach und Niederzeuzheim - in Nord-Süd-Richtung orientiert war und dass ihr Seelenloch auf den Lebensraum seiner Verwender zeigte, der sich in Sichtweite befand.

Nach Abschluss der Grabungen im Jahre 1986 werden die Steinblöcke geborgen. Großenteils werden sie nach Hachenburg gebracht, wo sie am östlichen Ende des Schlossgartens zu einer Rekonstruktion der ursprünglichen Steinkiste zusammengestellt werden. Einzelne Stücke bleiben in Oberzeuzheim (Bild unten rechts, aufgenommen auf dem Vorplatz der Mehrzweckhalle von Oberzeuzheim).

(Literatur: Hermann Josef Bausch, Oberzeuzheim im Spiegel der Geschichte, Hadamar, 1987)






Das Hadamarer Jesuiten-Collegium 1652 - 1773 und die Anfänge des heutigen Hadamarer Gymnasiums ab 1792

Vom 3. Oktober 1652 datiert die Stiftungsurkunde für die Hadamarer Jesuitenresidenz. Es entsteht auch eine Jesuitenschule (Collegium), welche zunächst mit zwei Klassen beginnt. Weitere Klassen folgen später: 1655 die (3.) grammatische Klasse, 1659 die (4.) Klasse Poetik (Humanität), 1664 die (5.) Klasse Rhetorik. Diese fünf Klassen werden kurze Zeit später in drei Klassen mit insgesamt fünf Abteilungen umgebildet.

Mit Geld aus dem Nachlass des Franz Josef von Hungrighausen entstehen ein Kloster, die Jesuitenkirche (Bild links, seit 1818 Hadamarer Pfarrkirche) und der Neubau für das Gymnasium. 1765 wird das Gymnasiumsgebäude seiner Bestimmung übergeben.

Rund acht Jahre später, am 21. August 1773, verfügt Papst Clemens XIV. mit der Breve "Dominus ac redemptor noster" die Aufhebung des Jesuitenordens. Das Hadamarer Jesuitengymnasium wird geschlossen.

Sofort setzt sich der Hadamarer Magistrat bei der Dillenburger Regierung dafür ein, die Schule neu zu beleben. Doch die Finanzierung ist zunächst nicht gesichert. Es gibt nämlich Streit mit dem Haus Wied-Runkel über die Abgaben aus dem ehemals jesuitischen Besitz in Beselich, welche Hadamar für sich beansprucht. Dieser Streit wird bis zum Reichskammergericht in Wetzlar geführt. Hadamar gewinnt.

Am 6. Dezember 1792 erlässt Prinz Wilhelm V. von Oranien ein Dekret, welches den Weg frei macht für die Neueröffnung der Schule. Darin ist geregelt: Der aus Ellar stammende Hadamarer Pastor Bausch wird erster Lehrer und Schul-Direktor. Es werden ihm drei weitere Professoren beigeordnet: Pfarrer Johann Christian Gecks aus Koblenz/Herschbach als zweiter Lehrer und Subregens; Pfarrer Schoot (Schoth) aus Steinbach als dritter Lehrer. K. F. Pistor aus Ellar wird vierter Lehrer, wehrt sich jedoch bis zuletzt erfolgreich dagegen, dem Dekret entsprechend in den geistlichen Stand einzutreten. Schulrentmeister wird der Hadamarer Rentmeister Stahl.

1799 wechselt Gecks auf die Pfarrstelle in Oberweyer. Sein Nachfolger wird Johann Wilhelm Abel von der Gadelheimer Mühle bei Ellar.

Ebenfalls 1799 geht Pfarrer Schoth nach Rotzenhahn. Ihm folgt Georg Horn, der zunächst noch für seine Studien bis Ostern 1801 beurlaubt ist. Sein Vertreter ist zeitweise Johann Wilhelm Bausch aus Steinbach, zu jener Zeit zweiter Pastor von Hadamar und später Limburgs zweiter Bischof. Horn verlässt Hadamar einige Jahre später zusammen mit einer Frau und konvertiert in Gießen zur evangelischen Religion.

1817 wird die ehemals "Lateinische Schule" in Hadamar Pädagogikum; ein Dekret Herzog Aldophs I. erhebt die Anstalt 1844 zum Gymnasium.

1823 mietet der Nassauische Zentralstudienfonds für das Gymnasium erstmals Räume im Hadamarer Schloss an. 1846 erwirbt der Fonds den Westflügel des Schlosses sowie - für einen Spiel- und Turnplatz - den zugehörigen Teil des Amtsgartens. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal eine Klasse "Prima" im Gymnasium.

Unten: "Der neue Eingang in das Gymnasium und ein Theil des Turnplatzes" von Leonhard Diefenbach. Der Betrachter steht ungefähr an der Treppe der Pfarrkirche (Bild links).




Die Wüstung Oberndorf

Rund 2 Kilometer nördlich von Steinbach, auf halber Strecke nach Ellar, lag bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts der Ort Oberndorf. Vermutlich ging Oberndorf aus einer fränkischen Siedlung hervor, die im 6. Jahrhundert gegründet worden war. Urkundlich wird es erstmals 1292 und letztmalig 1447 erwähnt. Einer mündlichen Überlieferung zufolge sind die letzten Bewohner Oberndorfs vor 1500 an der Pest gestorben. Nur eine alte Frau soll die Epidemie überlebt haben und daraufhin nach Ellar übergesiedelt sein. Oberndorf wird zur Wüstung.

Die Gemarkungsgrenze zwischen Oberndorf und Ellar - in der Karte von 1713 links als blaue Linie angedeutet - verlief wohl vom "Bühl" (1, alter Name "Auf beutel") zum Remelsberg (2, alter Name: "Römersberg"). Der blaue Kreis markiert die wahrscheinliche engere Umgebung des ehemaligen Dorfes. Jedoch ist auf der Karte vom einstigen Oberndorf schon nichts mehr zu sehen. Nur die Flurnamen "Oberndörffer Feld" und darunter "Oberndörffer Wiese" sind zu erkennen. In der heutigen Gemarkung Ellar liegt die Flur "Auf Oberndorf" links der Landstraße L 3022 von Steinbach nach Ellar, gegenüber des Aussiedlerhofes "Waldhof".

Die grüne Linie in der Karte gibt in etwa den Verlauf der heutigen Landstraße Steinbach - Ellar wieder, welche um 1780 auf einem alten Fußweg zwischen den beiden Dörfern angelegt wird. Der rote Punkt (3) markiert den Ort des früheren Ellarer Gerichts und Galgens ("beym galge").


(Literatur: Walter Rudersdorf, Im Schatten der Burg Ellar, Frankfurt am Main, 1967)




Die Burg Merenberg

Die Anfänge der Burg Merenberg liegen vermutlich in der Zeit zwischen 1100 und 1140. Der Ort Merenberg am Fuße des Basaltkegels, auf dem die Burg steht, erhält erstmal 1290 Stadtrechte. Das Dynastengeschlecht derer von Merenberg, das mit Hartrad I. 1129 seinen Anfang nimmt, stirbt 1328 mit Hartrad IV. im Mannesstamm aus. Die Burg fällt danach als Erbe an den Schwiegersohn von Hartrad IV., den Grafen von Nassau-Weilburg. 1330 wird erstmals ein Amtmann auf der Burg erwähnt. Das Bauwerk wird 1634 - während des dreißigjährigen Krieges - zerstört und nicht wieder aufgebaut.

1868 heiratet Nikolaus Wilhelm von Nassau-Weilburg - Sohn von Herzog Wilhelm I. von Nassau - Natalja Alexandrovna Puschkina, Tochter des russischen Dichters Puschkin. Natalja darf den Adelstitel ihres Mannes nicht tragen. Sie erhält daher am 29. Juni 1868 von Nikolaus’ Schwager, Georg Viktor, Fürst von Waldeck-Pyrmont, für sich und ihre Kinder den Grafentitel von Merenberg.




Nach Limburg mit der Kerkerbachbahn

Es ist Januar im Nachkriegsjahr 1946. In den Schulen der Dörfer im Westerwald kommt der Unterricht allmählich wieder in Gang. So auch in Ellar, wo die Jugend ein Theaterstück einstudiert hat. Der Tag der Premiere rückt näher. Die Freundinnen Elisabeth und Maria machen sich einige Tage zuvor um 4 Uhr in der Frühe auf den Weg nach Limburg. Die 15-jährige Elisabeth möchte bei ihrem ersten großen Bühnenauftritt eine Frisur aus einem Limburger Salon tragen. Für den Friseur in der Stadt benötigen die beiden außer den abgezählten Groschen auch je zwei Kohle-Briketts, denn Brennmaterial ist überall knapp und der Salon in Limburg will beheizt sein. Den größten Teil der Strecke werden die beiden mit der Kerkerbachbahn zurücklegen, die am Bahnhof im benachbarten Hintermeilingen Halt macht. Der erste Abschnitt der Reise der Mädchen aus Ellar ist ein einstündiger Fußweg dorthin. Burg und Kirche von Ellar liegen noch im Dunkel, erst gegen 8 soll die Sonne aufgehen. Unter Ihren Füssen knirscht die dünne Schicht Neuschnee, der in der Nacht gefallen ist. Es geht vorbei am Oberholz und dem Bühl, wo Jahrhunderte lang, so wußten die Alten im Dorf noch zu berichten, die Hohe Straße von Limburg über Steinbach nach Haiger den Weg nach Hintermeilingen kreuzte. Dann vorbei am Honig-Wald. Oft hatte der strenge Hauptlehrer Bürkle den Kindern die alte Sage vom Sägemann im Honig erzählt. Unsere beiden Reisenden verspüren wieder den leichten Schaudern, der ihnen jedes Mal beim Zuhören über den Rücken gelaufen ist. Doch es ist keine Zeit zu verlieren; der Zug in Hintermeilingen wird nicht warten. Dort angekommen klettern sie in den Personenwagen. Pünktlich verlässt der Zug kurz nach 5 Uhr den Bahnhof nach Süden. Der erste Halt ist nahe den Hintermeilinger Tongruben; das sind inzwischen riesigen Mulden, die schon vor Jahren die alte Heerstraße im Wald zwischen dem Dorf Steinbach und der Schlagmühle durchtrennt haben. Güterwagen mit frischem, creme-farbenen Ton werden dem Zug angehängt. Dann setzt er sich langsam wieder in Bewegung. In Heckholzhausen kommen Wagen mit rötlich-braunem Eisen-Mangan-Erz aus dem Gruben am Heckweg nordwestlich von Obertiefenbach dazu. Außerdem grauer Basalt und Manganerz aus dem Merenberger Abbau. In Schupbach werden Wagen mit Marmor-, Kalk- und Schamotte zugefügt. Weiter geht es nach Christianshütte, wo schon ein Wagon mit Eisenerz wartet. In Eschenau nochmals Basalt vom Steinbruch am Beselicher Kopf. Nach zwei weiteren Stationen erreicht der Zug endlich Kerkerbach, einen kleinen Ort an der Lahn zwischen Steeden und Schadeck. 17 km Bahnfahrt liegen hinter unserer Reisegesellschaft. Eine ganze Stunde lang konnten die beiden Mädchen vom Fenster des Personenwagens aus das Ankuppeln der Güterwagons mit ihren verschiedenfarbenen Ladungen beobachten und den winterlich vermummten Fahrgästen beim Ein- und Aussteigen zusehen. Von Kerkerbach bis Limburg sind es jetzt immer noch über 5 Kilometer. Die Kerkerbachbahn fährt jedoch schon seit dem Winter 1929/1930 nicht mehr die anschließenden 4 Kilometer entlang der Lahn bis Dehrn, so dass Elisabeth und Maria jetzt in die von Wetzlar kommende Preußische Staatsbahn umsteigen, um nicht die restliche Strecke zu Fuß zurücklegen zu müssen. Das Gleis der Staatsbahn erreichen Sie über die große Fußgängerbrücke des Bahnhofs Kerkerbach. Der Anschlusszug überquert nahe Kerkerbach die Lahn auf einer Eisenbahnbrücke und vermeidet so die viel längere Fahrt entlang der großen Lahnschleife über Dehrn und Dietkirchen. So erreichen die Fahrgäste schon 15 Minuten später den Limburger Bahnhof. Von hier sind es nur wenige Minuten Fußweg zum Neumarkt und der Altstadt, wo die Limburger Geschäftswelt seit dem Ende des Krieges zu einer bescheidenen Normalität zurückgekehrt ist. Am Abend werden die beiden jungen Damen aus Ellar auf der gleichen Strecke zurückreisen und bei Einbruch der Dunkelheit Ellar wieder erreichen.

[Bild ganz links: Blick von Norden auf das ehemalige Abbaugebiet für Mangan-Eisen am Obertiefenbacher Heckweg, nahe der Gemarkungsgrenze zu Steinbach. Daneben: Elisabeth auf der Theaterbühne. Bild rechts: Lokomotive der Kerkerbachbahn in der Bahnhofstraße von Beselich-Heckholzhausen.]




Der Ellarer Bürgermeister Johannes Jost VI., genannt "Stagersch Hannes"

Johannes Jost wird am 15. Juli 1867 als erstes Kind des Sendschöffen Johannes Jost (V.) und der Anna Maria geb. Steinhauer in Ellar geboren. "Stagersch" ist der Hausname der mütterlichen Familie Steinhauer, die durch Einheirat drei Generationen zuvor aus dem Nachbarort (Waldbrunn-)Lahr nach Ellar gekommen ist. Es ist die Nachkriegszeit des kurzen deutschen Krieges von 1866. Der preußische Sieg zieht nach sich, dass das Herzogtum Nassau und mit ihm der Ort Ellar in der hessischen Provinz Hessen-Nassau aufgeht. Die Bauersfamilie Jost kümmert das wenig, denn die Wechselfälle von Jahreszeiten und Wetter bestimmen das tägliche Leben mehr als die politischen Ränke in der fernen Bezirkshauptstadt Wiesbaden. Als 1884 ihr gesamter Bauernhof einem Feuer zum Opfer fällt, kommt eine schwere Zeit für die Eltern Jost, deren fünftes Kind Maria gerade 4 Jahre alt geworden ist. Doch wird es nur zwei Jahren dauern, bis Wohnhaus und Scheune auf dem Platz der alten Gebäude in der Untergasse aus dem neuartigen Baumaterial Backstein wiedererrichtet sind. 1887 geht der inzwischen 20 Jahre alte Sohn Hannes für zwei Jahre zum "Barras". Seine Einheit ist das in Marburg stationierte königlich-preußische Jägerbataillon Nr. 11 (Bild links).
Am 14. Januar 1894 heiraten Hannes und Anna Maria Stähler; sie stammt wie er aus Ellar. Es ist eine Tauschheirat: Am gleichen Tag heiraten auch ihre Geschwister Josef Stähler und Klara Jost. Acht Kinder werden dem Hannes und der Anna Maria geboren. 1918 fordert der 1. Weltkrieg das Leben des Erstgeborenen, des 7. Johann(es) Jost, der das Hadamarer Gymnasium besucht hatte und Förster werden wollte. 1923 wählen die Ellarer den 56-jährigen Hannes in das Amt des Bürgermeisters. Auf den deutschen Landen lastet inzwischen schwer die große Wirtschaftskrise. Ellars größter industrieller Arbeitgeber, der Steinbruch Lay, schließt 1930 und hinterlässt weitere Männer ohne Arbeit. Bürgermeister Jost lässt dennoch bis 1930 für 151.000 Reichsmark die Wasserleitung für den Ort bauen. Am 1. Weihnachtsfeiertag des Jahres 1929 fließt erstmals Wasser aus der Quelle im Lindenborn unterhalb des Heidenhäuschens zum Ellarer Unterdorf. Seine Amtsführung als Bürgermeister endet jäh, als 1933 in Deutschland die politische Großwetterlage umschlägt. Die Jagd ist zeitlebens seine große Leidenschaft; zeitweise ist er Jagdpächter für ein Gebiet nahe dem Nachbarort Hausen. Hannes stirbt im November 1952, sechs Jahre nach seiner Frau Anna Maria. [Bild links: Hannes und Maria Anna Jost mit ihren Kindern um 1920; es fehlt Sohn Johann. Maria, hinten ganz rechts, geb. 1904, heiratet Anfang der 1920er Jahre Johann Jeuck ("Bernels") aus Ellar. Elisabeth, die jüngste Tochter aus dieser Verbindung, und Robert Wolf aus Steinbach heiraten am 7. Februar 1954. Bild rechts: Der Brunnen Lindenborn am nordöstlichen Fuße des Heidenhäuschens. Von hier führt seit 1929 eine Wasserleitung nach Ellar.]




Das Schultheater der Hadamarer Jesuiten-Niederlassung

In den Jahren 1651 bis 1772 entstehen unter Anleitung der Hadamarer Jesuiten Theaterstücke, die zum Ende eines gymnasialen Schuljahres oder zu besonderen Anlässen aufgeführt werden. Verfasser der Stücke sind zumeist die Rhetorik-Lehrer des Gymnasiums, die auch die Vorführungen einstudieren. Darsteller sind die Schüler, auch Angehörige des Fürstenhauses. In der Lebensgeschichte Jesu spielt so zum Beispiel am Karfreitag 1664 der Erbprinz von Nassau-Hadamar, Philipp Karl (*1656, Sohn aus der Ehe von Fürst Moritz Heinrich mit Ernestine Charlotte von Nassau-Siegen) den Jesusknaben. Die Stücke behandeln biblische und geschichtliche Themen und beinhalten stets eine jesuitische Lehr-Botschaft für das gesamte Hadamarer Land. Großenteils sind sie in lateinischer Sprache verfasst, doch gibt es auch deutschsprachige Aufführungen, gelegentlich mit mundartlichen Stellen. Neben den Aufführungen steht die Verleihung der Schulpreise auf dem Programm der gymnasialen Jahresabschlussfeiern. Als Preise werden kleine goldene Büchern vergeben, deren Mäzene bis 1711 zumeist die Hadamarer Fürsten sind und danach Adelige oder Kirchenleute aus der näheren oder weiteren Umgebung. Die Ankündigung solcher Aufführungen erfolgt mit sogenannten Periochen, Theaterzetteln, die unter anderem den Stifter des Preises und die Mitglieder der Spielschar aufzählen. So führt die Perioche vom Herbst 1772 über die Aufführung des Dramas "Jakob" Wilhelm V. von Oranien als Mäzen an und als einen der Schauspieler unter "Auftretende Personen. Aus der vierten Schule." einen "Wilhelm Bausch, von Ellar. Vitell, ein Götzenpfaff. Lustspieler". [Es handelt sich hier höchstwahrscheinlich um den 1757 geborenen späteren Konsistorialrat und Hadamarer Pfarrer Johann Wilhelm Bausch, der 1792 der erste Direktor des wiedererrichteten Hadamarer Gymnasiums werden wird.] Kulturpolitisch dient den Hadamarer Jesuiten das Schultheater dazu, das Gymnasium in Hadamar gegenüber der großen reformierten Schule in Herborn herauszukehren. Die Tradition des jesuitischen Schultheaters in Hadamar endet mit der (vorübergehenden) Auflösung des Ordens 1773. Bild links: "Der Eingang in die Pfarrkirche" von Leonhard Diefenbach - die Jesuitenkirche war nach Liebfrauenkirche und Franziskanerkirche 1818 zur Hadamarer Pfarrkirche geworden; am rechten Bildrand das Gebäude der Jesuitenresidenz. Bild rechts: Blick auf den Südwest-Flügel des Hadamarer Schlosses von Süden. Im Schlossgebäude befand sich bis 1971 das Hadamarer Gymnasium. In der linken Bildhälfte ein Teil des fürstlichen Marstallgebäudes, welches heute das Stadtmuseum beherbergt.

(Literatur: Walter Michel, Das Schultheater der Jesuitenniederlassung zu Hadamar, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, 36. Jahrgang, 1984, pp. 77-101)




Kalenderblatt für den Monat Dezember aus dem Buch "Jugendkalender - Die 12 Monate des Jahres" von Leonhard Diefenbach, erschienen 1883 im Thienemanns-Verlag in Stuttgart.




Leonhard Diefenbach, Zeichenlehrer in Hadamar

Leonhard Diefenbach wird 1814 in Hadamar geboren. Nach einer Schreinerlehre wird er Zeichner in der lithografischen Anstalt Scholz in Wiesbaden. Um seine bedürftige Mutter zu unterstützen bricht er seine künstlerischen Studien in München und Frankfurt ab. Am 8. April 1845 wird er Zeichenlehrer am Hadamarer Gymnasium. Daneben erwirbt er für die Familie ein Zubrot mit Architekturmalereien und dem Zeichnen von Kinderbüchern. 1868 erleidet er einen Schlaganfall und wird 1870 pensioniert. 1875 stirbt er. Aus der Ehe mit Therese Wolfermann sind sechs Kinder da. Das dritte Kind ist der am 21. Februar 1851 geborene Karl Wilhelm, der als Maler weit über Hadamar hinaus bekannt wird. Bekannte Bücher von Leonhard Diefenbachs sind: Goldenes Weihnachtsbüchlein für brave gute Kinder; Scherz und Ernst für die liebe Jugend; Goldene Sprüche für die Jugend; Schiefertafelbilder; Das ganze Einmaleins; Die 12 Monate des Jahres. An den späteren Büchern Kinderzeiten und Nach der Schule ist auch Karl Wilhelm beteiligt. Einige dieser Bücher sind hier als Digitalisate abrufbar.

Das Bild zeigt Hadamarer Motive, gemalt von Leonhard Diefenbach. Die Titel lauten, oben: Der Herzenberg - Die Brücke u. der Mönchberg - Der Hammer, darunter: Die Brücke u. das Schloß / Das Rathaus - HADAMAR - Der Eingang in die Pfarrkirche / Der mittlere Schloßhof, unten: Die alte Pfarrkirche - Der obere Marktplatz - Der neue Eingang in das Gymnasium u. ein Theil des Turnplatzes. Das Bild ist eines der Exponate des Hadamarer Stadtmuseums am Schloßplatz.




Der 30-jährige Krieg und die Zerstörung Steinbachs

Im Januar 1629 tritt Schweden in den Krieg gegen die katholische Liga unter Kaiser Ferdinand II. ein. Als Dänemark am 22. Mai 1629 mit dem Friedensschluss von Lübeck aus dem 30-jährigen Krieg ausscheidet, beschließt der protestantische König Gustav Adolf von Schweden, sein Einflussgebiet in Nordosteuropa zu vergrößern. Am 6. Juli 1630 landet er mit rund 13.000 Soldaten auf der Ostseeinsel Usedom bei Peenemünde und rückt von dort in den folgenden Monaten nach Süden vor. Der dreißigjährige Krieg wird für die Zeit von 1630 bis 1635 zum "schwedischen Krieg". Angesichts der schwedischen Invasion ernennt der katholische Kaiser Ferdinand II. Albrecht von Wallenstein im Dezember 1631 zum zweiten Mal zum Oberbefehlshaber seiner Truppen.

Das Jahr 1631
Der protestantische Bernhard von Sachsen-Weimar unterstützt den schwedischen König Gustav Adolf. Die Truppen Berhards plündern 1631 Limburg.

Das Jahr 1632
Bauern erschlagen am 15./16. Januar in Molsberg mehrere schwedische Offiziere. Gustav Adolf schickt daraufhin eine Strafexpedition in das Gebiet nördlich der Lahn. Die Entschuldigung des Nassau-Hadamarer Grafen Johann bei Gustav Adolf fordert dieser hohe Abgaben aus der gesamten Region als Wiedergutmachung. Gustav Adolf zieht weiter in den Süden des heutigen Deutschlands und besetzt am 17. Mai 1632 München. Am 16. Oktober falllen schwedische Reiterregimenter und Fußsoldaten unter General Baudissin von Herborn im Hadamarer Land ein. Sie plündern Frickhofen. Die Bewohner von Oberweyer flüchten nach Hadamar oder in den Wald; Oberweyer wird ausgeplündert, das Vieh geschlachtet und Häuser zerstört. In der Schlacht bei Lützen südwestlich von Leipzig wird Gustav Adolf am 16. November 1632 erschossen.

Das Jahr 1634
Gustaf Adolfs großer Gegenspieler Albrecht von Wallenstein wird am 25. Februar 1634 in Eger ermordet. Die mit dem katholischen Kaiser Ferdinand II. verbündeten Spanier setzen Anfang 1634 bei Andernach über den Rhein und ziehen nach Südosten gegen die Lahn, die von den Schweden als Verteidigungslinie gehalten wird. Die Schweden haben Generalmajor Beckermann mit 8000 Mann als Verstärkung aus der Wetterau herbeigerufen. Anders als in Limburg ist die Lahnfurt bei Diez nicht durch eine schwedische Garnison geschützt. Die Schweden bereiten deshalb ab dem 4. März 1634 die Sprengung der Diezer Lahnbrücke vor. Weil die Pulvermenge jedoch zu klein gewählt wird, mißlingt die Zerstörung der Brücke; sie bleibt schwer beschädigt auf schiefen Pfeilern stehen. Die über Andernach in den Westerwald eingedrungenen Spanier erhalten keine Verstärkung und ziehen sich wieder über den Rhein zurück. Um die umliegenden Lahnübergänge zu schützen richtet Beckermann in Freiendiez sein Quartier ein. Die angrenzende Grafschaft Hadamar wird durch diese Einquartierung stark in Mitleidenschaft gezogen.

In der letzten Märzwoche plündern die Schweden Niedertiefenbach. Um Ostern (16. April) quartiert sich Beckermann für 4 Tage im Dietkircher Stift St. Lubentius ein. Später wird man den entstanden Schaden auf 1792 Florin beziffern.

Offenbar mutwillig brennen die Schweden Anfang April 1634 das Dorf Steinbach, dessen Ortskern im Bereich der heutigen Kirchstraße lag, bis auf 5 Häuser nieder. Kurz darauf haben die katholischen Spanier die Oberhand im Hadamarer Land; mit ihren Plünderungen stehen sie den Schweden jedoch in nichts nach. Erst Monate später wird der 1629 zum katholischen Glauben konvertierte Graf Johann Ludwig den Kaiser in Wien bewegen können, kriegerische Auseinandersetzungen der katholischen Liga vom Hadamarer Land weitgehend fernzuhalten.

Das Jahr 1646
Im August lagern Soldaten des Erzherzogs Leopold Wilhelm (Sohn von Kaiser Ferdinand II.) vom 19. bis 29. August im Gebiet zwischen Schadeck, Dehrn, Ahlbach und Niedertiefenbach. Sie brechen in sämtlichen umliegenden Dörfern bis nach Rennerod in Norden Häuser ab und bringen vor allem das Holz in das Heerlager. Oberweyer, Niederweyer und Steinbach werden dabei erneut verwüstet. Die Grafschaft Hadamar verliert 552 Stück Rindvieh, 308 Schweine, 3239 Malter Getreide und 341 Wagen Heu.

Der Wiederaufbau Steinbachs
In den folgenden Jahrzehnten entsteht entlang der Steinbacher Langstraße ein neuer Dorfkern. Das Bild zeigt im Vordergrund das Haus Langstraße Nummer 43, dessen Baujahr 1712 auf der abgewandten Hofseite in einen Balken eingekerbt ist.




Ein alter Grenzstein

Im guten Dorn zwischen den Gemarkungen Obertiefenbach und Steinbach verlief einst die Grenze zwischen den Grafschaften Wied-Runkel und Nassau-Oranien. Am 13. Oktober 2009 wurde in diesem Gebiet ein Grenzstein aus jener Zeit gefunden, auf dem noch schwach die Buchstaben "WR" (Wied-Runkel) in der damals üblichen Schreibung zu erkennen sind.




1945: Amerikanische Truppen im Westerwald

Am 6. Juni 1944 beginnt die Landung der Allierten in der Normandie. Trotz massivem Widerstand deutscher Verbände dringen die Invasionstruppen ständig weiter gegen Deutschland vor. Vom 7. bis 17. März 1945 gelingt es den Allierten, 18 ihrer Regimenter über die zunächst noch intakte Brücke von Remagen zu bringen. Dann stürzt die schwer beschädigte Brücke ein. Das 67. deutsche Armeekorps kann die Offensive nicht mehr stoppen.

Bis zum 25. März schiebt sich die 1. US-Armee und ihre Korps III, V und VII vom Rhein nach Südosten gegen die Autobahn, die heutige A3, vor. Am frühen Morgen des 26. März setzt sich daraus die 7. Panzerdivision von US-Generalmajor Hasbrouck, die ihr Hauptquartier in Linz am Rhein hat, nach Osten in Bewegung. Innerhalb dieser Division sind die Commands A, B und R auf den südlichen Westerwald gerichtet. Command R bricht am Morgen des 26. März um 6 Uhr von Notscheid in Richtung der Orte Langendernbach, Neunkirchen, Heckholzhausen und Obertiefenbach auf. Durch das schnelle Vorrücken im hügeligen Gelände bricht der Funkkontakt zwischen den amerikanischen Truppen zeitweise ab, so dass amerikanische Flieger irrtümlich die weit vorgerückten eigenen Truppen unter Beschuss nehmen. Das 40. US-Panzerbataillon im Command R unter Oberstleutnant John C. Brown, die sogenannte "Task Force Brown", nimmt die Strecke Hundsangen - Malmeneich - Niederhadamar - Hadamar - Oberweyer - Steinbach. Browns Sub Task Force Sweat (Major Sweat) erreicht um 14 Uhr ihr Tagesziel Obertiefenbach, die Sub Task Force Wolfe (Hauptmann Emerson Wolfe) etwas später Heckholzhausen. Nennenswerten deutschen Widerstand gibt es nicht; US-Militärberichten zufolge kommen an diesem 26. März und dem Tag danach nur wenige Verletzte im Stützpunkt des 77. US-Sanitätsbataillons bei Bornefeld und Selters an.

Berichte aus Steinbach und seiner Umgebung aus den letzten Kriegstagen: Am Vormittag des 11. März belegen alliierte Bomber den vermuteten Standort einer Funkstation am westlichen Dorfrand von Oberweyer mit ca. 200 Sprengbomben. Im Schwesternhaus von Oberweyer sind bis zum Einmarsch der Amerikaner einige desertierte deutsche Soldaten versteckt.

In Oberweyer lässt ein SS-Offizier noch um den 23. März drei russische Kriegsgefangene erschießen. Die Leichen werden vom Bürgermeister und zwei Gehilfen am Ort der Erschießung notdürftig begraben, weil der Ortspfarrer die Beerdigung auf dem Ortsfriedhof ablehnt. Am 21. Oktober 1954 werden die Toten exhumiert und auf den Friedhof für ausländische Soldaten in Dietkirchen überführt.

In Steinbach verschanzt sich eine kleine Gruppe deutscher Soldaten, um die heranrückenden Amerikaner aus dem Hinterhalt anzugreifen. Der Bürgermeister kann sie von diesem Plan abbringen. Die Soldaten ziehen sich in Richtung Steinrütsch zurück. Kurz nachdem die Amerikaner durch Steinbach zur Steinrütsch vorgerückt sind, ist von dort ein Schußwechsel zu hören. Über das Schicksal dieser letzten kämpfenden deutschen Soldaten in Steinbach wird nichts bekannt.

US Task Forces im Raum Obertiefenbach und Heckholzhausen



Der weitere Vormarsch der Amerikaner nach dem 26. März 1945 Die Task Force Griffin gehört wie die Task Force Brown zum Command R. Sie erreicht am frühen Abend des 26. März Hellenhahn, wo sie aus Rennerod unter deutschen Beschuss gerät. Die Amerikaner beschießen daraufhin Rennerod mit Granaten.

Command A der 7. US-Panzerdivision rückt am 26. März um 4.20 Uhr von Ehlscheid in Richtung Limburg ab. Dieser Auftrag geht noch im Laufe des Tages an das weiter südlich liegende 5. US-Armeekorps mit seiner 9. US-Panzerdivision über. Command A wird daraufhin nach Nordosten umdirigiert.

Die 9. US-Panzerdivision wendet sich der Lahn bei Diez und Limburg zu, wo sie am 26. März zwischen 19 und 20 Uhr eintrifft. Aus Südosten rückt ihr die 6. SS-Gebirgsdivision entgegen; diese kann aber nicht verhindern, dass die Amerikaner die Lahn überschreiten. Am 27. März wird der Gefechtsstand der 9. US-Panzerdivision nach Elz verlegt. Ihr Command A besetzt Diez, um 10 Uhr fällt die Garnison Diez. An der Lahn bei Diez entsteht ein amerikanischer Brückenkopf. Links vom Command A der 9. US-Panzerdivision zieht das Command B nach Limburg, um dort einen zweiten Brückenkopf zu errichten. Command R trifft am Mittag im Raum zwischen Limburg und Offheim ein und setzt seinen Vormarsch am frühen Nachmittag über die Lahn in Richtung Idstein fort. Am Nachmittag erreicht die 9. US-Panzerdivision die Orte Dehrn und Dietkirchen an der Lahn.

Weiter nördlich setzt die 7. US-Panzerdivision und ihr Command R am 27. März ihren Vormarsch fort. Die Sub Task Force Sweat in Obertiefenbach setzt sich um 12.30 Uhr in Bewegung und nimmt die Strecke Steinbach - Ellar - Neunkirchen - Elsoff - Mengerskirchen - Arborn - Odersberg - Rodenroth - Holzhausen. Um 20 Uhr erreicht sie Katzenfurt, rund 15 km nördlich von Braunfels. Hinter der 7. US-Panzerdivision rückt die 99. US-Infanteriedivision in das Gebiet nördlich von Limburg nach. Das zugehörige US-Infanterieregiment 395 verlässt morgens um 7 Uhr sein Quartier in Mogendorf (bei Ransbach-Baumbach) und erreicht am Abend Frickhofen und Niederzeuzheim. Die Bodentruppen durchkämmen die gesamte Region nach versprengten deutschen Soldaten, vor allem des 67. deutschen Armeekorps. Die Gefangenen werden zunächst zu nahegelegenen Sammelpunkten weiter westlich, und von dort in größere Lager am Rhein gebracht.

In den folgenden Tagen wird sich die 1. US-Armee nach Nordosten bewegen. Zusammen mit der von Norden vorrückenden 9. US-Armee wird sie bis zum 4. April 1945 einen Ring - den Ruhrkessel - um das zerbombte Ruhrgebiet mit seinen Millionen ziviler Bewohner und ca. 430.000 deutschen Soldaten legen. Nach der Einnnahme des Ruhrgebiets werden die Amerikaner auf Berlin vorrücken. Von Osten werden sich die russischen Armeen der Reichshauptstadt nähern. Am 8. Mai 1945 wird der 2. Weltkrieg mit der deutschen Unterschrift unter die Kapitulationsurkunde enden.




Im Guten Dorn

Nördlich der Straße von Steinbach nach Obertiefenbach liegt die Flur "Im Guten Dorn".

Im Jahre 1363 kommt es hier zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, bei der Graf Johann I. von Nassau am 20. August vom Grafen Johann I. von Westerburg (* 1332, † 1370) gefangen genommen und erst gegen ein Lösegeld wieder freigelassen wird. Der Limburger Chronist Johannes Mechtel schreibt dazu:
Dan es geschach, daß Johan her zu Westerburg und Johan Grave von Nassau feind waren und hetten ein treffen bei Guttendorn. Johan her von Westerburg behielte das veld und finge den grave Johannen von Nassau mehr dan mit 30 rittern und knechten. Es plieben uff des von Nassau seiten drei tot, einer aber uff der Westerburger seiten, allerhand guter leut. Grave Johan ward bald wieder los um 8000 gulden mit rittern und knechten. Sei hetten wol mehr gelds geben sollen, aber der grave genoß guter freund, die sehr vor ihn ritten.

Bei Tilemann Elhen von Wolfhagen lautet der Bericht: Anno 1367. da waren feind die Edlen Johann Graf zu Nassauw Dillenberg, vnd Johann Herr zu Westerburgk, vnd gedeiten sich, daß sie ein gerenn vnd ein Ponytz hatten bey Gudendorn. Vnd Johann Herr zu Westerburgk behilt das felt, vnd fing den Graffen von Nassauwe mehr dann mit dreißig Rittern vnd Knechten. Vnd blieben auf des von Nassauw seiten drey todt, vnd einer auf des Westerburges seiten, gute Handwercksleut. Derselbige Graff war loß mit den Rittern vnd Knechten vor Acht tausend gülden. Vnd hetten Jhme wol mehr gelt geben. Aber er genoß seiner freundt die sehr vor Ihn arbeiteten.

300 Jahre später, im 17. Jahrhundert, verläuft durch den Guten Dorn die Grenze zwischen den Grafschaften Wied-Runkel und Nassau-Hadamar. Es ist auch eine Konfessionsgrenze. Als Nassau-Hadamar ab 1630 katholisch wird, bleiben die östlich der Grenze gelegenen Orte Obertiefenbach und Heckholzhausen reformiert. Für Obertiefenbach ändert sich das 1649 mit dem Verkauf durch Wied-Runkel an Nassau-Hadamar.



(Koordinaten des "Goure Durn" / Kamera-Standort: 50°27'57.66"N 8° 8°6'34.58"E, Blickrichtung: N)



Der Stundenbaum an der Meil

Ging man früher von Obertiefenbach auf der alten Meil nach Limburg, so stand auf halber Strecke bis in die 1920er Jahre eine riesige Linde. Sie wurde der Stundenbaum genannt, weil es von hier noch eine Stunde Weges bis Limburg war. Das Foto rechts wurde vom alten Standort der Linde oberhalb von Dehrn nach Norden aufgenommen. Der Teerweg entspricht in etwa der Streckenführung der alten Meil aus Richtung Limburg / Dietkirchen. Der weiße Pfeil gibt ihren Verlauf um Ahlbach (Bildmitte) zum Ellarer Gericht am Heidenhäuschen bei Steinbach wieder. Das Heidenhäuschen ist in der Aufnahme mit einem blauen Pfeil markiert. Die schwarz-weiße Linie kennzeichnet den Verlauf der heutigen "Meil" (Bundesstraße 54).



(Koordinaten des Stundenbaums (ehemals): 50°25'24.40"N 8° 5'17.31"E)



Die Brücke über die Lahn bei Limburg

Über die Lahnfurt bei Limburg spannt sich seit Jahrhunderten eine Brücke. Über sie führen die alten Handelswege aus Südeuropa. Limburg wird zu einer bedeutenden Handelsstadt. Auf der Karte von Stadtschreiber Conrad Forth aus dem Jahre 1696 (Bild links, Ausrichtung: N) sind die Brücke und der äußere Brückenturm mit der Brückenkapelle an seiner Ostseite zu erkennen. Nördlich davon die Limburger Brückenvorstadt ("Die Vor Statt"). Rechts der Ausschnitt aus einem Gemälde von Albrecht, dass die Kanonade der österreichen Truppen auf dem Greifenberg östlich von Limburg gegen die Franzosen zeigt, die im Jahre 1796 von Norden auf die Lahn vorrücken. Die Brückenvorstadt wird in dieser Schlacht in Brand geschossen und weitgehend zerstört. Das Gemälde von Stanfield aus dem Jahre 1862 (unten links) zeigt die Lahnbrücke von Westen. Unten rechts ein aktuelle Aufnahme des äußeren Brückenturms von Norden gesehen.

Vom äußeren Limburger Brückenturm führt seit Jahrhunderten eine wichtige Handelsstraße nach Norden. Sie heißt traditionell in ihrem südlichen Abschnitt "die lange Meil". Sie verläuft von der Lahnbrücke zunächst in Richtung Dietkirchen, dann vorbei am Ahlbacher Zollhaus und Oberweyer nach Steinbach. An der heutigen Steinbacher Kapelle trifft sie auf die von Westen über die Hadamarer Elbbach-Brücke kommende Wetzlarer Straße, welche lange Zeit den mittleren Rhein mit Thüringen verbindet. Die alte Straße von Limburg teilte sich nördlich von Steinbach, am Ellarer Gericht. Der westliche Zweig führt über die Zollstation Gadelheimer Mühle zwischen Ellar und Dorchheim nach Siegen und von dort weiter zum Niederrhein. Der östliche Zweig der Straße verläuft ab dem Ellarer Gericht zunächst über Fussingen und Mengerskirchen nach Herborn und vor dort weiter nach Nordhessen. Ende des 18. Jahrhunderts werden diese beiden Straßenzweige am Ellarer Gericht durch die neue Vicinalstraße Steinbach-Ellar und die Vorläufer der heutigen Bundesstraßen 49 und 54 abgelöst.



(Koordinaten der Brücke: 50°23'26.44"N 8°3'52.82"E)



Die Mühlen der Steinbacher in Hadamar

Durch Erbleihbrief vom 29. Mai 1483 überträgt die Nassau-Eppstein-Catzenelnbogische Verwaltung zu Diez die neue Niederhadamarer Mühle an eine Ellssen, Tochter von Heyntz Leyntzmann und Witwe des Hennen Prötzen. Die Mühle heißt seither die (P)Brötzenmühle. Für die Mühle ist jährlich zwischen den Tagen Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt eine Pacht von 4,5 Malter Korn zu entrichten. Die Steinbacher werden der Mühlengerechtigkeit der Brötzenmühle unterstellt; sie sind nun verpflichtet, ihr Getreide dort mahlen zu lassen. In den 1620er Jahren kommt es zum Streit über die Fronpflichten gegenüber der Brötzenmühle, welcher zur "Absonderung" der Steinbacher aus der Banngerechtigkeit der Brötzenmühle führt. Am 15. Juni 1625 bezeugen "die Einwohner Jakob und Michel Scherer von Steinbach, dass sie den Sommer, da das Wehr der Brötzenmühle zerbrochen gewesen, daran hätten dienen und helfen müssen und auch gezimmertes Holz für den Mühlenbau hätten holen helfen". Als Grund für die Absonderung wird außerdem angeführt, dass es: "in winter zeyten dem muhller von der Brötzen muhlle unmöglich sey, wegen der tieffen wege gen Steinbach zu fahren und solch mahlwerk zu versehen, auch dass die vntherthanen selbsten vber den muhller zu Brötzen geklagt, dass er sie nicht fördere, sondern oft länger als 14 tage warthen liesse".

Unter dem Fürsten Franz Alexander wird in Hadamar um 1700 die Schloßmühle fertiggestellt. Durch Erbleihbrief vom 1. Oktober 1705 wird sie dem Henrich Ostermann übergeben. Ostermann wird verpflichtet, jährlich zu Martini als Pacht 14 Malter Korn, ein Mühlenschwein oder statt des Schweins 8 Reichstaler an die herrschaftlichen Eigentümer seiner Mühle zu entrichten. Die Banngerechtigkeit der Schloßmühle erstreckt sich ausschließlich auf Steinbach. Im Erbleihbrief heißt es dazu: "Thuen kund (..) dass wir unsere gleich unterhalb hiesig unserem Residenz Schloss stehende neu auferbaute mahlmühl samt stallung und angelegenen kleinen gartenplatz auch in spec. dazu angewiesene bannmahlgäste des dorfs Steinbach unterthanen (..) überlassen haben." Obwohl sie alleiniger Nutzer der Hadamarer Schloßmühle sind, haben die Steinbacher hier keine Fron- und Mühlendienste zu leisten.

Auch wenn die Steinbacher nicht zur Banngerechtigkeit der Hadamarer Stadtmühle gehören, sind sie doch zusammen mit den Niedertiefenbachern über viele Jahrzehnte verpflichtet, für diese herrschaftliche Mühle Frondienste auszuführen. Es handelt sich dabei um eine Spannpflicht, also eine Pflicht zur Übernahme von Transportarbeiten mit Gespannen, nämlich für das Heranfahren neuer Mühlsteine. Auf der Karte links aus der Zeit um 1730 ist der Mühlbach in Hadamar zu erkennen mit den drei Mühlen (von oben nach unten) Stadtmühle, Schloßmühle, Adams Mühle. Die Brötzenmühle ist als "Britzemühl" zwischen Niederhadamar und Offheim eingezeichnet. Das Foto rechts zeigt die Rückseite der südlichen Hadamarer Schloßanlage. Parallel zur Mauer und dem sich links anschließenden Ellbbach verlief einst der Mühlbach und trieb das Wasserrad der Schloßmühle an, die hier ihren Platz hatte.




Katharina Jeuck aus Ellar ist in den 1930er Jahren Lehrerin an der Volksschule von Oberzeuzheim (Bild rechts). Durch sie sind uns einige Sagen des Hadamarer Landes überliefert.

Die Sage vom Sonntagsjäger

Einstmals stand unterhalb des Heidenhäuschens zwischen Steinbach und Oberzeuzheim eine finstere, trutzige Burg. Darin hauste ein Graf mit seinem Gesinde, mit Pferden und Hunden. Tag um Tag zog er auf die Jagd. So auch des sonntags, wenn rings umher die Glocken läuteten und die Menschen zu den Kapellen und Kirchen strömten. Eines solchen Sonntags gesellte sich ein Reiter auf einem feurigen Rappen zu der Jagdgesellschaft des Grafen. Schweigend ritt der Fremde neben dem Grafen her und plötzlich standen beide am Rande eines tiefen Abgrunds. Ohne zu zögern setzte der Unbekannte mit seinem Pferd zum Sprung an. Da packte den Grafen der Ehrgeiz, und er gab seinem Pferd die Sporen. Noch im Sprung verschlang der Abgrund die Reiter. Später erzählten sich die Leute der Umgebung, dass die Burg des Grafen in just jenem Moment des Todessprungs unter gewaltigem Getöse mit all ihren Bewohnern im Erdboden versunken war. Noch heute trägt dieser Teil des Steinbacher Waldes den Namen "die Burg". Erfolglos haben Schatzsucher bisher nach Überresten der gräflichen Habe Ausschau gehalten.




Der Reckenforst bei Dietkirchen

Wenige Kilometer nördlich von Limburg am westlichen Rand der heutigen Gemarkung Dietkirchen befand sich vermutlich das Gericht auf dem Reckenforst, auf das bereits eine Urkunde aus dem Jahre 1217 verweist.

Besonders zwei spektakuläre Prozesse werden seinerzeit hier verhandelt, und es werden die gesprochenen Urteile wohl an Ort und Stelle vollstreckt.

Mord am Diezer Grafensohn: Am 31. Juli 1367 ersticht Friedrich Frei von Dehrn auf dem Dehrner Schloss den Diezer Grafensohn Johann. Der Mörder wird vom Gericht auf dem Reckenforst verurteilt und enthauptet.

Brandstiftung in Hadamar: Ein Bauer stellt 1540 bei Faulbach zwei Fremde, die offenbar soeben ein Feuer gelegt haben, durch das der größte Teil von Hadamar mit dem Schloss und Niederhadamar zerstört wird. Die Täter werden nach ihrer Aburteilung auf dem Reckenforst bei lebendigem Leibe verbrannt.




Michaelistag 1664

Hermann Otto (1627 - 1660) ist ein Sohn von Johann Ludwig und der Bruder des amtierenden Fürsten Moritz Heinrich. Er ist Mitglied der Domkapitel in Mainz, Köln und Trier. Von Papst Alexander VII. hat er bei einer Romreise 1656 Reliquien heiliger Märtyrer erhalten. Am 28. September werden diese Reliquien mit einer Kutsche nach Steinbach gebracht. Fürst Moritz Heinrich und seine Gattin, Fürstin Ernestine Charlotte von Nassau-Siegen, reisen mit. Über Nacht bewahrt man die Reliquien in der Marienkapelle auf.

Am nächsten Tag, dem 29. September (Michaelis), werden die Reliquien auf einem Altar vor der Steinbacher Linde in drei eigens angefertigte Reliquienkästchen gelegt. Ungefähr 4000 Gläubige wohnen diesem Ereignis bei. Nachdem die Anwesenden in einer Prozession an den Reliquien vorbeigezogen sind, werden die Kästchen von Priestern auf Tragbahren in das Hadamarer Schloss gebracht. Die "Hausgeschichte der Jesuiten zu Hadamar" berichtet zu jener Zeit von mehreren Wunderheilungen durch Bilder von Heiligen, die zuvor mit den Reliquien in Berührung gekommen waren.

Zwei Holzsplitter aus jenen Reliquien - der Überlieferung nach vom Kreuz Jesu - erhält die Pfarrei Niederzeuzheim anlässlich des Baus der Kreuzkapelle (fertiggestellt 1701) von Fürst Franz Alexander. Sie werden heute in einer kreuzförmigen Reliquienmonstranz aufbewahrt.

Das Foto zeigt den Steinbacher Friedhof, wo früher die Marienkapelle stand, mit dem Wingertsberg im Hintergrund.

(Koordinaten Friedhof 50°28'23.59"N 8°5'58.01"E)




Weinbau im Hadamarer Land

Das Foto zeigt den Blick vom Hadamarer Herzenbergweg über das Elbbachtal zum ehemaligen Konvikt, das heute eine Ausbildungsstätte der Limburger Domsingknaben ist. Im Vordergrund ist ein kleiner Weinberg zu sehen. Solche Rebflächen waren in früheren Jahrhunderten häufiger an den Südhängen des Hadamarer Landes anzutreffen. Davon kündet noch heute mancher Flurname, etwa "Wengelsberg" (Wingertsberg) für einen Hang unterhalb des Heidenhäuschens westlich von Steinbach.

(Koordinaten Weinberg in Hadamar 50°27'4.91"N 8°2'54.54"E,
Koordinaten Wingertberg in Steinbach 50°28'22.78"N 8°5'31.10"E)







Rachilts Schenkung

Rupert Cancor ist im 8. Jahrhundert lothringischer Graf mit umfangreichen Besitzungen im Westen des heutigen Deutschlands. Er ist 764 Mitstifter des Klosters Lorsch. Ihm folgt als Regent vom rupertiner Stamm sein 795 geborener Sohn Heimrich. Die beiden Schwestern Heimrichs, Rachilt und Euphemia, treten dagegen in das Kloster Lorsch ein. 

Am 12. August 772 macht Rachilt dem Kloster eine umfangreiche Schenkung, die in einer Urkunde festgehalten wird. Die Originalurkunde ist verschollen, jedoch findet sich die oben abgebildete Abschrift in einem Kopialbuch des Klosters, dem Codex Laureshamensis oder Lorscher Codex.

Lorscher Abt ist von 765 bis 778 Gundeland; sein Name erscheint rechts am Rand. Es ist das Jahr 4 der Regentschaft von König Karl, der spätere Kaiser Karl der Große: "IIII anno karoli regis" in Zeile 3.

Die Urkunde erwähnt mehrere Orte im damaligen Pagus Logenehe, dem Lahngau: Wilina (Schmitten-Dorfweil), Saltrissa (Bad Camberg-Oberselters, Selters-Niederselters), Brachina (Brechen), Barenbach (Waldems-Bermbach), Albach (Limburg-Ahlbach), Uchilheim (Elbtal-Heuchelheim), Wilere (Hadamar-Oberweyer und -Niederweyer), Torndorph (Dornburg-Dorndorf), Holtzhuse (Limburg-Lindenholzhausen oder Beselich-Heckholzhausen).

Für all diese Orte ist das die erste urkundliche Erwähnung.




Der Mord am Hirse-Fritz

Am Heckweg, dem alten direkten Verbindungsweg zwischen Obertiefenbach und Hintermeilingen, noch vor der Kreuzung mit der alten Heerstraße, findet sich auf der linken Seite das Grab des Hirse-Fritz. Das steinerne Grabkreuz trägt die Jahreszahl 1687. Dieses Sühnekreuz hält für die Menschen der Umgebung bis heute die Erinnerung wach an den gewaltsamen Tod eines Mannes, der mit Hirse und Hirsenmehl seinen Lebensunterhalt verdiente. Die Geschichte spielt in jener schweren Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, als marodierende Banden die von Krieg und Pest geschundene Bevölkerung um die verbliebene Habe und oft auch noch um das Leben brachten. Über die Bluttat gibt es keine Urkunden, so dass sich in den landläufigen Geschichten um den Hirse-Fritz Wahrheit und Legende untrennbar miteinander verwoben haben.

(Koordinaten Hirse-Fritze-Kreuz 50°28'47.27"N 8°7'35.34"E)




Obertiefenbach (Beselich)

Der 30-jährige Krieg geht im Jahre 1648 zu Ende. Das Hadamarer Land ist großenteils verwüstet und verarmt. Der Hadamarer Graf Johann Ludwig war Unterhändler der katholischen Seite von Kaiser Ferdinand dem II. und III. Diese Aufgabe hat ihn vermögend gemacht und ihm und seinen Nachkommen den Weg in den Fürstenstand geebnet. Im Jahre 1649 geht der Ort Obertiefenbach von der Grafschaft Wied-Runkel in das Privateigentum Johann Ludwigs über und wird infolgedessen (wieder) katholisch. Als 62 Jahre später mit Franz Alexander die jüngere Nassau-Hadamarische Linie ausstirbt, entbrennt um Obertiefenbach ein heftiger Streit zwischen dessen Gattin Elisabeth Katharina Felicitas und den sogenannten Agnaten, den nächstverwandten Nassauer Regenten. In diesen Streit werden schon bald auch die Obertiefenbacher Bürger hineingezogen. Den Schlusspunkt dieser Auseinandersetzungen bildet der Rückkauf Obertiefenbachs durch Wied-Runkel im Jahre 1770.

(Koordinaten Kirche Obertiefenbach 50°27'27.12"N 8°7'20.69"E)




Steinbach im Jahre 1713

Der Kasseler Landvermesser J. H. Weber kartografiert im Jahre 1713 akribisch das Fürstentum Nassau-Hadamar. Hintergrund ist der Erbfolgestreit der nassauischen Agnaten mit der Witwe des 1711 tödlich verunglückten Fürsten Franz Alexander. In seiner Darstellung von Steinbach erkennt man die damalige Kirche auf dem Friedhof und die Kapelle. Beide Gebäude sind durch kleine Kreuze markiert. Die alte Wetzlarer Straße besteht heute noch in Steinbach als Hadamarer Straße und untere Kapellenstraße. Die direkte Straßenverbindung von der Kapelle nach Heckholzholzhausen wurde später durch die Obertiefenbacher Straße und die Bundesstraße 49 ersetzt.


(Karte: Nummer HHStAW Abt. 3011/1 Nr. 1203 R. Mit freundlicher Erlaubnis des Hessischen Hauptstaatsarchivs.)




Das Heidenhäuschen

Zwischen den Orten Oberzeuzheim, Hangenmeilingen und Steinbach erhebt sich das 398 m hohe Heidenhäuschen, eine nach Westen hin steil abfallende Anhöhe, auf der ein geheimnis-umwittertes Steinmonument thront.

In der Nähe werden Überreste eines Ringwalls gefunden, die Helmut Schoppa 1960 in das frühe Mittelalter datiert.

Es gibt zahlreiche Anlagen dieser Art in Deutschland; von Archäologen werden sie meist als keltische Wohnbezirke oder Verteidigungsbauten (Fliehburgen) gedeutet.

Ein Einwohner von Oberzeuzheim findet vor dem zweiten Weltkrieg rund 3 Kilometer südwestlich des Heidenhäuschens nahe der Hadamarer Straße zwei Regenbogen-Schüsselmünzen der Treverer aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert.

Südlich des Heidenhäuschen liegt "die Burg". An deren Unterseite nach Steinbach hin wird ein kreisrunder Brunnen entdeckt. Unklar ist, ob er keltischen Ursprungs ist und aus aus der La-Tène-Zeit kurz vor Christi Geburt stammt oder zu einer mittelalterlichen Wüstung, also einem verschwundenen Dorf, gehörte.

Wenige hundert Meter nördlich des Heidenhäuschens steht ein kreisförmiger niedriger Rundwall, in dem Helmut Schoppa einen für mittelalterliche Gerichsstätten typischen Steinkreis erkannt hat.

(Koordinaten Monument 50°29'0.81"N 8°4'50.11"E)




Jesuiten in Hadamar

Kurze Zeit nach seiner Ankunft am Kaiserhof in Wien im Jahre 1629 konvertiert Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar zum katholischen Glauben. Die von ihm nach Hadamar berufenen Patres der Gesellschaft Jesu gehen in den folgenden Jahren häufig hinaus in die Dörfer des Hadamarer Landes, um den römischen Glauben bei der calvinistischen Bevölkerung zu verbreiten. Über hundert Jahre fördern die Hadamarer Jesuiten das Schulwesen in Nassau-Hadamar und gründen das erste Gymnasium der Stadt. 1773 wird der Jesuitenorden aufgelöst und erst viele Jahre später neu belebt. Den Schulfonds für die Erweiterung des Gymnasiums verwaltet ab diesem Zeitpunkt der Hadamarer Rentmeister. An ihn fließen auch die Erlöse aus den ehemaligen Besitzungen des Jesuiten-Ordens in den umliegenden Dörfern, darunter die Gülte, eine Art Land-Pacht. Jahrzehnte später wird das Hadamarer Gymnasium die Räume des ehemaligen Fürstenschlosses (Bild rechts) beziehen und dort bis Anfang der 1970er Jahre bleiben.

(Koordinaten Schloß 50°26'50.32"N 8°2'40.66"E)


Für Ländereien in Steinbach entrichteten an den Hadamarer Rentmeister Stahl im Jahre 1787 ihre Gülte:
(Urkunde: Nummer HHStAW Abt. 172 Nr. 1594. Mit freundlicher Erlaubnis des Hessischen Hauptstaatsarchivs.)


Johannes Bausch, Heimberger
Johannes Bausch
Johann Georg Bausch
Philipp Bausch
Georg Bill Witwe
Johann Wilhelm Blum
Andreas Dehmer, Schulmeister
Johannes Dehmer Witwe
Johann Wilhelm Diterichs
Johann Georg Gab

Barbara Gräf
Jacob Gräf
Johannes Gräf
Johannes Gräf Tochter
Johann Georg Gräf
Johann Wilhelm Gräf
Katharina Gräf
Margarethe Gräf
Johannes Hartmann
Johann Wilhelm Heußer

Jacob Hilb Witwe
Johannes Hilb der Ältere
Johannes Hilb, Geschworener
Johannes Hilb 3ter
Johannes Hiltzer von Seck
Johann Georg Höhler
Heimberger Horn
Johann Georg Jung
Johann Wilhelm Jung
Andreas Leber, Geschworener

Johannes Preuß, Geschworener
Johannes Preuß 3ter
Jacob Rath
Johannes Rath Witwe
Johann Georg Röhrig
Johann Georg Schlitt von Obertiefenbach
Johannes Schneider zu Obertiefenbach
Peter Schneider
Johann Heinrich Schott
Johannes Triesch von Heuchelheim



Die Franziskanerkirche in Hadamar

Für die Rekatholisierung seiner Grafschaft bittet Johann Ludwig in den 1630er Jahren auch den Orden der Franziskaner um Unterstützung. Als Dank für ihre Verdienste um das Wohlergehen von Stadt und Region in der ersten Hälfte der 30-jährigen Krieges übereignet er den Fratres die Anhöhe Mönchsberg (Ägidienberg) auf der Westseite des Hadamarer Elbbachs. Sie beginnen 1637, dort ein Kloster zu errichten. Ab 1658 lässt Moritz Heinrich, ein Sohn Johann Ludwigs, dazu eine Klosterkirche mit der Fürstengruft des Hauses Nassau-Hadamar errichten. 1816 verfügt die Regierung die Aufhebung des Klosters. Als die Franziskaner im Jahre 1917 nach Hadamar zurückkehren, können sie das Anwesen nicht zurückerlangen. Das gelingt teilweise erst wieder nach 1945.

(Koordinaten Kirche 50°26'58.68"N 8°2'36.96"E)




Die Nepomukbrücke in Hadamar

Die Elb (oder auch: der Elbbach) ist ein rund 40 km langer, kleiner Fluss, der aus mehreren Bächen bei Ailertchen im Westerwald entspringt und zwischen Limburg und Staffel in die Lahn mündet. Im letzten Viertel dieser Strecke durchfließt er Hadamar. Die Nepomukbrücke über die Elbbach-Furt entsteht 1571 auf Überresten einer Brücke, die vermutlich auf das 12. Jahrhundert zurückgeht. Die vorherige Brücke an dieser Stelle wurde 1552 von Hochwasser zerstört, wie auf einer Inschrift-Tafel nachzulesen ist. Hauptsächliches Baumaterial der Brücke ist Grauwacke; die Abdeckplatten der Brüstung sind aus Marmor gefertigt, der im rund 10 km entfernten Schupbach abgebaut wurde. Schöpfer der Statue des heiligen Nepomuk aus rotem Sandstein (Bildmitte) ist Marin Volk, ein Meister des Hadamarer Barock. Den Auftrag für die Skulptur gaben wohl die Hadamarer Jesuiten um 1760. Die Großpflaster-Fahrbahn ist zwischen 3 und 4 Metern breit. Von den 5 Brückenbögen werden 3 ständig, der vierte nur bei Hochwasser durchflossen. Der fünfte Brückenbogen diente einst dem Wasserzufluss zum Mühlengraben, der am linken Elbbachufer an der Rückseite der Schlossanlage verlief.

(Koordinaten Brücke 50°26'55.26"N 8°2'40.70"E)




Die Liebfrauenkirche in Hadamar

Die katholische Stiftskirche "Unserer Lieben Frau" wird ursprünglich im 14. und 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil am Ufer des Hadamarer Elbbachs erbaut. Mit der Einführung der lutherischen Lehre in Hadamar Mitte des 16. Jahrhunderts verliert die Liebfrauenkirche ihre Besitztümer. In den Jahren 1621-1624 wird sie um eine Gruft für die Hadamarer Regentfamilie erweitert. 1637, sieben Jahre nach Beginn der Re-Katholisierung des Hadamarer Landes, wird sie Hadamarer Pfarrkirche. Ab 1818 ist die Liebfrauenkirche lediglich noch Totenkirche, also Friedhofskapelle.

Rutger Hesselmann

Im Jahre 1637 findet Rutger Hesselmann in der Liebfrauenkirche seine letzte Ruhe. Der Jesuitenpater hat 1636 die Pfarrei Lahr nördlich von Limburg übernommen. Dort pflegt er in den Jahren 1636/1637 die Pest-Kranken. Am 30. April 1637 erliegt er in Rennerod selbst der Seuche. Gräfin Ursula, Gattin von Graf Johann Ludwig, lässt Hesselmann auf ihre Kosten in der Gruft beisetzen. Wilhelm Heinrich von Riehl setzt Hesselmann um 1850 mit der Novelle "Die Werke der Barmherzigkeit" ein literarisches Denkmal. Im östlichen Teil des Ortes Waldbrunn-Lahr erinnert heute noch die Hesselmannstraße an den Pater.

(Koordinaten Kirche 50°27'4.74"N 8°2'42.71"E)




Das Steinkistengrab bei Niederzeuzheim

Steinzeitliche Grabanlagen gehören zu den ältesten Spuren menschlicher Siedlungen im nördlichen Limburger Becken. Von den drei gefundenen, schätzungsweise 3000 Jahre alten, Steinkistengräbern bei den Orten Niedertiefenbach, Oberzeuzheim und Niederzeuzheim ist nur das Letztere an seinen ursprünglichen Ort heute noch in Teilen erhalten. Die Anlage, die der Wartberg-Kultur zugerechnet wird, wurde vor einigen Jahren von engagierten Bürgern sorgsam freigelegt. Zahlreiche farbige Schautafeln erklären interessierten Besuchern die Fundstelle.

(Koordinaten Steinkiste ca. 50°28'53.41"N 8°2'2.91"E)

Steinbacher Kirchen

Der Ortskern Steinbachs liegt bis zum 30-jährigen Krieg um die Kirchstraße. Die Kirche befindet sich zu jener Zeit auf dem Grundstück des heutigen Friedhofs. Im Jahre 1820 wird das Gebäude abgerissen. In einer Steinmauer in der Kirchstraße entdeckt man den Teil einer Engelsfigur, die wohl einst ein Grab auf dem Friedhof zierte. 1821 wird am entgegengesetzten, östlichen Ortsrand Steinbachs auf dem "Ho" (Hain) eine neue Kirche errichtet. Sie muss 1964 wegen erheblicher Gebäudeschäden abgerissen werden. Die heutige Kirche aus den frühen 1960er Jahren entsteht 50 m weiter östlich.

(Koordinaten Kirche Steinbach 50°28'21.56"N 8°6'16.97"E)




Napoleons Soldaten im Hadamarer Land

Das Hadamarer Land wird vom ersten Koalitionskrieg gegen Napoleon stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese Phase der napoleonischen Kriege beginnt mit der Kriegserklärung Frankreichs gegenüber Österreich und Preußen vom 20. April 1792 und endet mit der Niederlage Österreichs und dem Frieden von Campo Formio am 17. Oktober 1797.

Das Lahngebiet und das nördliche Limburger Becken bis hinauf zum Westerwald ist 1796 Schauplatz mehrerer Konfrontationen zwischen den Soldaten von Marschall Graf Jean-Baptiste Jourdan, Oberbefehlshaber der französischen Meuse-et-Sambre-Armee, und denen des österreichischen Generalissimus Erzherzog Karl. Jourdan kontrolliert das westliche Rheinufer von Düsseldorf bis zur Nahe. Der französische General Moreau steht mit der Rhin-et-Moselle-Armee am südlich angrenzenden Rheinabschnitt. Die Soldaten Erzherzog Karls haben sich gegenüber von Jourdan auf der östlichen Rheinseite positioniert.

In den Jahren 1795 und 1796 überschreitet Jourdan mehrfach den Rhein, um die Streitkräfte des Erzherzogs zu binden und damit der französischen Rhin-et-Moselle-Armee im Raum Straßburg den Vorstoß zur Donau zu erleichtern. Als strategisch besonders wichtig erweist sich für Jourdans Vorstöße im Jahr 1796 die Lahn von Lahnstein bis Gießen.

Französische Offensive Anfang Juni 1796

In den ersten Monaten des Jahres 1796 herrscht Waffenstillstand zwischen den Kriegsparteien. Anfang Juni 1796 rücken jedoch französische Truppen von Düsseldorf und Köln nach Südwesten vor. Sie treiben die Österreicher bis zu deren Stützpunkt im Westerwald bei Altenkirchen/Freilingen zurück. Dort kommt es zur Schlacht. Die Österreicher weichen in der ersten Junihälfte 1796 weiter nach Süden über die Lahn aus.

Dann überschreiten weitere französische Truppen den Rhein bei Neuwied. Am 12. Juni richtet Jourdan sein Hauptquartier in Hadamar ein. Seine Generäle besetzen das Nordufer der Lahn. Bonnard in Ehrenbreitstein, Bernadotte im Abschnitt Nassau-Diez, Championnet auf den Diezer Höhen, Grenier an der Elbbachmündung, Collaud auf den Limburger Höhen und über den Höhenzug nördlich von Steinbach, Lefebvre auf dem linken Flügel von Collaud nach Osten zur Lahn hin und schließlich Soult im Abschnitt Gießen-Herborn.

Jourdan trifft Vorbereitungen, um den 15. Juni die Lahn bei Limburg nach Süden zu überschreiten. Erzherzog Karl steht mit seinen Soldaten südlich der Lahn, mit einem Stützpunkt östlich von Limburg. Er provoziert einen Zusammenstoß mit den Franzosen auf deren östlichem Flügel (Soult) bei Wetzlar. Jourdan verlagert Truppen dorthin. Den Österreichern gelingt es, die Franzosen abzuwehren und dann die Lahn bei Wetzlar nach Norden zu überschreiten, so dass sich die Franzosen um den 16. Juni 1796 eilig nach Norden hinter die Sieg und bei Neuwied über den Rhein zurückziehen.


Limburger Becken und südlicher Westerwald um 1840

Französische Offensive Anfang Juli 1796

Anfang Juli setzen die Franzosen erneut über den Rhein und treiben die Österreicher vor sich her zur Lahn. Bernadotte zieht von Norden auf beiden Seiten des Elbbachs auf Limburg zu. Championnet marschiert lahnaufwärts. Als der österreichische General Werneck Championnets Nachhut angreifen will, kreuzt sich sein Weg mit dem des heranziehenden Bernadotte. Auf den Höhen von Offheim kommt es zur Schlacht zwischen beiden, in der die Franzosen den Sieg davon tragen. Jetzt haben sie die Oberhand in diesem Gebiet nördlich der Lahn. Dann nehmen die französischen Generäle schnell die strategischen Positionen lahnaufwärts ein. So besetzt General Damas Brücke und Ort Runkel und Grenier rückt auf Merenberg und Weilburg vor. In den folgenden Tagen überschreiten die Franzosen die Lahn und rücken schnell sehr weit nach Süden vor. Nach Gefechten bei Friedberg und Obermörlen nehmen sie am 16. Juli 1796 Frankfurt ein.

Franzosen in Würzburg geschlagen - Rückzug in das Limburger Becken - General Marceau wird tödlich verwundet

Die nach Süddeutschland vorgedrungen Truppen Jourdans werden am 3. September bei Würzburg entscheidend geschlagen. Über die Wetterau ziehen sich die Franzosen in das Gebiet nördlich der unteren Lahn zurück. Am 16. September 1796 treffen Franzosen und Österreicher bei Gießen und Limburg aufeinander. Die Österreicher bleiben erneut Sieger. Auf dem weiteren Rückzug der Franzosen nach Norden kommt es am 19. September zum zweiten Mal in diesem Jahr 1796 zu einem Gefecht bei Altenkirchen. Am nächsten Tag setzen die Franzosen nach Westen über den Rhein.

General Marceau sichert am Wald von Höchstenbach mit leichter Artillerie den Rückzug französischer Divisionen. Als er sich zu Pferd den vorgeschobenen Aufklärern nähert, trifft ihn die Kugel eines Tiroler Jägers. Schwer verletzt wird er zur Division zurückgetragen. Die Franzosen setzen den Rückzug fort und geben den todgeweihten Marceau in die Obhut österreichischer Ärzte.

Am frühen Morgen des 21. September stirbt Marceau im Alter von 27 Jahren. Eine Abteilung österreichischer Kavallerie eskortiert den Leichnam nach Neuwied, wo er an die Franzosen übergeben wird. An den Trauerfeierlichkeiten nehmen Franzosen und Österreicher nebeneinander teil. Die Artillerie der Kriegsparteien schießt an den beiden Rheinufern Salut für den Verstorbenen. Die sterblichen Überreste Marceaus werden zunächst im Fort auf dem Petersberg bei Koblenz-Lützel beerdigt, später exhumiert und verbrannt. Die Urne mit der Asche wird jetzt am Fuße des Petersbergs in einer Pyramide beigesetzt, die von Marceaus Freund General Kléber entworfen worden war. Um diese letzte Ruhestätte entsteht im deutsch-französischen Krieg 1870/71 ein französischer Soldatenfriedhof. Am 4. August 1889 wird die Urne in das Pariser Panthéon überführt.

Ein Relief am Pariser Triumphbogen zeigt die Aufbahrung Marceaus in Neuwied im September 1796. Links stehen die Österreicher, rechts die Franzosen: Erzherzog Karl legt einen Lorbeerkranz auf den Toten.

Zum Gedenken an Marceau steht ein Obelisk auf jener Waldlichtung bei Höchstenbach, wo der General seinerzeit tödlich verwundet wurde.

(Koordinaten Marceau-Denkmal bei Höchstenbach 50°37'23.39"N 7°44'59.85"E)




Johann Wilhelm Bausch

Johann Wilhelm Bausch wird am 15. April 1774 in Steinbach in einfachste Verhältnisse geboren. Nach der Priesterweihe 1797 ist er viele Jahre als Seelsorger, als Lehrer und in der Schulaufsicht tätig. Am 8. Januar 1834 wird er zum Bischof von Limburg und damit zum Nachfolger von Jakob Brand gewählt; die Bischofs-Weihe findet über ein Jahr später, am 25. Januar 1835, statt. Nach nur 5 Jahren in diesem Amt stirbt er am 9. April 1840.

Die Inschrift auf einer Tafel an der Frontseite von Haus Nummer 32 an der Steinbacher Langstraße lautet: Geburts-Haus des 2ten Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Limburg (...) L Dr. Johann Wilhelm Bausch Bischof seit 25. Jan 1835 bis 9. Apr 1840 Oktober (...)

Biografie von Johann Wilhelm Bausch

(Koordinaten Geburtshaus 50°28'21.68"N 8°6'10.90"E)

Johann Wilhelm Bausch wird im Limburger Dom beigesetzt. Dazu errichtet Maurermeister Schuck 1840 eine steinerne Grabkammer, die nach der Beisetzung mit einem Gewölbe versehen wird. Die Grabstätte wird danach angefüllt und mit einer Steinplatte abgeschlossen. 1887 lässt der 5. Bischof von Limburg, Karl Klein, neben der Sakramentskapelle eine Gedenktafel für die beiden ersten Limburger Bischöfe Brand und Bausch anbringen. Der Ort ihrer Grabstätten ist Jahrzehnte später vergessen. Erst eine systematischen Suche führt 1963 zu ihrer Wiederentdeckung im Mittelgang des Limburger Doms. Die Bronze-Inschrift auf einer Marmorplatte, welche heute Bauschs Grab bedeckt (Bild), lautet: "JOANNES GULIELMUS BAUSCH EPPS LIMB. 1835 - 1840". Links oberhalb das Grab seines Vorgängers, des ersten Limburger Bischofs Jakob Brand.




Joseph Wolf aus Steinbach (aktualisiert)

1823 heiratet Anna Maria Preuß, Tochter des Landmanns und Steinbacher Bürgermeisters Jakob Preuß, den Landmann Johann Georg Wolf aus Niedertiefenbach. Joseph wird am 28. Februar 1826 geboren. Er ist das zweite von fünf Kindern aus dieser Ehe. Joseph entscheidet sich für den geistlichen Beruf. Im April 1845 tritt er in das Hadamarer Gymnasium ein. Die Steinbacher Schulchronik erwähnt ihn am 17. April 1846 anlässlich der Frühjahrsprüfung: Zusammen mit seinem Vater, dem Feldschöffen Johann Georg Wolf, wohnt "dessen Sohn, Studiosus Josef Wolf" der Prüfung bei.

Joseph legt nach 2 Jahren am Hadamarer Gymnasium im Alter von 21 Jahren zwischen dem 5. und 24. Februar 1847 das schriftliche, und zwischen dem 13. und 17. März des gleichen Jahres unter dem Vorsitz des Wiesbadener Regierungsrates Dr. Seebode das mündliche Abitur ab. Ein Auszug aus dem Verzeichnis der Abiturienten des Hadamarer Gymnasium von 1894 notiert seine Schulentlassung für Ostern 1847 (Geburtsjahr darin irrtümlich 1828). Als Ort für seine theologischen Studien wählt er Gießen. Am 23. August 1851 wird Joseph Wolf in Limburg zum Priester geweiht. Am 1. Oktober 1851 wird er Kaplan in Niederlahnstein und am 1. November 1853 tritt er die Stelle des Pfarrverwalters in der Pfarrei St. Barbara in Lahnstein an. Im Kulturkampf zwischen der katholischen Kirche und der preussischen Regierung wird Joseph Wolf zeitweise die Aufsicht über die Lahnsteiner Schulen entzogen.

1858 nimmt Joseph die Trauung seines zwei Jahre älteren Bruders Jakob mit Barbara Proetz aus Oberweyer vor. Am 1. Oktober 1861 wird er Pfarrer in Niederlahnstein. Nach dem Krieg von 1870/71 beschließt er zusammen mit seinem Kirchenvorstand den Neubau der Allerheiligenkapelle auf einer Lahnsteiner Anhöhe oberhalb der Lahn unweit der Stelle, an der die Lahn in den Rhein fließt. Joseph Wolf bleibt bis zum Ende seines Lebens im Jahre 1886 in Lahnstein.

Am 15. Oktober 1886 ist im Limburger Anzeiger zu lesen: "Hr. Dekan Wolf in Niederlahnstein ist am 14. Okt. gestorben. Derselbe war 1826 zu Steinbach bei Hadamar geboren und stand jetzt über 25 Jahre als Pfarrer in Niederlahnstein."(1)

Bei der Beisetzung von Joseph Wolf hält der Limburger Bischof Dr. Karl Klein den Trauergottesdienst.

Erst Jahre später wird die Allerheiligenkapelle fertiggestellt und mit Unterstützung von Kaiser Wilhelm II. am 20. Oktober 1901 eingeweiht werden. Das Portrait von Joseph Wolf findet sich in einem kleinen Vorraum der 1938 geweihten Kirche St. Barbara in Lahnstein.

Quellenangaben:
(1) Limburger Anzeiger 1886, zitiert nach "Albin Schuster - Ein halbes Jahrhundert Dienst am Kunden, Firmenchronik zum 50 jährigen Jubiläum 1983", Seite 111, rechte Spalte.



Die Steinbacher Pfarrkirche

Nach einer knapp zweijährigen Planungs- und Bauzeit wird am 2. Juli 1962 der Grundstein der Steinbacher Pfarrkirche vom damaligen Leiter des Priesterseminars Dr. Ferdinand Fromm gelegt. Mit dem Grundstein wird eine Urkunde eingemauert, die folgenden Wortlaut hat:

"Im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit legen wir heute, am 2. Juli 1962, den Grundstein für die neue Kirche in Steinbach, die errichtet wird zur größeren Ehre Gottes und zu Ehren der seligsten Jungfrau. Das Gotteshaus wird - wie die erste Kirche - den Titel MARIÄ HEIMSUCHUNG führen. Die Grundsteinlegung wird vollzogen im 3. Jahr des Pontifikats des Papstes JOHANNES XXIII., im Jahr des Beginns des 2. Vatikanischen Konzils, im 13. Jahr des Hirtenamtes unseres Bischofs DR. WILHELM KEMPF und seines Koadjutors WEIHBISCHOF WALTHER KAMPE unter dem Dekan und Geistlichen Rat KARL FAXEL und dem Ortspfarrer JOSEF HORN ostvertriebener Priester der Diözese Leitmeritz. Die Grundsteinlegung fällt in eine friedlose Zeit dieser Welt, da das deutsche Vaterland gewaltsam in zwei Teile getrennt, die alte Reichshauptstadt Berlin durch eine Mauer in Ost und West getrennt ist. Der Bundesrepublik Deutschland stehen vor als Präsident DR. HEINRICH LÜBKE und als Kanzler DR. KONRAD ADENAUER. Ministerpräsident in Hessen ist Dr. Zinn, Landrat des Kreises Limburg EDUARD JÄGER und Bürgermeister von Steinbach JOHANN HÄUSER. Der Grundstein wird gelegt von Regens Dr. FERDINAND FROMM. (Unterschriften)"


(Zitiert aus: 50 Jahre Pfarrei Steinbach 1920-1970, herausgegeben vom katholischen Pfarramt Steinbach, 1970)

Bild links: Die Steinbacher Pfarrkirche im August 2011. Bild rechts: Grabstein von Pfarrer Josef Horn auf der Westseite der Kirche zwischen Turm und Haupteingang. Josef Horn (*1900, †1967) war Pfarrer in Steinbach von 1955 bis zu seinem Tod.



Anton Georg Falkenstein
Der am 1. Mai 1903 in Frankfurt / Main geborene Anton Georg Falkenstein entstammt einer Limburger Handwerkerfamilie. Er ist Steinbachs katholischer Seelsorger von 1942 bis 1948.

Falkenstein wird am 17.3.1929 in Limburg zum Priester geweiht. Danach ist er in Bad Schwalbach, Wirges, Königstein und Frankfurt/Main-St. Gallus tätig, ehe er am 1. Juni 1937 die Pfarrei Höhn-Schönberg übernimmt.

Falkenstein begibt sich von Anfang an in Opposition zu den Nationalsozialisten. Seine Predigten werden überwacht. In seiner Königsteiner Zeit wird er im August 1933 wegen seiner Jugendarbeit für 10 Tage in Schutzhaft genommen, gefolgt von einem 10-tägigen Aufenthaltsverbot. Zweimal führt die Gestapo eine Untersuchung gegen ihn durch, zweimal kommt es zur Gerichtsverhandlung, zweimal wird er auf offener Straße überfallen. Als Kaplan darf er in der Schule keinen Religionsunterricht mehr geben. Deshalb mietet er in seiner Zeit in Schönberg eine alte Gastwirtschaft an und unterrichtet dort. 1939 verwarnt ihn die Gestapo wegen unsachlicher Kritik an Maßnahmen der Regierung.

Wegen seiner Amtsführung in Schönberg kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Kaplänen Fischbach und Fromm. In deren Folge wird Anton Falkenstein am 21. Dezember 1941 in den Ruhestand versetzt und wohnt zunächst bei seinen Verwandten in Schönberg.

Am 1. Juli 1942 tritt er die Stelle des Verwalters der Pfarrvikarie Steinbach an. Doch jetzt wird es still um ihn. Sein Nachfolger in Steinbach - Pfarrer Dickopf - wird später feststellen, daß Anton Falkenstein über die Seelsorge in Steinbach und die dortigen Ereignisse nach Kriegsende keinerlei Aufzeichnungen hinterlassen hat. Aber die Steinbacher erzählen noch lange von der handwerklich-praktischen Veranlagung und der großen Hilfsbereitschaft ihres Vikarieverwalters.

Weithin bekannt wird beispielsweise ein von Anton Falkenstein entwickeltes Verfahren zur Herstellung von Rauchfaßkohle, auf der im Weihrauchfass während der Messe das Räucherharz verbrannt wird.

Als nach dem Krieg in Steinbach wieder die Kirmes stattfindet, läßt er neben der Kirche eine kleine Bühne errichten. Kräftig unterstützt von seiner Haushälterin Gustl führt er dort mit den Steinbacher Kindern und Jugendlichen das Stück "Der fahrend Schüler im Paradeis" von Hans Sachs auf. Der 15-jährige Darsteller des Bauern muss in einer Szene die Bäuerin fest in die Arme nehmen, was sich die beiden etwas verlegenen Hauptdarsteller jedoch erst unter Gustls energischen Anfeuerungsrufen trauen.

Am 21. September 1948 geht Anton Georg Falkenstein dann endgültig in den Ruhestand. Am 14. Januar 1957 stirbt er 53-jährig in Fankel an der Mosel, wo er auch begraben wird.


(Bild von Pfarrer Falkenstein aus folgender Quelle.)



Maria Borbonus aus Steinbach und Norbert Bausch aus Thalheim

Seit 1564 gehört Steinbach zur lutherischen, bald danach calvinistischen Pfarrei Oberweyer. An dieser Zugehörigkeit ändert auch die 1630 begonnene Gegenreformation durch den Hadamarer Grafen Johann Ludwig nichts. Erst 270 Jahre später, vor allem ab dem Jahre 1904, streben die Steinbacher mit Nachdruck die Unabhängigkeit ihrer Filialkirche von der Mutterpfarrei Oberweyer an. Dafür sind einige Voraussetzungen zu schaffen. Es muss ein Geistlicher gefunden werden, der den Gottesdienst in Steinbach versieht. Dessen Unterbringung und Versorgung in einem Pfarrhaus mit Garten beziffert Bischof Dominikus Willi mit 1500 Mark. Im Übrigen verlangt die Pfarrei Oberweyer eine Abfindung in Höhe von 5000 Mark für den Wegfall der Abgaben aus Steinbach.

In dieser Situation ist die großzügige finanzielle Unterstützung einer Spenderin willkommen, die zeitlebens ungenannt bleiben möchte. Mit diesen Mitteln lösen sich die Steinbacher von Oberweyer und können im Jahre 1920 den weißen Sonntag erstmals in der Steinbacher Kapelle begehen. Anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung der Steinbacher Pfarrvikarie 1970 wird der Name der Spenderin bekannt. Es war Maria Borbonus aus Steinbach.

Maria Borbonus wird am 8. September 1843 in Steinbach geboren. Früh wird sie Haushälterin ihres Onkels, des Kameliten-Paters Norbert Bausch. Norbert Bausch wird am 7. Dezember 1840 in Thalheim nördlich von Limburg geboren. 1857 wandert Norbert Bausch nach Amerika aus; Maria Borbonus folgt ihm. (Jerome Reichwein aus Niederzeuzheim, geboren am 7. Dezember 1860, ist eine Neffe von Norbert Bausch, der sich ebenfalls den Karmeliten anschließt und nach Amerika geht.)

Nach seiner Ausbildung in Annapolis und Cumberland wird Norbert Bausch am 29. Juni 1869 in Baltimore zum Priester geweiht. 1870 ist Bausch in St. Johns / New Baltimore Pastor und Prior und danach von 1892 bis 1897 in der Gemeinde St. Francis in Homestead im Allegheny County, Pennsylvania. 1898 geht er nach Johnstown im Cambria County, Pennsylvania - 9 Jahre nach dem Dammbruch, der 1/10 der Bewohner der Stadt das Leben kostete (Wikipedia). Die dortige katholische Gemeinde wurde bereits 1859 von deutschen Einwanderern gegründet. Bausch setzt sich für einen Neubau der Kirche ein. 1906 wird deren Grundstein in der Broad Street 308 gelegt. 1908 erfolgt die Weihe der Kirche als Immaculate Conception Church of the Blessed Virgin.
Norbert Bausch stirbt am 17. Mai 1917 und wird auf dem Friedhof von Lower Yoder Township, einem Stadteil von Johnstown, unter dem Namen John M. Bausch beigesetzt. Seine Grabinschrift lautet:

In Memory Of
Rev. John M. Bausch
Born Dec. 7, 1840
At Thalheim Nassau
Ordained June 29, 1869
Died May 17, 1917.
For 19 Years Pastor
Of Im. Con. Church.

Maria Borbonus stirbt am 2. Juli 1931 und ist auf dem gleichen Friedhof als Mary Borbonus beerdigt.

Koordinaten des Friedhofs von Lower Yoder Township: 40°20'32.27"N 78°56'47.39"W.

Bild: Turm der Steinbacher Pfarrkirche von 1962. Aufnahme vom Sieggarten um 1975. Daneben eine Teilansicht des Schulhauses und der alten Scheune von Robert Wolf an der Hadamarer Straße.



Maria Borbonus from Steinbach and Norbert Bausch from Thalheim

Since 1564 Steinbach belongs to the lutherian, a few years later to the calvinist parish of Oberweyer (both places located in Nassau County, Germany). This relationship of the two villages is not affected by the counter-reformation thriven by Count Johann Ludwigs of Nassau-Hadamar as of 1630. Another 270 years pass before the catholics of Steinbach claim independence of the Oberweyer parish, with an emphasis as of 1904. However, first of all a priest has to be found to celebrate services at Steinbach. Moreover, the priest´s accomodation and norishment need to be arranged. Limburg bishop Dominikus Willi gives an costs estimate of 1500 Marks. In addition the Oberweyer parish claims compensation of 5000 Marks, because an independent Steinbach parish will no longer contribute to the maintenance of the Oberweyer church.

Then a generous donation is made by a lady who insists on staying anonymous. With the money the Steinbach catholics are able to pay the separation from the Oberweyer parish. In 1920 for the first time Steinbach celebrated its own First Communion in the old Steinbach chapel. On the 40th anniversary of the foundation of the parish of Steinbach in 1970 a secret is unveiled: Maria Borbonus, a citizen of the United States of America, gave the money for the Steinbach parish.

Maria Borbonus was born on September 8th, 1843 in Steinbach. She kept the house of her uncle, Carmelite father Norbert Bausch. Norbert Bausch, who was born on December 7th, 1840 in Thalheim, a place to the north of Limburg in Nassau county, Germany, emigrated to the United States of America in 1857. Maria Borbonus followed him there. (Jerome Reichwein from Niederzeuzheim, a village close to Thalheim, was born on December 7th, 1860. He was Norbert Bausch´s nephew. Jerome also joins the Carmelites and goes to the United States.)

After his theological education in Annapolis, MD and Cumberland, MD Norbert Bausch becomes ordinated to the priesthood on Juni 29th, 1869 in Baltimore, MD. In 1870 Bausch is a pastor and a prior at St. Johns / New Baltimore. From 1892 to 1897 he serves at St. Francis in Homestead, Allegheny County, Pennsylvania. 1898 he heads for Johnstown, Cambria County, Pennsylvania - 9 years after the horrible Johnstown dam desaster which took the lives of 1/10 of the town´s residents. (Wikipedia). The Johnstown catholic parish had been founded in 1859 by German immigrants. Bausch campaigns for the construction of a new church. In 1906 the church´s cornerstone is laid on 308 Broad Street. In 1908 this church is consecrated Immaculate Conception Church of the Blessed Virgin.
Norbert Bausch dies on May 17th, 1917 and is buried in the cemetery of Lower Yoder Township, a Johnstown urban district, as John M. Bausch . His epitaph reads:

In Memory Of
Rev. John M. Bausch
Born Dec. 7, 1840
At Thalheim Nassau
Ordained June 29, 1869
Died May 17, 1917.
For 19 Years Pastor
Of Im. Con. Church.

Maria Borbonus dies on July 2nd, 1931 and is buried in the very same cemetery as Mary Borbonus.

Coordinates of Lower Yoder Township Cemetary: 40°20'32.27"N 78°56'47.39"W.

Photograph: Tower of the 1962 Steinbach church. This picture has been taken from Steinbach Sieggarten about the year 1975. It further shows a small part of the Steinbach schoolhouse and a piece of the old barn of Robert Wolf, both on Hadamar Road.




Der Streit um das Hungrighausen-Erbe

Franz Joseph von Hungrighausen aus Mengerskirchen ist Kanoniker am Speyrer Kollegiatstift St. Guido. Er lässt den Hadamarer Jesuiten durch eine Schenkung und ein Kodizill 1738 sein gesamtes Vermögen zukommen. Das sind vor allem umfangreiche Liegenschaften im Hadamarer Land, so in Steinbach und Oberweyer, und die Summe von 36.000 Florin für den Bau eines Klosters. Superior der Hadamarer Jesuiten ist zu jener Zeit sein Bruder Franz Heinrich (Jakob Wagner nennt ihn Johann Franz) von Hungrighausen. Der Frickhöfer Pfarrer Johann Wilhelm von Hungrighausen ist ein Vetter der beiden.

Pfarrer Johann Wilhelm von Hungrighausen klagt in seinem Namen und in dem der übrigen Vettern und Geschwister des Verblichenen gegen diese Nachlassregelung. Der Rechtsstreit zieht sich über etliche Jahre. In erster Instanz gewinnt die "Erbengemeinschaft", in zweiter verliert sie. Sie legt Revision beim Reichskammergericht in Wetzlar ein mit dem sinngemäßen Antrag: "Das zweitinstanzliche Urteil ist aufzuheben. Das erstinstanzliche Urteil ist zu vollstrecken. Die Kläger sind als Erben zu bestätigen. Der vom Superior geltend gemachte Anspruch auf die Erbschaft ist abzuweisen. Die angeordnete und ausgeführte Güter-Sequestration aufgrund des erstinstanzlichen Urteils ist aufzuheben.". Das Reichskammergericht entspricht diesem Antrag jedoch nicht. Die Hadamarer Jesuiten werden Universalerben des Franz Joseph von Hungrighausen und können mit den Geldmitteln ihre Bauvorhaben in Hadamar realisieren.

Die Einnahmen aus den Ländereien fließen auch nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 weiter, und zwar in den Ex-Jesuitenfonds, welcher vom Hadamarer Domänen-Rentamt verwaltet wird.

[Literatur: Claudia Helm, Jost Hausmann: Reichskammergericht, Teil 1. Nassauische Prozessakten, Bände 1-3, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 43.]




Das Kreuz an der Steinbacher Kapelle

 




Die Hoheholzkapelle westlich von Hadamar

An der Fronleichnamsprozession des seit 1630 katholischen Hadamarer Landes nehmen auch die Gläubigen aus den Pfarreien Niederhadamar und Offheim sowie aus den Kirchspielen Niederzeuzheim und Oberweyer - so auch aus dessen Filialort Steinbach - teil. Der vierte Altar der Prozession ist an einem Bildstock im Waldstück "Hohes Holz", wo das Hochamt mit der Predigt gehalten wird. 1699 lässt Fürst Franz Alexander an der gleichen Stelle die Hoheholzkapelle errichten.

Nach dem Sieg über Napoleon 1813 bei Leipzig wird in Hadamar ein Lazarett zur Versorgung der Blücherschen Armee eingerichtet. Für die zahlreichen Toten wird die Hoheholzkapelle zur Totenkirche. In ihrer Nähe werden die Toten in insgesamt 6 Massengräbern beerdigt. Unweit der Gräber hat eine Hadamarer Familie ein Gedenkkreuz errichten lassen.

(Koordinaten der Hoheholzkapelle: 50°27'14.10"N 8°1'58.54"E)
(Koordinaten des Gedenkkreuzes: 50°27'14.12"N 8°1'49.13"E)




Die Herzenbergkapelle in Hadamar

Im März des Jahres 1657 schenkt die Stadt Hadamar der Jesuitenniederlassung den Spielplatz der Gymnasialjugend auf dem Hirschberg. Bis zum Ende dieses Jahres ist dort eine Kapelle entstanden. 15 Jahre später erhält die Kapelle durch Fürst Franz Bernhard ihre heutige Gestalt. Der Name der Kapelle rührt daher, dass in ihr in den fast einhundert Jahren nach ihrer Errichtung die Herzen von vier Fürsten der Hadamarer und Siegener Linie des Hauses Nassau bestattet wurden: Franz Bernhard (1695), Franz Alexander (1711), Franz Hugo (1736) und Wilhelm Hyacinth (1743).

(Koordinaten der Herzenbergkapelle: 50°27'6.41"N 8°2'57.37"E)




Die Kreuzkapelle in Niederzeuzheim

Seit 1633 verwalten die Hadamarer Franziskaner die Pfarrei Niederzeuzheim und haben sie ab 1653 ganz inne. Seitdem die Jesuiten im Jahre 1657 die Kapelle auf dem Herzenberg bauen durften, gibt es Streit mit den Franziskanern vom Hadamarer Ägidienberg um deren Nutzung. Deshalb streben auch die Franziskaner bald nach einer eigenen Kapelle. 1701 wird der Grundstein der Kreuzkapelle in Anwesenheit ihres Stifters Fürst Franz Alexander gelegt. Am 14. Juni 1706 wird die Kapelle vom Trierer Weihbischof Peter Verhorst geweiht (ebenso wie die Kapelle des Hadamarer Klosters der Dominikanerinnen, das spätere St. Anna-Krankenhaus). Franz Alexander verehrt der Kreuzkapelle die Kreuzpartikel-Reliquie, die durch Hermann Otto 1656 nach Hadamar gekommen war. Dem sechseckigen Zentralbau der Kreuzkapelle mit seiner zweiflügligen Tür ist nach Westen ein doppelter Vorbau angefügt. Die drei Linden und die Robinie datieren vermutlich in die Bauzeit der Kapelle. Ursprünglich gehört zur Kapelle auch ein Prozessionsweg mit sieben Fußfällen; er muss jedoch vor einigen Jahrzehnten der Straßenerweiterung weichen.

(Koordinaten Kreuzkapelle 50°28'25.23"N 8°2'1.90"E)




Die Entführung des Jesuiten-Paters Holthausen

Am 19. Januar 1630, mitten im dreißigjährigen Krieg, trifft der neue katholische Seelsorger Wilhelm Holthausen in Oberweyer ein. Holthausen ist Jesuiten-Pater aus Koblenz. Wie sein Vorgänger Heinrich Prack S.J. ist er auch für die Pfarrei Lahr zuständig. Am 12. März 1630 macht sich Holthausen auf den Weg von Hadamar nach Lahr. Im Wald nördlich von Steinbach nahe des Ellarer Gerichtes wird er unversehens von Soldaten überfallen und entführt. Ein Lebenszeichen gibt Holthausen tags darauf aus Emmerichenhain bei Rennerod, bleibt aber danach zunächst unauffindbar. Anstifter zu dieser Tat ist Philipp Salbach, Schwiegersohn des kurz zuvor durch Pater Prack abgelösten calvinistischen Lahrer Seelsorgers Eberhard Artopaeus. Salbach verlangt für Holthausen vom Hadamarer Grafen Johann Ludwig ein Lösegeld von 1500 Talern. Johann Ludwig zahlt jedoch nicht. Vielmehr lässt er im weiten Umkreis nach Holthausen suchen und setzt für die Ergreifung der Täter eine Belohnung aus. Fünf Wochen nach seiner Entführung wird der in einen Soldatenrock gezwängte Holthausen im 80 km nördlich von Steinbach gelegenen Attendorn auf offener Straße erkannt und aus den Händen seiner Entführer befreit. Am 24. April 1630 eskortieren ihn 300 Musketiere nach Hadamar. Er kehrt allerdings nicht mehr an die Kirche von Oberweyer zurück, sondern übernimmt die Pfarrei Mengerskirchen. Die sieben Entführer Holthausens werden in Arnsberg verhört, verurteilt und danach am Galgen hingerichtet. Philipp Salbach wird zu einer Geldstrafe verurteilt und des Landes verwiesen.

(Koordinaten Ellarer Gericht 50°29'16.76"N 8°5'40.62"E)

Die Kapelle in Steinbach

Die Steinbacher Kapelle wird zu Beginn des 18. Jahrhunderts an jener Wetzlarer Straße erbaut, die die Rheinlande um Lahnstein mit Mitteldeutschland verbindet. Auf einer Tafeln im Inneren der Kapelle ist zu lesen:

FRANZ.ALEXANDER.FURST
ZV.NASSAV.G.Z.C.V.V.D.H.Z.B
VND
FRAW.ELISABETHA.CATARI
NA.FELiCiTAS.GEBOHRNE.LADT
GRÄFFIN.ZV.HESSEN.REINFELS.
iMiAHR.1702 DEN.7.iVLii

Fürst Franz Alexander ist der Enkel von Fürst Johann Ludwig und letzter Regent aus der jüngeren Hadamarer Linie. 1711 stirbt er nach einem Sturz von seinem Pferd nahe des Limburger Tors (Hammelburg) in Hadamar. Nach seinem Tod beginnt ein langjähriger Erbstreit um die Hadamarer Lande, die damals auch Obertiefenbach und das Kloster Beselich umfassen.

(Koordinaten Kapelle 50°28'17.38"N 8° 6'11.51"E - Koordinaten Hammelburg 50°26'47.79"N 8° 2'48.68"E)

Teilung Nassau-Hadamars

Nach dem Tod Franz Alexanders streiten die Erben 6 Jahre lang um den Nachlass. 1717 teilen sie das Fürstentum unter sich auf. Je ein Sechstel erhalten das katholische und das reformierte Nassau-Siegen. Je zwei Sechstel gehen an Nassau-Dillenburg und Nassau-Diez. Obertiefenbach fällt an Franz Alexanders Tochter Elisabeth. Der Kaiser stimmt der Teilung übrigens erst 1728 zu. Und doch ist Nassau-Hadamar 1742 wieder unter Fürsten Hyacinth von Nassau-Siegen vereint. Seinen Sitz verlegt er nach Hadamar. Hyacinth stirbt ein Jahr später und Nassau-Hadamar kommt zu Nassau-Oranien mit Sitz in Diez.

Im Spätjahr 1743 wird am Steinbacher Rathaus das Wappen des Hadamarer Fürsten entfernt. Kaiserliche Beamte bringen dafür dort den Befehl an, dass das Amt Hadamar nun unter kaiserlicher Verwaltung stehe. Doch schon einige Tage später wird das Hadamarer Fürsten-Wappen wieder angebracht, denn das Amt Hadamar ist unter die oranien-nassauische Verwaltung zurückgekehrt. Die Karte zeigt Steinbach um 1740. Rote Kreuze markieren die Orte der (noch heute bestehenden) Kapelle an der Langstraße und der Marienkapelle am Friedhof.







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